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Warten auf Advent
Sommer im Weihnachtsland - Annaberger Impressionen
Mehr als drei Wochen unterwegs in der Erzgebirgshauptstadt Annaberg-Buchholz und der Region: Eindrücke, abseits der Touristenpfade, die das Bild vom
ewigen Weihnachtsland in seiner Vielfalt zeigen, aber auch relativieren. Nicht nur die zahlreichen Geschäfte, die im strahlenden Sommersonnenschein mit ihren Schwibbögen, Räuchermännern oder
Leuchterspinnen um Käufer werben, verweisen schon auf eine adventliche Atmosphäre, von der Spitze des Maibaums auf dem Annaberger Marktplatz grüßt uns sogar schon ein (Weihnachts)-Fichtenbäumchen.
100 Jahre Hammerschenke
Auch diesmal suchen wir wieder im Zentrum der Stadt (Markt) vergeblich nach einem Hinweis auf das über 500 Jahre alte historische Hammerwerk im
Frohnautal. Dort sollte dieser Tage das gegenüberliegende Herrenhaus, die historische Hammerschenke mit Museum, seinen 100. Geburtstag begehen.
Nichts davon erfährt der Fremde an den zentralen Touristenanlaufstellen in der Stadt. Auch in dem Raum greifenden neuen Info-Zentrum im Erzhammer – mit angeschlossenem „Shop“ (!) - hatte man offensichtlich dieses Ereignis regelrecht vergessen. Der
Hammerwirt war wie immer in Küche, Keller und Garten gut vorbereitet und es kamen auch zahlreich die Gäste. Aber wie viele mehr hätten es gewesen sein können – nicht nur zum runden
Geburtstag –, wenn endlich ein attraktives Leitsystem - zu den auch etwas abgelegenen Schönheiten der Stadt - existieren würde. Man arbeite daran, wird nun schon seit etlichen
Jahren auf entsprechende Kritik geantwortet. Hoffentlich hat man den Auftrag (oder diesmal vielleicht doch eine Ausschreibung?) nicht wieder an
eine Agentur vergeben, die zwar für sich gut rechnen kann, aber meist erzgebirgsfremd gestaltet.
Gottesdienst mit Nina Hagen
Auf die deutsche Punk-Queen, unsere eigenwillige Schöne, hat man ausführlich aufmerksam gemacht: Nina Hagen stellte ihr gedruckte und auf
ein Hörbuch gesprochene Biographie im Annaberger Theater vor, was zu einem überraschenden, ulkigen, manchmal peinlichen Gottesdienst der
einstigen Diva geriet. Sie begann mit dem von ihr komponierten „Vater unser“ und endete mit einer Adaption von Bach/Gounots „Ave Maria“ mit
einem selbstverfassten Text. Dazwischen hatte die Hagen durchaus gescheite Extemporés und nachdenkliche Monologe zu bieten. Die meisten Zuschauer
waren allerdings ins Theater - oder am nächsten Tag in die Alte Brauerei - gekommen, um etwas von den zwei Annaberger Jahren der Nina und ihrer
Mutter Eva-Maria am hiesigen Haus zu erfahren. Von der Tochter erfuhr man dazu so gut wie nichts, was einigen Missmut beim erwartungsfrohen Publikum auslöste.
Bibliothek in der „Goldenen Gans“
Deshalb sollte man sich in der gut sortierten Bibliothek, in einem der ältesten Häuser der Stadt, der ehemaligen Gaststätte „Zur Goldenen
Gans“, die Biographie der Mutter Hagen ausleihen. Dort erhält man in zahlreichen Briefen an ihren Lebensabschnittspartner Wolf Biermann und anderen Protagonisten jener
Jahre, ausführliche Einblicke in die Annaberger Zeit der beiden „Strafversetzten“ sowie in das Liebesleben der Eva-Maria mit „Pater“-Johannes, dem einstigen Technischen Direktor des Musentempels.
