Erzgebirgstreff
Die Seite für alle Erzgebirger in Nah und Fern
von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Spätsommer in Annaberg

Von einem alten Haus, seinem Geist, einer Schmiede, Gaststättenempfehlungen in Annaberg-Buchholz, vielen Hexen,
dem Bettelstudent auf den Greifensteinen und der
ewigen Suche nach dem Frohnauer Hammer

Dass wir uns diesmal in der preisgünstigen und sehr gemütlichen Pension „Zur Schmiede“ in Frohnau einnisteten, hing mit einer Schnapszahl zusammen: Langs Erzgebirgshaus, das Nachbaranwesen der ehemaligen Schmiede, beging sein 222 jähriges Bestehen. Anne und Dietmar Lang, der weit über das Erzgebirge hinaus bekannte und umtriebige Holzbildhauer, hatten zu diesem Anlass eine Auswahl ihrer vielen Freunde zur Feier in den schönen Garten hinterm alten Haus eingeladen.

Gekommen waren sie teilweise verkleidet in Kostümen aus der Zeit zwischen 1787 und heute. Für Stimmung sorgten neben dem Gastgeberpaar insbesondere Peter mit seiner Gitarre und den selbst gemachten erzgebirgischen Liedern und deftigen Balladen, die hoffentlich demnächst auf einer CD zu haben sein werden. Aber auch die Nachtwächter (diesmal mit Türmer aus Geyer, weil einer von ihnen krank geworden war) begeisterten mit ihren Auftritten die Spanferkel kauende Menge im Gartenrund, wo es vor etlichen Jahren tatsächlich Theateraufführungen gegeben haben soll, wie Dietmar Lang von einer ehemaligen Bewohnerin dieses schönen Fachwerkhauses im Sehmatal erfuhr. Das animierte meine Frau Eveline (die auch noch ein Bild vom Haus gemalt hat) und mich, quasi zur „Weihe des Hauses“, ein von ihr verfasstes längeres Gedicht zum viel beachteten Vortrag zu bringen, in dem es im letzten Vers heißt:

Anne und Dietmar Lang

Das alte Haus ist nun im Schnaps-Zahl-Jahr.
sieht zwar aus, als ob es eben neu erstanden war.
D´rum achtet stets den edlen Stolz,
Langs Fachwerk-Weltenraum in Holz!
Auf dass wir uns in drei Jahren hier wieder sehn
Denn das wär schön, denn das wär schön!!

In seiner heiteren Begrüßungsrede erzählte Dietmar davon, dass es in diesem alten Haus seit geraumer Zeit spuke. Indianer, die während des von ihm organisierten Holzbildhauer-Symposiums hier nächtigten, berichteten ihm am nächsten Morgen von einem guten Geist, der in diesen Mauern lebt. Und da man gute Geister bannen soll, muss man mit ihnen sprechen, sie zumindest anreden können. Noch aber war der Geist namenlos, obwohl ihm Dietmar in einer meisterlichen Holzplastik bereits Gestalt verliehen hatte. Da kam den Langs die Idee, just für den 222. Geburtstag eine Ausschreibung für einen originellen Namen zu organisieren.

An die fünfzig kuriose, abstruse und auch brauchbare Vorschläge flatterten per Zettel oder Mail ins alte Haus. Die Lang-Jury entschied sich für den Namen, der ihren Intentionen und dem nächtlichen Verhaltensmuster des Geistes am nächsten kam: „Budnhubl“ (Bodenhobel) wird man ihn also fürderhin rufen. Und der „Budnhubl“, in einen meterhohen und mehre Kilogramm schweren Stamm eines Berg-Ahorn geschnitzt aus Geist und Fantasie des Dietmar Lang, steht nun schützend in einem nicht so alten Haus am Donaustrand in Budapest. Hier erinnert er die siegreichen Namensgeber an einen zauberhaften und geistvollen Abend in Langs alten Erzgebirgshaus...

