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Himmlisches Vergnügen
Förderverein lud zum höchstgelegenen Theaterball Deutschlands nach Oberwiesenthal
Der Vorstandsvorsitzende des „Fördervereins des Eduard-von-Winterstein-Theaters e.V.“ in Annaberg-Buchholz, Rolf-Jürgen Schubert, konnte an zwei Tagen
(4./5.11.) am vergangenen Wochenende zum 19. Theaterball, neben den Mitgliedern des rührigen Vereins, auch zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur des Erzgebirgskreises und darüber hinaus
begrüßen.
Vereins-Chef Rolf-Jürgen Schubert begrüßt die Ball-Gäste. Im Hintergrund GMD Naoshi Takahashi und die Erzgebirgs-Philharmonie Aue
Alle sind sie seit Jahren dem Annaberger Theater als Besucher, Sponsoren oder sonstige Förderer verbunden. Für dieses Interesse und Engagement bedankte sich
dann auch nahezu das gesamte Ensemble mit einem farbenfrohen und voluminösen Galaprogramm. Zum „höchstgelegenen Theaterball Deutschlands“, wie der
Intendant in seiner launigen Moderatio bemerkte, passt der Titel des Programms sehr treffend: „Es muss ein Stück vom Himmel sein...“.
Oberwiesenthal, die höchstgelegene Stadt Deutschlands, und das gastgebende Ahorn-Hotel Am Fichtelberg, waren für mehr als zwei Stunden – nur unterbrochen
durch Suppe und Hauptgang eines zum Motto passenden Menüs – dem österreichischen, besser noch dem Wiener Melodien-Schmäh ausgeliefert. Gekonnt
interpretierten die Sängerinnen und Sänger Madelaine Vogt, Bettina Grotkopf, Maria Richter (vom Schauspiel), Michael Junge, Leander de Marel, Jason-Nandor
Tomory, Frank Unger und László Varga nebst Chor und Ballett einen Reigen an immergrünen Melodien aus der walzerseligen k.u.k.-Zeit.
Nur unterbrochen durch wenige Ausflüge in das Opernrepertoire z.B. durch eine sehr angenehm gesungene Jäger-Arie von Tomory oder die Arie des Eunuchen
Osmin, bei der Varga neben seiner Stimmstärke auch das tiefe „D“ präsentieren konnte. Einfühlsam, schwungvoll und gut studiert begleitete dazu die Erzgebirgische
Philharmonie Aue unter der Leitung von GMD Naoshi Takahashi bzw. ihres 1. Kapellmeisters, Dieter Klug, die mitunter sehr unterschiedlichen Werke mit sichtbarer Freude am Spiel.
Publikumslieblinge (v.l.n.r.): Udo Prucha, Gabriele Kümmerling, Martina Posselt, Leander de Marell
Während Intendant Dr. Ingolf Huhn witzig und informativ durch das Programm führte, gab der Schauspieler Udo Prucha einen sächselnden Garderobier und einen
gekonnt komischen Dialogpartner für seinen Chef. Zurecht wurde dieser Schauspieler in seiner Kategorie zum Publikumsliebling auserkoren. In einer
spannenden und feierlichen Zeremonie sind zu Beginn des Programms die von der Leserschaft der „Freien Presse“ gewählten Publikumslieblinge bekannt gegeben worden.
Neben Prucha war es wiederholt die äußerst beliebte Schauspielerin Gabriele Kümmerling. Im Musiktheater hatte man sich erneut für den vielseitigen
Komödianten Leander de Marel und für die leider nicht mehr zum Ensemble gehörende Sängerin Martina Posselt – mit sehr starkem Applaus (außer von einem) -
entschieden. Dass bei der Auswahl der beiden letztgenannten Protagonisten nicht allein nur künstlerische Kriterien im Spiel gewesen sein dürften, ist daran zu
erkennen, dass Leander de Marel just zu dem Zeitpunkt im vergangenen Jahr zum Liebling des Publikums erwählt wurde, als der Zoff mit dem damaligen Intendanten
Krug per Gerichtsbeschluss beigelegt und der beim Publikum beliebte Künstler nach ungerechtfertigter Kündigung wieder eingestellt wurde.
Auch die unsinnige Intendanten-Entscheidung des Dr. Huhn, eine künstlerisch
derart wertvolle Persönlichkeit wie die Sängerin Posselt nur wegen er nahenden Erreichung des Vertragslimits von 15 Jahren zu entlassen, hat beim Publikum diese
verständliche Reaktion mit ausgelöst. Dabei haben beide - auch ohne „Märthyrer-Bonus“ - diese Anerkennung uneingeschränkt verdient. Für die Leitung
des Hauses sollte diese völlig gerechtfertigte Publikumsentscheidung allerdings zum Nachdenken anregen und einen noch sorgsameren Umgang mit diesem wertvollen
Ensemble nach sich ziehen. Interessant wäre allerdings gewesen, wer die jeweils zweit und drittplatzierten Publikumslieblinge waren, - doch das blieb ein Geheimnis der Jury.
Wiener Melodien gesungen von (v.l.n.r.): Frank Unger, Madelaine Vogt, Marcus Sandmann, Bettina Grotkopf, László Varga
Insgesamt war dieser 19. Theaterball eine sehr gelungene Veranstaltung, die in
großen Teilen auch von der gastronomischen Seite recht positiv begleitet wurde. Leider war das Service-Personal sowohl bei der Ankunft der Gäste als auch am
Abend selbst, nicht in allen Bereichen den Anforderungen gewachsen. Wenn man im Ahorn-Hotel schon preiswerte Arbeitskräfte aus dem benachbarten Tschechien
einstellt, so sollte man aber dann nicht noch an der von unsauberem Geschirr auf den Frühstückstischen schneller beseitigen helfen, als das am vergangenen
Wochenende leider wiederholt der Fall war. Damit werden dann auch die durchaus akzeptablen Küchenleistungen etwas geschmälert, die zum Theaterball mit einer
Alpenkräuter- Rindfleischsuppe, Wiener Schnitzel mit (etwas zu durchgebratenen) Kalbsvögerln sowie einem sensationellen Dessertbufett mit u.a. Sachertorte (mit
Schlagoberst), Marillenknödel, Kaiserschmarrn und Salzburger Nockerln da her kamen und wahrlich ein „Stück vom Himmel“ waren...
Freuen wir uns also gemeinsam mit dem sehr engagierten Theaterförderverein auf den kommenden 20. Jubiäumsball 2012, für den die Vorbereitungen bereits nach
der durchtanzten Ballnacht - so gegen fünf Uhr in der Früh - bereit begonnen haben, wie uns Rolf-Jürgen Schubert verriet. Bis dahin fördern wir unser großartiges
Theaterensemble am besten dadurch, das wir noch mehr als im vergangenen Jahr die Vorstellungen besuchen oder selbst Mitglied des Fördervereins werden.
Schließlich gilt mehr denn je der Satz: Wohl jener Stadt, die noch so ein Theater hat!
Gotthard B. Schicker, 5.11.2011
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