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Zum Neinerlaa
Eine großartige gastronomische Überraschung hat im Annaberger Ratskeller Einzug gehalten
Endlich! Kann man da nur ausrufen. Endlich ist aus dem Annaberger Ratskeller das geworden, was sich die Annaberger und die immer mehr werdenden Gäste aus Nah und Fern
seit Jahre gewünscht hatten: Ein original erzgebirgisches Gasthaus, das auch noch auf den urigen Namen „Zum Neinarlaa” (Zum Neunerlei) hört.
Dem umtriebigen und einfallsreichen Annaberger Gastronomen Karl-Heinz Buschmann ist es zu verdanken, dass es kaum noch einen nicht neidischen Wirt in der Stadt gibt.
Gebirgs-Neid eben, weil man selbst nicht auf die Idee kam, selbst die längst überfällige Hutznstub in Annaberg zu eröffnen. Um so erfolgreicher agiert Buschmann im gemütlich eingerichteten Lokal (drei
seiner Buden stehen auch auf dem Weihnachtsmarkt), das schon so manchen gastronomischen Fehlversuch über sich hat ergehen lassen müssen. Zuletzt hatte sich hier ein Italiener mit Pizza und Spaghetti
versucht. Kürzlich hat er sein von der Stadt gepachtetes Restaurant zugeschlossen und das Weite gesucht. Die Polizei sucht ihn seitdem immer noch…
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Das war Buschmanns Chance, zumal die Eröffnung des Weihnachtsmarktes vor der Tür stand. Seit der Eröffnung der grossen Hutznstub stehen nun hier die
neugierigen und hungrigen Gäste an, um einen Platz im stets ausgebuchten „Neinerlaa” zu bekommen. Ohne Vorbestellung geht gar nichts, - schlimmer als
zu DDR-Zeiten, meinte ein ehemaliger Annaberger aus Buchholz.
Es ist zum einen der Mythos des uralten erzgebirgischen Festgerichtes, der die Massen derart anzieht, und zum anderen das wirklich gelungene Konzept eines
umsichtigen Wirtes. Begrüssung in Mundart: freundlich, derb, herzlich. Dann die nahezu ständige Anwesenheit von Buschmann, der schon allein vom Typ her
nichts anderes machen sollte, als ein solcher umsichtiger Wirt zu sein – einfach wohltuend unter all den abgehobenen Gestalten im Annaberger
Gastronomiegewerbe. Na, und dann das Essen selbst: Neunerlei in dreierlei Gestalt (Variationen aus Buchholz, Grumbach und Elterlein) – mit Gänsekeule,
Kaninchenschenkel oder ein Stück vom Schwein in der Mitte des extra für viel Geld designerten Tellers, umgeben von den notwendigen Vertiefungen, die die
Heiligabendgerichte aufnehmen. Hier könnte der berechtigte Einwand kommen, dass es doch eigentlich einen Verstoss gegen die Tradition bedeutet, wenn es
dieses Gericht auch ausserhalb des „Heiling Ohmd” gibt.
Richtig und falsch zugleich: Was Buschmann hier zelebriert, kann man auch als erzgebirgischer Traditionalist durchgehen lassen, ja, man muss es sogar
unterstützen. Schliesslich macht er damit die zahlreichen Fremden – aber auch viele junge Einheimische - auf etwas aufmerksam, das es so nur in dieser Gegend
gibt und das es wiederzubeleben, zu erhalten und zu verbreiten gilt. Dass nun auch umliegende Restaurants das „Neinerlaa” anbieten, scheint dann doch des
Guten zu viel, aber offenbar für das Geschäft nicht schlecht zu sein.
Die neun Speisen (siehe dazu auch den Text zum „Neinerlaa” auf dieser HP) waren bei unserem Besuch allesamt grossartig zubereitet, es schmeckte wie dr
ham und ganz typisch nach erzgebirgischer Weihnacht. Auch die Biere und Schnäpse sowie der urige Service durch bewusst engagierte arbeitslose, immer
freundliche Nicht-Kellnerinnen waren hervorragend. Und was wird nach Weihnachten, stellen sich viele – nicht nur die Neidhamml – die Frage?
Karl-Heinz macht natürlich weiter. Das „Neinerlaa” wird dann als eine schmackhafte Nebensache auf der sehr ansprechend gestalteten Karte bleiben.
Hauptsachen werden aber dann die typischen Gerichte der erzgebirgischen „Gutguschn” sein. Wie er uns verriet, will er selbstverständlich viele Rezepte aus
dem ersten authentischen Kochbuch des Erzgebirges „Gutgusch” (siehe entsprechenden Text auf dieser HP) nachkochen.
Bleibt uns nur, dem engagierten Wirt Karl-Heinz Buschmann viel Glück für die Zeit auch nach Weihnachten zu wünschen. Denn nur mit langem Atem, mit
weiterer Unterstützung durch die Stadt, insbesondere durch die Bürgermeisterin, sowie durch eine gleichbleibende Spitzenqualität in allen Bereichen kann er die
Neider in seiner Branche davon überzeugen, dass sich gastronomische Leidenschaft, gepaart mit fachlichem Können und liebenswerter Hartnäckigkeit
letztlich lohnen – auch im mitunter schwerfälligen Annaberg…
Gotthard B. Schicker, Dezember 2006
Vum Neinerlaa – Vom Neunerlei
Überall dort, wo das Neunerlei, das traditionelle Weihnachtsmenü des Erzgebirges, noch gekocht wird, werden mehr oder weniger weitere Maßregeln
für den Heiligen Abend eingehalten, die sich oftmals mit denen von Dr. Moritz Spieß im Jahre 1862 zusammengetragenen vergleichen lassen...
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