 

Pension „Zur Schmiede“

Gleich nebenan die Pension „Zur Schmiede“ war wirklich einst die alte Dorfschmiede zu Frohnau, die, neben der drei Häuser weiter stehenden weltbekannten Hammerschmiede, hier Hufe und Waffen schmiedete. Im Schankraum sind noch heute Produkte aus dieser Zeit zu besichtigen. Frau Uta Springer ist nicht nur eine hervorragende Gastgeberin, sondern auch Managerin, die ihr wunderschönes Anwesen mit großer Umsicht, Freundlichkeit und ästhetischem Gespür leitet.

Ob die Zweibettzimmer, die kleine und große Ferienwohnung oder der Garten, - alles ist in Schuss. Und der Garten ist eigentlich ein Park mit Goldfischteich und vielen Ruhepunkten in Büschen, auf der Wiese, unter der Pergola oder auf der Bank vor dem Haus, wo man dem beruhigenden Rauschen des Sehma-Baches lauschen kann. Die Gaststätte – wie sollte es auch anders sein hier im Zentrum des Erzgebirges – legt ihre gastronomischen Schwerpunkte auf typisch regionale Gerichte, die allesamt mit Verstand und Geschmack zubereitet sind. Und die Preise sind sowohl bei Speise und Trank als auch in der Beherbergung ehrlich und korrekt. Eine Empfehlung also auf alle Fälle und erreichbar unter kontakt@erholung-im-erzgebirge.de , www.erholung-im-erzgebirge.de , Tel.: 03733-23019, Frau Uta Springer.

Noch paar andere Gaststättenempfehlungen

Übrigens, wenn man in Annaberg, Buchholz oder Frohnau typisch und gut Essen gehen will, dann darf man getrost – neben der o.g. Gaststätte „Zur Schmiede“ - diesen aktuellen Tipps folgen (sie sind im Laufe meines Spätsommer-Besuches wiederholt getestet und für empfehlenswert befunden worden):

In Frohnau ist unbedingt ein Besuch in der historischen Gaststätte (Herrenhaus) des Frohnauer Hammer zu empfehlen. Prima Forellen, magere Haxen, beste Klöße und ein aufgeschossener Wirt, - was will man mehr?

In Annaberg sollte man von oben beginnen, also hinauf auf den Pöhlberg, entweder bei schönem Wetter in den Gastgarten mit wundervoller Aussicht auf das Erzgebirge oder drinnen in den Erzgebirgsstuben es Pöhlberghauses bei einem sehr gut zubereiteten typisch erzgebirgischen Schmaus. Auch hier bestens umsorgt von einem rührigen Wirt, der weiß was er will und was seine Gäste wünschen.

An der Annenkirche ebenfalls unübertroffen gut die Gaststätte „Zum Türmer“. Neben den sehr schmackhaften regionalen Gerichten gibt es gratis einen beeindruckenden Blick auf die St. Annenkirche und zum Schwarzbier gewaltiges Glockengeläute. Die Pensionsgäste haben sich inzwischen daran gewöhnt, und manche schlafen nur wegen des Klang des Häuerglöckchens in diesem alten und zu empfehlenden Haus.

Im Rathaus lebt wieder unter neuer Leitung das „Neinerlaa“ (Neunerlei) auf. Die ersten Besuche lassen uns hoffen, dass das einstige Konzept weitergeführt werden kann. Wenn auch hier noch der typische, alteingesessene Wirt fehlt, das Essen hat geschmeckt (süß-saure Flecke, wo gibt’s das sonst noch?) und der Service ließ nichts zu wünschen übrig.

Gleich um die linke Rathaus-Ecke herum lohnt sich der Besuch des „Paperlapap“-Pub. Eine Szenekneipe mit schmackhafter Küche, einem aufmerksamen Wirt und manchmal auch Life-Musik. Hier treffen sich gerne die Künstler vom Theater, aber auch solche, die mit frühen Schließzeiten nichts anzufangen wissen.

Und in Buchholz? Da gibt es eigentlich nur und immer wieder die „Dumme Sau“ zu empfehlen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Kostet sie selbst und achtet auf den Wirt, - so sollte einer sein, bei dem sich der Gast wohl fühlt, auch wenn er eine „Dumme Sau“ ist...! 

 

Naturbühne Greifensteine

Ein Theater im Erzgebirge, das sich sehen und hören lassen kann, auch weil ein ungarischer Bass dort engagiert ist.