Auch über den Gemütszustand der Tochter Nina erfährt man darin mehr, als die schrille Religionswechslerin bei ihrer Lesung verlauten lies. Der Service in
der Bibliothek ist übrigens ausgezeichnet, weil freundlich, auskunftsfreudig und sachkundig. Schade nur, dass man den zahlreichen Rentnern oder
Harz-IV-Empfängern der Region nicht mit einer ermäßigten Ausleihgebühr entgegen kommt. Die Zahl der Nutzer würde sicherlich steigen und ein
nützlicher sozio-kultureller Zweck wäre damit auch erfüllt. Günstig zum Auffinden der Regionalliteratur wäre es, wenn dafür ein zentraler Platz
eingeräumt werden könnte und man sich nicht nach Autoren (die man z.T. gar nicht kennt) durch sämtliche Regale wühlen muss, um Erzgebirgsthemen
aufzufinden. Empfehlenswert sind auch die Lesungen und sonstigen Veranstaltungen, die das nicht gerade überschäumende kulturelle Angebot der Stadt von hier aus bereichern.
„Sperrguschn“ im
Erzgebirgsmuseum
Überrascht waren wir von der Sonderausstellung im Erzgebirgsmuseum „20 Jahre Verband der Erzgebirgischen Schnitzer“. Die
kleine Schau kann sich tatsächlich sehen lassen. Den Machern und Organisatoren Wolfgang Süß, Dietmar Lang und Hans-Joachim Schmiedel ist es gelungen,
einen heiteren Einblick in das Schaffen dieser traditionsreichen Tätigkeit zu vermitteln. Neben Dietmar Langs imposanten und ansprechenden
Holzplastiken, die den Meister seines Fachs würdig repräsentieren, hat Hans-Joachim Schmiedel mit seinen holzköpfigen „Sperrguschen“ an eine
Ausdrucksmöglichkeit angeknüpft, die im Erzgebirge schon einmal kräftige Züge aufwies, in den vergangenen Jahren aber etwas hinter den üblichen
Traditionsgestalten verblasste. Handwerklich sehr gut gearbeitet und auch ausdrucksstark aus dem Holz modelliert, hängen seine indianischen Masken
als Exoten neben seinem schaurig-schönen Krampus im erzgebirgischen Museum. Ein Weg in dieses Haus wird sich sicherlich auch dann immer
wieder lohnen, wenn die „Manufaktur der Träume“ (welch ein verwegener Name!) im Neuanbau des Erzhammers am Markt ab Oktober eröffnet wird und die Schaulust nach traditionellem Männelzeug, Pyramiden und
Weihnachtsspinnen aus einer Privatsammlung auf noch höherem Niveau dort befriedigen will. Dann bestünde nämlich die Chance, dass das Erzgebirgsmuseum endlich die Chronologie der Geschichte von Stadt und
Region auch nach dem 19. Jahrhundert fortschreiben könnte. Ob allerdings der vorgesehene Preis von 7.- Euro (18.- Euro für Familien) viele Besucher in
die Annaberger Traumfabrik locken wird, bleibt fraglich. Und Vergleiche mit dem „Grünen Gewölbe“ in Dresden sind genau so anmaßend, wie die
Bemerkung, dass im Seiffener Museum nur Männeln ausgestellt würden, die dortigen Volkskünstler und die Museumsleitung auf die Kiefer (oder eben auf eine gedrechselte Palme) bringen dürfte.
Wenn man besichtigen will, wie die
Besucher über Eintrittspreise mit den Füßen abstimmen, so sollte man sich mal nach Lichtenstein in das großzügig angelegte und von einem ehemaligen Siemens-Vorstand mit finazierte
Daetz-Zentrum begeben. Wir haben uns durch die sehr umfangreiche und gut gestaltete Holz-Ausstellung aus hoher Volkskunst und banalem Volkskitsch vom Pressechef des Hauses sachkundig
führen lassen. Dabei wurde nicht nur auf den aussageschwachen Namen des Hauses, hinter dem sich niemand eine internationale Holz-Skulpturen-Sammlung vorstellen kann, sondern auch auf die finanziell
problematische Situation hingewiesen. Ein Vergleich mit der Männel-Manufaktur in Annaberg drängt sich da geradezu auf. Man sollte sich also nicht Rat bei kostenintensiven, aber letztlich weltfremden
Institutionen oder teuren Marketing-Agenturen holen, sondern sich die Erfahrungen ähnlicher Einrichtungen in der Region zu eigen, aber nicht
deren Fehler machen. Schließlich hat sich auch bei der Verwendung des Logos/Slogan „Echt Erzgebirge“ der gesunde Menschenverstand durchgesetzt und nicht der überbezahlte Entwurf einer nichtssagenden
Allerwelts-“Idee“...
