|
Erzgebirgs-Miniaturen
Eine vorweihnachtliche MDR-Sendung zwischen Volkskunst und Kunsthonig
Diesmal hatten sich Marianne Martin und Hendrik Seibt das kleine Spielzeugdorf Seiffen und insbesondere das dort hergestellte Miniaturspielzeug als
Hintergrund für ihre vorweihnachtliche Sendung „So klingt´s bei uns im Arzgebirg“ ausgewählt. Die aufschlussreichen und von Hendrik Seibt gescheit moderierten Einblicke in die Werkstätten von Spielzeug-
und Männelmachern, Drechslern und Holzbildhauern wie z.B. der Familie Flath mit ihren Miniaturfiguren, oder Wolfgang Weigel, dem Spinnenmacher aus Jöhstadt, wurden von trällernden Mädchen und Frauen
sowie mund-artig singenden Mannsbildern unterbrochen.
 |
Im Gegensatz zu anderen Sendungen dieser Art, hat man sich diesmal bemüht, ausschließlich Gruppen aus dem Erzgebirge auftreten zu lassen.
Neben den – auch dem Voll-Play Back-Verfahren geschuldeten – künstlich anmutenden Interpretationen erzgebirgischer Lieder etwa von den „Schwarzwasserperlen“ oder den „Orgelpfeifen“, konnten „De Ranzen“
durch natürliche Sprachbehandlung der Mundart und mit sympathischer Ausstrahlung überzeugen. Auch die Texte der beiden Kerle aus Buchholz
knüpfen an beste Volkskunsttraditionen des Erzgebirges an, während andere Interpreten den Weg von der Volkskunst zu einer Art volkstümelnden Kunsthonig beschritten haben.
Einen angenehmen Grenzfall stellt Heiner Stephani mit seiner „Hauskapelle“ in Olbernhau dar. Ihm ist es gelungen, Modernes und Tradiertes in einer
hörbaren Symbiose darzubieten. Das trifft auch für die Ausstattung seines Studios sowie die Kostümierung der Protagonisten zu. Ganz im Gegensatz zu
den Fantasietrachten und deren teilweise unmögliche Farbigkeit bei einigen Damengruppen. Hier sollten sich die Kostümbildner des MDR mal einen
etwas genaueren Überblick über die traditionell genutzte Erzgebirgs-Tracht (die es zwar als authentische überlieferte Mode aus der Renaissance im Erzgebirge nicht gibt) und deren möglichen Adaptionen verschaffen, damit zukünftig das ungeschickte Verhältnis
von bescheidenem gesungenem Inhalten und farblich aufgepeppten Formen nicht als ungewollte Sendestörung über den Bildschirm flimmert. Da ist die „Hammer“-Kleidung eines Hubert Müller
dann schon ehrlicher und noch dazu seinem Typ gerecht. Wenn auch sein sentimentaler Schlager „Im Erzgebirge geboren“ als eine Adaption des Liedes
„Im Rheinland geboren“ vom Düsseldorfer Karnevals-Texter Josef Ferdinand Dünnwald stammt, so trägt es doch die Annaberger „Rampensau“ (ein Titel
von seiner CD „Pisten Bully“) durchaus glaubhaft und anhörbar vor. Allerdings wünschte man sich, dass der schlacksige erzgebirgische Disco-Altstar „Hammer“-Müller mehr seinem Typ entsprechende Lieder –
auch aus dem echten und reichen sowie durchaus derb-humorvollenVolksliedrepertoire unseres Erzgebirges – zum Besten geben würde und der 63-Jährige die Interpretation gewisser Aprés-Ski-Titel
langsam der nachfolgenden Generation überlassen sollte.
Vergleichbar ist das etwa mit dem allmählichen personellen Übergang in der Moderation von der verdienstvollen Marianne Martin an ihren ebenbürtigen
Partner Hendrik Seibt, wie dieser am Heiligen Abend 2009 um 18 Uhr im MDR wohltuend zu besichtigen sein wird.
Gotthard B. Schicker
|