Ein besonderer sommerlicher Höhepunkt im Erzgebirge ist der Besuch der Freilichtbühne Greifensteine (bei Ehrenfriedersdorf), wo das Annaberger Eduard-von-Winterstein-Theater mit mehreren Vorstellungen aufwartet. Wir hatten uns für den Besuch von dem nächtlichen Spektakel „Hexen II“, dem Kindermärchen „Der gestiefelte Kater“ und die Millöcker-Operette „Der Bettelstudent“ entschieden. Da wir im vergangenen und auch in diesem Jahr die großen Freilicht- und Seebühnen in Österreich mit ihrem - im Vergleich mit Annaberg – enormen Budget für Ausstattung und Honorare besucht hatten, können wir nun mit gutem Gewissen behaupten: Die großen kochen auch nur mit Wasser! Was auf den Greifensteinen geboten wird, kann sich durchaus sehen und hören lassen.

„Der Bettelstudent“ (Regie: Dr. Ingolf Huhn) war in der Spilastik der Darsteller und den gesanglichen Leistungen der Protagonisten sogar der (sicher nicht direkt vergleichbaren) Inszenierung von „My fair Lady“ auf der Seebühne in Mörbisch überlegen. Ganz hervorragend z.B. Werner Kraus als Oberst Ollendorf. Kraus hatte bereits als Papageno in der Annaberger Zauberflöten-Inszenierung von Prof. Krug stimmlich und darstellerisch eine gute Figur gemacht. Sehr gut auch die Besetzung der beiden Tenöre Jan und Simon sowie die Partien der Laura (Bettina Grothkopf) und Bronislawa (Madlaine Vogt). Als immer berauschten Gefängniswärter Enterich war – natürlich mit sächsischem Dialekt – Matthias-Stephan Hildebrandt zu erleben. Die gesamte Aufführung war musikalisch und darstellerisch das reinste Vergnügen – auch wenn das Orchester nur über die Konserve zu hören war.

Ein Mangel, der in der gespenstigen Estrade „Hexen II“ nicht als solcher empfunden wurde. Obwohl die Vorstellung einen Art roten Hexenfaden vermissen ließ, konnten die einzelnen Leistungen der Sänger-Darsteller und auch die der Ton- und Beleuchtungstechnik durchaus überzeugen. Dass die einzelnen Sänger an diesem Theater stark gefordert sind, mag für die jungen Künstler durchaus ein Gewinn sein, und für das Publikum allemal.

Dass es dabei aber auch zu Überforderungen kommen kann, zeigt der stimmliche und darstellerisch Einsatz z.B. eines Werner Kraus, aber vielleicht noch mehr der des Ungarn László Varga, den wir noch als voluminös singenden und für seine Jugend überzeugend agierenden Sarastro in der „Zauberflöte“ in guter Erinnerung haben. In den drei von uns besuchten Veranstaltungen stand der junge Bass jedes mal in einer gänzlich anderen Rolle auf der Bühne: In den „Hexen II“ sang er souverän die rachenreißerische Arie des Mephisto „Ja, das Gold regiert die Welt“ aus Gounods Oper „Margarethe“, im „Gestiefelten Kater“ gab er nicht nur zur Freude der Kinder den Märchen-Prinzen, und im „Bettelstudent“ war er dann auch noch als Rittmeister von Henrici zu erleben, während er sich in den Proben bereits mit der kompliziert zu singenden Partie des Ochs von Lerchenau aus Richard Strauss´ „Rosenkavalier“ vertraut macht. Das ist nun mal so an kleinen Häusern.

Das war früher nicht anders und hat sich seit dem eher noch verschlimmert, hört man die Alteingesessenen freudig jammern. Der Vorteil, dass man hier viele Partien zu singen und viele Rollen zu gestalten bekommt, um somit das Annaberger Theater als Sprungbrett in größere Häuser zu nutzen, kann aber auch bei unkontrollierter Überforderung ins Gegenteil umschlagen und vorhandenes gutes Stimm-Material durch mangelnde fachspezifische Angebote ruinieren. Von denen, die wir hörten und sahen, scheint allerdings davon noch niemand betroffen zu sein. Und somit können wir uns alle auf eine erlebnisreiche neue Spielzeit im Annaberger Haus auf den Abstechern der Bühne im Umland und auf die Sommersaison auf den Greifensteinen freuen.