Im Grünen kann man sich auch schwarz ärgern
„Pfingstsingen im Buchholzer Wald“ - so stand es auf den Plakaten. Aber wo ist der Buchholzer Wald? Das verrieten sie nicht. Nun, die Buchholzer und
auch die meisten Annaberg wissen den Weg dorthin, zumal der rührige Verein „Pro Buchholz“ immer öfter auf dieser Lichtung Veranstaltungen
durchführt. Aber will man wirklich nur die Einheimischen zum Konzert mit dem ehemaligen Schaarschmidt-Chor (Singkreis) einladen? Die wenigen
Choristinnen und Choristen, die Freiwillige Feuerwehr und Renate Reuter (die mit ihrer gescheiten und heiteren Moderation die Marianne Martin noch paar
Jahre im MDR ersetzen könnte) gaben sich alle Mühe, die etwa 100 Besucher mit paar Liedern, einem Lagerfeuer und wärmenden Getränken in
Frühlingsstimmung zu versetzen. Dafür zeigte sich am nächsten Tag die Sonne nicht nur auf der dazu verpflichteten „Sonnenleite“. Zwei Straßen in
Annaberg und eine über 100jährige Gartensparte in Buchholz schmücken sich mit diesem optimistischen Namen. Wir waren bei den landesweit ausgezeichneten Laupenpiepern, wie man sie in und um Deutschlands
Hauptstadt nennt, schon öfter zu Gast. Die „Sonnenleitner“ sind eine muntere Truppe, die nicht nur gemeinsam zu arbeiten, sondern auch
ausdauernd zu feiern versteht. Nun hat der langjährige Gartenvorstand gewechselt. Mal sehen, wies nun mit den „Sonnen-Leit“ weiter geht...
Beklagenswerter Alter
Friedhof
Überhaupt ist das grüne Umfeld der Hauptstadt des Erzgebirges für Besuche, kurze Ausflüge oder längere Wanderungen sehr empfehlenswert. Mit einer
Ausnahme: Der alte Friedhof, der in eine Art undefinierbaren, zugewucherten, herunter gekommen Stadtpark umfunktioniert wurde. Nicht nur die Denkmale für Barbara Uthmann, den
Opfern des Faschismus oder der einstige „Güldene Schwibbogen“ (Grabstellen/Gruften), wo bekannte Annaberger ihre letzte Ruhe fanden und
die nun seit Jahren gründlich gestört ist, sind unansehnlich. Ganz zu schweigen vom beklagenswerten Zustand der Trinitatiskirche, eine der
wenigen sächsischen Gotteshäuser, die über eine Außenkanzel verfügen. Die uralte, sagenbehaftete Friedhofslinde mutiert angesichts dieser Zustände zur
Trauerweide... Kontrolliert denn hier niemand der Verantwortlichen des Garten-, Ordnungs- oder Bürgermeisteramt diese einst friedliche Städte, die
immer mehr auch zu einem Treffpunkt von nicht nur friedfertigen Gestalten zu werden droht. Das Umfeld formt den Menschen. Und hier findet offenbar einen wechselseitige Verformung statt.
Dafür ist ein Gang in den Annaberger Stadtwald am Fuße des Pöhlberges wesentlich lohnenswerter. Die Gaststätte „Zum Waldhaus“ müht sich
ansprechend um die Gäste, und das Tiergehege braucht dringend für die weitere engagierte und liebevolle Betreuung viele unterstützende Besucher.
Pöhlberg – der grüne Hügel für Genießer
Weiter aufwärts hat man die Wahl von drei Rundgängen um den Berg. Alle drei sind zu empfehlen (wenn auch auf dem oberen die Hinweistafeln noch
immer leer sind!), denn die Wege, wundervollen Ausblicke und die würzige Waldluft sind nicht nur gesund für Muskeln, Augen und Lunge, auch der
Appetit stellt sich ein und lenkt die Schritte fast automatisch in Richtung einladendem Berghotel mit einer anheimelnden Gaststätte, die sich
insbesondere durch ihre stabile Küchenqualität, einem gastfreundlichen Service und kulinarischem Ideenreichtum auszeichnet. Wer noch nie hier
oben auf 835 m im Biergarten ein vollmundiges Freiberger Bier zu einer hausgeräucherten, leicht angewärmten Forelle mit dem weiträumigen Blick
auf die alte Stadt am Schreckenberg genossen hat, und gar noch einen Sonnenuntergang dazu serviert bekommt, der soll nicht behaupten, dass er ein Genießer sei. Im Gespräch mit dem engagierten Wirt dieser
traditionsreichen Berggaststätte und Hotel konnten wir erfahren, dass auch zukünftig solche erfolgreichen Veranstaltungen durchgeführt werden, wo
Kunst und Kulinarik eine geschmackvolle Verbindung auf diesem „Grünen Hügel“ von Annaberg eingehen. Aber auch an die genussvollen
(Zigarren)Raucher ist gedacht, die vielleicht bald in einer entsprechenden Lobby, nach einem guten Essen ihrer Leidenschaft frönen können.
