Erzgebirgstreff
Die Seite für alle Erzgebirger in Nah und Fern
von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Weihnachtsklänge bringen wieder ...

Die Erzgebirgs-Weihnacht im Gedicht
 

In keinem anderen Land der Erde - und auch in keinem anderen deutschen Bundesland - wird die Weihnachtszeit so intensiv begangen, besungen und auch verklärt wie im deutschen Weihnachtsland, dem  Erzgebirge. Und so spiegeln auch die Erzählungen, Gedichte und Lieder anschaulich diese besinnliche Zeit wider.

Die folgenden (mitunter gekürzten) stellen eine Auswahl von Gedichten dar, die sich alle mit Weihnachten befassen. Der Bogen reicht vom „Hannel sei Weihnachtslied" übers "Heiligobndlied" der Amalie von Elterlein bis in die Gegenwart um 1991 mit Manfred Pollmers „Weihnacht im Arzgebirg“. Das Gedicht „Weihnachten“ von Ilse Jahreis aus dem benachbarten Vogtland habe ich wegen seiner schlichten Schönheit mit aufgenommen. Ganz bewusst habe ich auch vier Weihnachtsgedichte von Arthur Schramm, dem Annaberger Heimatdichter und Erzgebirgs-Original (siehe dazu weitere Beiträge auf dieser HP), aus den Jahren zwischen 1933 und 1951 hier veröffentlicht, um zum einen das Klischee vom angeblich nur dummen Sprücheklopfer zu widerlegen, aber anderseits auch seinen Wandel per Anpassung an die jeweiligen politischen Verhältnisse in seinen Gedichten aufzuzeigen.

Wenn mir die Leserinnen und Leser weitere Weihnachtsgedichte anderer Poeten aus dem Erzgebirge zusenden würden, könnte ich diese Seite weiter vervollständigen. Ein Anfang ist jetzt gemacht:

 

Christian Gottlob Wild

Ne Hannl sei Weihhnachtsliedel

(um 1815)

 

Schwenzelenz! Heit bi ich fruh,

s war lange Zeit net su!

Will heit Teebesch machen.

Kinner, ich ho Gald wie Hei,

s könnt lecht zwee Toler sei:

Ja, drüm ka ich lachen!

 

Satt dos Heilingobndlicht a!

S sei fei rute Blümle dra

Un e klaans Gesprüchel.

Ho zwee Grosch derfür bezohlt,

salber su schie agemalt!

 

Noochert will ich hutzen gieh,

heit beschern ne Kinnern schie!

S is ja heit Bornkinnel!

Kumme a de Maadln nooch –

Bi dan Maaden gut mei Tog,

s is e lus Gesinnel.

 

Gute Nacht derweil, ihr Leit!

Weckt mich morgn ze rachter Zeit!

Früh giehts in de Metten!

Wenn mer su de halbe Nacht

Hot fei lustig zugebracht,

kriecht mer in de Betten.

 

 

Johanne Amaile von Elterlein

(mehr über die Dichterin und das Heiligabendlied hier)

Heilingobndlied

(um 1830)

Heit is dr Heilge Obnd, ihr Maad,
kummt rei, mer gießn Blei;
Rik, laaf geschwind zer Hanne-Krist,
die muß beizeiten rei.

Ich ho menn Lächter agezündt,
satt nauf ihr Maad, die Pracht!
Do drübn bei eich is´s aah racht fei,
ihr hatt e Sau geschlacht.

Satt a, ihr Maad, dos rare Licht
Fer zweeazwanzig Pfeng,
ich muß meins in e Tippel stelln,
mei Lächter is ze eng.

Kar, zünd e Weihraachkarzel a,
doß´s nooch Weihnachten riecht,
un stell´s hi of dan Scherbel dort,
daar unterm Ufn liegt.

Lott, dortn of dr Hühnersteig,
do liegt men Lob sei Blei;
Mad, rafel när net su dort rüm,
sist wird de Krinerts schei.

Denn´s Masvolk hot sei Frahd an wos,
sei´s aah, an wos när will;
mei Voter hot´s an Vugelstelln,
dr Kar daar hot´s an Spiel.

Iech gieß fei erscht, wan krieg ich do?
Satt a, enn Zwackenschmied.
De Karli lacht, die denkt wuhl gar,
ich maan ihrn Richter-Fried?

Mer haben aah sachzen Butterstolln,
su lang wie de Ufenbank;
heit wird emal gefrassen waar,
mir waarn noch alle krank.

 

 

Heinrich Jacobi (Montanus)

Vür Weihnachten

(um 1902)

 

Nu horcht ner, wie dr Loden knarrt

Un klappert su vun Wind.

Hennt draußen stöberts, s hot e Art,

dos wird e Winter, Kind!

S ka nischt schoden, besser is

Dos doch als Matsch un Drack,

un wenn dr Schnee wenig größer is,

do giehter net glei wag.

 

Nu´s wird aah Zeit, Wenachten is

Schu wärrlich vür dr Tür,

wenn iech dra denk, kimmt mersch gewiß

gar net wie möglich vür.

Fraa, sog mer när, ob de olber bist,

dohiere trittst rüm,

hast nischt ze tu fürn Heiling Christ?

Do kümmer dich doch drüm! (...)

 

 

Arthur Schramm

(mehr über Arthur Schramm)

Christi Geburt

(20. Dezember 1933)

 

Und wieder hält mich ganz gefangen

Das Wunderbild der Heilgen Nacht.

Mein sehnend Herz trägt groß Verlangen,

Nach IHM, der nächtlings welt-erwacht.