Wo geht´s denn zum Frohnauer Hammer?

Dies Frage begegnete mir erneut bei meinen zahlreichen Besuchen in Annaberg. Mit einem Verantwortlichen der Stadtverwaltung stellte ich mich kürzlich auf den Annaberger Marktplatz und schlug ihm vor, einmal mit mir zusammen unwissende, aber wissensdurstige Touristen zu spielen. Im Zentrum der alten Bergstadt und nunmehrigen Hauptstadt stellten wir uns die Frage nach einer der Perlen unseres Erzgebirges. Ach was: nach einer Perle, auf die das ganze Deutschland stolz sein kann. Bekanntlich machen sich Perlen rar, aber hier in Annaberg wird eine solche Perlensuche aus unverständlichen Gründen erschwert. Auf dem Marktplatz, in der Stadtinformation, an der Annenkirche oder an anderen zentralen Punkten der Stadt findet sich kein Hinweis auf das altehrwürdige Hammerwerk in Frohnau, - wenn man mal von einem winzigen Wegweiser am Markt-Eck absieht.

Für Veranstaltungen des Theaters, für Ausstellungen oder Kneipenfeste findet man ausreichende und kaum zu übersehende Hinweise. Für das Kulturensemble Frohnauer Hammer, zu dem ja nicht nur das Hammerwerk selbst gehört, sondern auch das Herrenhaus mit Museum und Gaststätte, die alte Schmiede mit Pension und Gaststätte, Langs Erzgebirgshaus im Fachwerkstil mit Männelladen und Schnitzwerkstatt, das Besucherbergwerk Markus Röhling und noch viele andere Sehenswürdigkeiten, auf all das findet sich so gut wie kein nachhaltiger Hinweis im Zentrum der Stadt. Ein paar Mutige meinen auch schon mal laut, dass dieser Zustand die verantwortlichen Mitarbeiter, Abteilungsleiter und Direktoren überhaupt nicht interessiert, schließlich bekommen die regelmäßig ihr Angestellten-Gehalt, egal, ob da viel oder wenig Besucher auftauchen.

Besser natürlich weniger, da hat man dann nicht so viel Arbeit mit Führungen und Erklärungen an den uralten Stätten des erzgebirgischen Hand- und Bergwerks. Die privaten Gastwirte und Ladenbesitzer finden eine solche Haltung seitens des Rates der Stadt, aber auch von der Museumsleitung des Frohnauer Hammers unerträglich, hängt doch schließlich ihr Geschäft wesentlich von der Zunahme der Besucher ab. Es ist also nicht allein die Krise, die immer weniger Busse vor dem alten Hammer in Frohnau zum stehen bringt, „es sind auch die Interessenlosigkeit, das regelmäßige aber nicht leistungsorientierte Einkommen sowie der Dienst nach Vorschrift durch die Verantwortlichen“, beklagen sich die Frohnauer über die Nichtvermarktung ihrer einmaligen Perlen im Sehmatal.

Da wäre es wahrlich besser, man zahlt den Herrschaften einen Mindestlohn und beteiligt sie per motivierender Provision an den zahlenden Besuchern dieses einmaligen Museums. Noch besser wäre es allerdings, einem bereits vorhandenem Konzept zu folgen und das gesamte kulturell so wertvolle Areal „Frohnauer Hammer“ mit kommunaler Beteiligung zu privatisieren, um so endlich dieser Perle des Erzgebirges die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdient hat. Und der Gedanke, dass damit dann auch mehr Geld in die klamme Stadtkasse fließt, sollte einer raschen Umsetzung der brauchbaren Ideen eigentlich zusätzlich Beine machen...

Wenn Sie aber demnächst in Annaberg-Buchholz oder in der Umgebung sein sollten, besuchen Sie unbedingt den alten Hammer in Frohnau (vielleicht fragen Sie einfach jemanden auf der Straße nach dem Weg ins Tal), - das hat bisher noch niemand bereut, weder im Sommer noch zur Weihnachtszeit!

G.S., 2009

 

 


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