Stabile Gastronomie setzt sich durch
Auch unten in der Stadt und in vielen
Lokalen rings um im Erzgebirge hat sich eine Gaststättenkultur etabliert, die sich sehen und schmecken lassen kann. Da sind u. a. zu empfehlen der „Türmer“ mit seinem umsichtigen Wirt
und dem Gastgarten im Weichbild der mächtigen Annenkirche, wo sich jeden Montag der Künstlerstammtisch trifft. Oder das „Paperla Pub“ mit einer flinken Truppe und illustren Gästen, die es
schätzen, hier bis weit nach Mitternacht zechen zu dürfen und wo noch die Aura vom entvant terible Jochen Hellwig als Otto Reuter oder Kurt Tucholsky
über den Tischen schwebt. Das „Bergamt“ wird am Tag gerne wegen seiner guten Küche und den vernünftigen Preisen angenommen, am Abend mag
man Selbstbedienung dann allerdings nicht so sehr. Im „Rumpel“, das nun auf das „Pumpel“ im Namen verzichtet, schmeckt das Bier prima, und ein
etwas kommunikativerer Wirt wird dort sicher auch noch heranwachsen. Erneut über die „Dumme Sau“ in Buchholz zu schreiben ist deshalb müßig,
weil Frank, der Wirt, die „Dumme Sau“ eh meint, dass er der Beste sei...!
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KÄT – Rummel für Gehörlose und Schnelllebige
Einige der Restaurants hatten sich auch mit einer Bude auf der Annaberger KÄT eingefunden, jenem großen, lauten und nicht eben billigen Rummel, der
nun schon seit 490 Jahren immer 14 Tage nach Pfingsten vergnügungssüchtige und schnelllebige Massen anlockt, um hier für Ohr-, Nerven- und Bauchkitzel einige Euros auszugeben. Es soll hier keiner
KÄT-Nostalgie das Wort geredet werden, aber wenn im alten Kasperletheater hinter dem Seppel oder der Gretel der Teufel auftauchte, war der Schauer
oftmals größer als in der größten Geisterbahn Deutschlands. Und die eigeditschten Fischsemmeln beim Buschmann haben auch nicht schlechter
geschmeckt, als die 30 Sorten uneigeditschte, die man heutzutage auf dem Kätplatz im Angebot hat.
Wie man hört, darf Buschmann aus
hygienischen Gründen seine Semmeln nicht mehr eiditschen. Komisch, wir sind mit solchen, in Fischbrühe angefeuchtete Semmeln über viele KÄT-Jahre hinweg großgezogen worden. Und das bis heute
schadlos! Und was ist eigentlich mit dem traditionellen Fasselkuchen? Jenem typischen Kätgebäck an das sich noch die alten Erzgebirger erinnern können? Wo ist überhaupt das Typische, das
Unverwechselbare dieses größten Volksfestes im Erzgebirge aufzufinden? Ab und an werden bereits Vergleiche mit der „Wies´n“ angestellt. Sollte sich
unsere KÄT wirklich auf dieses bayerische Niveau hinbewegen? Anzeichen dafür gibt es dafür schon einige. Am Vorabend der KÄT-Eröffnung lädt die
Oberbürgermeisterin gemeinsam mit den Honoratioren der Stadt Anwohner und Schausteller zu einem so genannten KÄT-Ball ein. Die einen, um sie
milde zu stimmen ob der Lärmbelästigung in der kommenden KÄT-Woche, und die anderen, um ihnen ein gutes Geschäft und eben solches Wetter zu
wünschen. Die Besonderheit an dieser Annaberger Einladung ist, dass alle Gäste ihre Speisen und Getränke selbst zahlen müssen, - und das sofort,
natürlich mit Trinkgeld, und auf jedes Bierglas zwei Euro Pfand. Aber, vielleicht hatte man ja nur Biergläsersammler eingeladen...
