|
Kriminelles aus dem Erzgebirge
"Haltet den Pfaffen!" - Neuer Roman über den Pestpfarrer von Annaberg, Uhle von Joachim Mehnert erschienen
Nachdem sich der Annaberger Joachim Mehnert in seinen kurzweiligen Büchern bereits mit dem lüsternen Mönch auf der Burg Schlettau befasst hat, wahre Geschichten um
Adam Ries neu erzählte oder die ungewöhnliche Frau Barbara Uthmann vorstellte, widmet er sich nun in seinem neuen Roman Wolfgang Uhle, der landläufig als der Pestpfarrer des Erzgebirges bekannt geworden
ist.
Dass er dies auch war, verschweigt der Autor nicht, sondern gibt der Sühnearbeit des Geistlichen genügend Raum, ohne dabei in den Fehler anderer Autoren, die sich mit
diesem Thema befasst haben, zu verfallen, und die charitative Arbeit von Uhle zu verklären. Mehnert hält sich auch hier – wie in all seinen anderen historischen Texten – an die Zeitdokumente. Seiner
Fabuliergabe und künstlerischen Umsetzung des trockenen Dokumentenmaterials ist es zu verdanken, dass diese zu kurzweiligen Lesevergnügungen geraten. Nicht von ungefähr hat er auch dafür (neben seinen
zahlreichen anderen literarischen Arbeiten) den „Literaturpreis des Kulturraumes Erzgebirge“ erhalten.
Auch in seinem neuesten Roman, dem er den etwas überlangen Titel gegeben hat „Haltet den Pfaffen! – Vom Halsgericht am Purschenstein zur Pesthölle von Annberg“, bleibt
sich Mehnert seiner auf Dokumententreue beruhenden Erzählweise treu. Von daher sorgt er 90 Seiten lang für Spannung und Information zugleich. Der Autor erzählt jene Kriminalgeschichte aus der Zeit der
Spät-Renaissance neu und mit mehr Tiefgang, als das bisherigen Nacherzählern um den „Totschläger im Talar“ gelungen war.
In seinen Dialogen bedient sich Mehnert dem Duktus jener Zeit, und die moralischen Wertungen gegenüber Uhles Tat überlässt er der Leserschaft, allerdings nicht, ohne
im letzten Kapitel „Das Gottesurteil“ Fragen einen strafenden Gott zu stellen, die einer gewissen Aktualität nicht entbehren. Es währe unfair, diese Kriminalgeschichte hier vorab zum Besten geben zu
wollen. Dieses spannende Lesevergnügen sollte man sich selbst gönnen. Und wie gründlich Joachim Mehnert für seinen Roman recherchiert hat, erkennt man auch an einzelnen Illustrationen. So hat er u.a das
Pfarrgut in Clausnitz, das alte Pfarrhaus von Uhle in Lichtenstein sowie das Wohnhaus seines Sohnes Kilian in der Annaberger Siebenhäusergasse 12 ausfindig gemacht. Es ist somit auch ein sehr
ansprechendes Büchlein geworden, das der Autor diesmal im Selbstverlag und in einer stark limitierten Auflage herausgegeben hat. Man kann sich daher glücklich schätzen, wenn man sich zu den „Limitierten“
mit einer niederen Exemplar-Nummer rechnen darf…
Gotthard B. Schicker
Bestellung und weitere Infos:
Joachim Mehnert: „Haltet den Pfaffen!“, Selbstverlag, 2007
j.mehnert-konstrukteur@t-online.de
Homepage von Joachim Mehnert
|