 

All meine Sinne werden rege;

der suchende Gedanke spinnt,

daß Gott auch mich aus Gnaden segne,

durch dieses liebe Christuskind.

 

So steht sein Bild mir vor der Seele;

Anbetend sink ich in die Knie.

Mein Jesulein! Ich Dich erwähle

In reinster Lieb und Harmonie.

 

Das aller Welt zum Heil gekommen,

Von Sünden ledig werden läßt.

Wer dies – gleich mir – ernst aufgenommen,

Kann fröhlich feiern Weihnachtsfest!!!

 

 

 

Arthur Schramm

Arzgebirgische Weihnachten

(17.12.1941)

 

Wenn de Nocht zen Tog gemacht,

wird gebastelt un gewercht,

wenn de selbstgeschizte Pracht

In Versteck wird neigepfercht,

wenns su haamlich weit un breit,

nochert kimmt de Weihnachtszeit.

 

Wenns bei uns eischneie tut

Un de Art do drubn wird weiß,

dann liegts gung un alt en Blut:

Blüht bal wieder junges Reis.

Wenn de Christbaam erscht sei da,

Nocher kimmt Weihnachten raa.

 

Wenn dr Christ in en erwacht,

daß mer sich wird racht bewußt,

wos geschah in heilger Nacht,

regt sich Fried tief in dr Brust.

Wenn dr Mensch sen Gott kimmt nah,

nochert is es Christfest do.

 

Dann schenkt Lieb, herrscht Lust und Freed,

Lichter strahlt in de Harzn nei.

E Stück vun dr Seligkeet

Zieht als Frieden in en ei.

Wu dr Mensch zun Mensch sich find,

dort is aah es Christuskind!

 

Arthur Schramm

Kriegsweihnachten 1944

(26.12.1943)

 

So klar wie in der Heilgen Nacht

Die Stern am Himmel gehen

So fest und treu, auf heilger Wacht,

wird unsre Wehrmacht steh.

Beschützen was ihr anvertraut,

ureignes deutsches Land;

bis Gott der Herr vom Himmel schaut...

des Sieges Unterpfand.

 

So hell, wie´s in den Herzen ist,

da mittendrin gewohnt,

so wenig wird – trotz Feindeslist –

das deutsche Volk entthront.

Ziehn Not und Tod auch jetzt durchs Land,

weihnachtet es doch sehr;

das macht, wir sind in Gottes Hand.

Gott gab uns Kraft und Wehr!

 

So whar der Nacht stets folgt das Licht

Im Wechselspiel der Zeit,

so lebt, wenn auch in harter Pflicht,

Deutschland in Ewigkeit!

So gehen wir glaubensstark mit Gott

Als e i n e Kämpferschar

Lichtvoll hinein – trotz Brand, Not und Tod –

In das Erfüllungsjahr!

Glückauf! Sieg Heil! Heil Hitler! Arthur Schramm

 

 

Arthur Schramm

Weihnachtsfrieden

(27.11.1951)

 

Weihnachtsklänge bringen wieder

Weihnachtsfrieden in das Land.

Alte, traute Weihnachtslieder

Knüpfen neu der Liebe Band.

 

Und es geht ein leises Raunen

Über Mutter Erde hin,

frohe Kinderaugen staunen,

fassen kaum der Liebe Sinn.

 

Weihnachtsfrieden sei beschieden,

allen Menschen, groß und klein,

Glocken klingen: „Frieden!“, „Frieden!“

Läuten her ins Herz hinein.

 

Weihnachtsklänge froh erschallen,

Fried und Freud für jedes Herz!

Aller Welt zum Wohlgefallen,

weil die Lieb kam erdenwärts.

 

 

Karl Hans Pollmer-Geyer

Weihnacht (1947)

 

Lauter klaane Lichter

Sei nu agebrannt,

un se lechten un se flimmern,

dos se hall un goldig schimmern,

un es glänzt es ganze Land.

 

Lauter klaane Lichter

Machen uns su fruh.

Von Weihnachten tu´se singe,

Glück un Friede tu´se bringe,

un es Harz, dos fraht sich su.

 

Lauter klaane Lichter –

Blebbt fei agebrannt!

Is Weihnachten aah vergange,

blebbt de Walt doch lichtbehange,

un es glänzt es ganze Land.

 

 

Ilse Jahreis

Weihnachten im Vuegtland

(1955)

 

Weihnachten im Vuegtland,

Weihnachten derhamm,

dr Torm tutt sich drehe,

mer sitzen besamm,

de Aagn tun leichten,

de Herzen san frueh,

es klingt wie Weihnachten,

un´s riecht aahesue.

Mer feiern, drüm sei mer

Heit alle besamm,

Weihnachten im Vuegtland,

Weihnachten derhamm.

 

 

Manfred Pollmer

Weihnachten im Arzgebirg

(1991)

 

Weihnachten im Arzgbirg – wie klingt dos schie!

War bluß dra denken tut, dan is es wie,

als schnuppert er Weihrichduft in seiner Nos,

als schmecket er Stolln und gebratene Hos,

als säß er an Heilign Obnd ben Neinerlaa,

als könnt er dan Lichterglanz ümedüm sah,

als säch er in Fanster es Bargmannl stieh

un Engel un Terk un de Peremett gieh,

als häret er Blosen von Turm un von weiten

vu irgndwuhar hall aah de Kirchnglocken laiten,

als säch er ne Wald un de Haisle verschneit

un Sterle ubndrüber wie e Schwibbugn su weit...

Weihnachten imArzgebirg, hast kaum gedacht,

un schu hot vür Fraad dir es Herz gleich gelacht!

 

 

 


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