Eventuell kann sich der gastronomische Ausrichter dieser Veranstaltung und Betreiber des Festzeltes, das Hotel „Wilder Mann“, für das kommende
KÄT-Fest mal eine gastfreundlichere Variante einfallen lassen. Wenigstens zu diesem „Ball“, zu dem diesmal „De Erbschleicher“ dafür sorgten, dass die
gewünschten und mehrfach vom Moderator Hubert Müller (Hammer) empfohlenen Gespräche zwischen den Geladenen in den Dezibels dieser drei Krachmacher erstarben. Dabei haben die Musikanten ein paar recht
originelle Texte auf der Pfanne, die aber wegen der totalen Übersteuerung der Anlage so gut wie nicht zu verstehen waren. Und was den Namen der
Gruppe angeht, so kann ihr bestätigt werden, dass sie durchaus das schenkelklopfende, rhythmische Erbe all jener Erzgebirgsgruppen angenommen hat, denen das bayuvarische Gehabe á la „Randfichten“ als
Vorbild dient. Da die neuerdings auch noch mit Band auftreten, wird es nicht mehr lange dauern und „De Erbschleicher“ werden sich mit einer ganzen
Blaskapelle zeigen, um noch etwas lauter und unverständlicher als ihre Erblasser zu sein...
Den KÄT-Ball gab es übrigens vor Jahren auch schon. Da spielte allerdings wirklich eine Böhmische Blaskapelle, zu deren süffigen Klängen auch
getanzt, geschwatzt und preiswert konsumiert werden konnte. Das hieß damals so, weil das Holzbaracken-Bierzelt „Bratwurstcklöckl“ - in dem es
auch tatsächlich Rostbratwurst gab – vom Konsum gemanagt wurde. Aber es sollte ja keine KÄT-Nostalgie hier aufscheinen. Nun hat sich aber doch etwas
Erinnerung breit gemacht an der Hand des zotteligen Eisbären – in dem ein schwitzender Mann steckte - mit dem man sich fotografieren oder sich von
ihm erschrecken lassen konnte. So hinterlässt jede Zeit ihre Spuren in der Erinnerung. Und in zehn Jahren, wenn die KÄT ihren 500. Geburtstag
begehen kann, werden wir uns vielleicht über die langsamen, leisen, langsamen, einfarbigen und preiswerten Schaugeschäften köstlich ob unserer
rührseligen Erinnerungen an den 490. Trinitatis-Rummel amüsieren
Die Bergmannskapelle, die zur KÄT-Eröffnung aufspielte, hatte übrigens den angemessenen Ton getroffen, nachdem die Schützen auf dem Marktplatz
ihre Flinten und Kanonen abgefeuert hatten. Man mag zu dieser militanten Folklore und zu diesem männerdominierten Soldatenspielchen stehen wie
man will, sie machen halt was her in ihren Uniformen und lustigen Hüten mit Federn dran. Und die Männer sind mächtig stolz auf sich, - und die Stadt
offenbar auch auf ihre Schützen, auch wenn sie heute keinem mehr so recht nützen.
Parken schwer gemacht
Wer mit dem Auto nach
Annaberg-Buchholz kommt, sollte sich darauf einstellen, dass der Ort nicht zu den parkgastfreundlichsten in der Region gehört. Bis auf eine Großgarage unter dem Markt sind nahezu sämtliche
Innenstadtstraßen und -plätze für Einheimische mit Parkkarten reserviert. Dort wo keine Reservierungen vorhanden sind, begibt man sich garantiert in eine mitunter sinnlose
Parkverbotsfalle. Die mobilen Strafzettelkleber sind sehr aktiv und vermutlich mit hohen Prozenten an den Einnahmen beteiligt. Aber vielleicht
ist es ja auch nur eine Art finanzieller Patriotismus, der die Leute, die auf andere Weise Geld in die Stadt bringen wollen, von hier weg treibt. Nicht nur
in Österreich gib es – auch aus geschäftlichen Gründen - parkfreie Innenzonen in den Städten. Dort sucht man nach allen Möglichkeiten, die
Gäste in der Stadt zu behalten, ihnen gastfreundlich auch in Sachen Parkplätze zu begegnen. Bis das in Annaberg Schule gemacht haben wird, kann man ja inzwischen nach Schwarzenberg oder andere Städte im
Erzgebirge reisen, wo die Touristen zumindest in Sachen Parkmöglichkeiten wesentlich gastfreundlicher behandelt werden...
Gotthard B. Schicker Juni 2010
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