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Die Hopf-Gärten im Erzgbirge
Von der sagenhaften Wirkung des einheimischen Bieres
Vermutlich waren die ersten Besiedler unserer Gegend auch genußvolle Biertrinker, - wenn auch nicht alles, was in den zurückliegenden Jahrhunderten unter dem Namen
Bier gebraut wurde, unseren jetzigen Vorstellungen dieses edlen Gerstensaftes entsprach. Besonders die stark aromatischen Gewürz -oder Kräuterbiere würden so manchen Freund des Biergottes Gambrinus von
heute arg verschrecken.
Der Sammler des "Sagenschatzes des Königreiches
Sachsen" und leidenschaftliche Bierkenner und -genießer, Dr.Theodor Gräße, hat in seinen 1872 herausgegebenen "Bierstudien" ausdrücklich auf die
Kräuterbiere in Obersachsen hingewiesen. Aus Salbei, Ysop, Rosmarin, Lavendel, Haselwurz, Eichen- und Lindenblätter, Fichten - und Tannensprossen und vielen anderen Pflanzeln sind
bereits seit dem frühen 16.Jahrhundert in unserer Gegend Biere, oder zumindest bierähnliche Getränke, gebraut worden. Und selbstverständlich hatte jedes Kräuterbier auch Einfluß auf das
Wohlbefinden des "Zechers". So soll das Salbeibier den Magen gestärkt und das Glieder-und Kniezittern vertrieben haben. Aber auch bei Blasen- und Nierenleiden, bei
Durchfall, Frauenleiden und selbst bei "wackligen Zähnen" soll es wunderbar gewirkt haben, wie uns Gräße versichert. Hirschzungenbier tranken die
Milzsüchtigen und die Melancholiker und solche, die am viertägigen Fieber litten. Das edelste Bier für die Frauen soll das Beifußbier gewesen sein, da es
gegen die Unfruchtbarkeit und zur allgemeinen Stärkung des Leibes getrunken wurde.
"Sehr hoch geschätzt war das Rosmarinbier, denn es übertraf angeblich alle anderen Kräuterbiere an Farbe, Geschmack und Kraft und kam am Meisten dem Weine
gleich.(...) Man glaubte, es gehe durch alle Glieder, erquicke die Geister des Menschen, mehre die natürliche Hitze, stärke Herz und Hirn und bringe den Frauen ihre Regel wieder. . ." schwärmt Gräße in seinen "Bierstudien". Ob das Eichblätterbier tatsächlich gegen die Cholera und die rothe Ruhr wirksam war,
sollte bezweifelt werden. Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem Wachholderbier. Weil es noch heute seine lindernde Wirkung bei Nierensteinen
oder bei Mensturationsbeschwerden haben soll, wird hier das von Gräße aufgeschriebene Rezept wiedergegeben:
"Man gießt auf 30 Pfund zerstoßene Wachholderbeeren 21/2 Eimer kaltes Wasser, das nach Abzug der auflösbaren Bestandteile nach 24 Stunden abgelassen, im
Braukessel gekocht und fleißig abgeschäumt wird, um den harzigen, bitteren Geschmack des Wachholders zu entfernen. Ueber den Treber wird dann nochmals
Wasser gegossen, dann wieder abgezogen und hierin der H o p f e n gekocht und dieses Decoct der ersten Würze zugesetzt. Ist das Ganze bis zur laulichen Wärme
abgekühlt, setzt man es durch Hefe in Gährung und ist die Hauptgährung vorüber, füllt man es auf Fässer".
Nach 8 bis 14 Tage könne man es sich dann schon zu Gemüthe führen. Allerdings muß man schnell trinken, denn die obersächsische Herstellungsweise
garantiert keine lange Haltbarkeit, im Gegensatz zur französischen, - wie der Sagen sammelnde Bierkenner meint.
Wahrscheinlich wurde schon weit vor dem Jahre 1262 das Bier in unseren Breiten gebraut und selbstverständlich auch getrunken. Da man im Überfluß Bier zur
Verfügung hatte, wurde es auf umliegende Märkte und in trinkfreudige Städte gebracht. Von daher wissen wir auch, daß es in Freiberg bereits um 1262 eine
Brauerei gegeben haben muß, denn just im selbigen Jahr kam es zwischen den Freiberger Brauern und denen aus Dippoldiswalde zu einem heftigen Streit, weil letztere ihr Bier nach Freiberg ausführten.
Der Biertrinker Markgraf Heinrich der Erlauchte war es schließlich höchstpersönlich, der den "Bierkrieg" beendete indem er festlegte, daß die
Bergleute aus Freiberg ihr Bier zukünftig nur noch aus der eigenen Brauerei nehmen durften. Derselbe Fürst schenkte übrigens auch dem Nonnenkloster zu
Nimpschen den " Bierzehnten " von allen seinen Silberzechen im Lande, wie dies in einer Urkunde aus dem Jahre 1277 nachzulesen ist. Seit dem finden sich
häufiger Hinweise in erzgebirgischen (sächsischen) Urkunden auf Malz- , Brau- und Bierhäuser.
Abgesehen von den Kräuterbieren des Mittelalters - wie sie noch bis in das 19.Jahrhundert auch im Erzgebirge anzutreffen waren - wurde aber zum
Brauen von Bier auch bei uns zunehmend Hopfen verwendet. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um einen winzigen Teil der unreifen weiblichen
Hopfenblüten; nämlich das Hopfenmehl, das die Bitterstoffe, das Harz und entsprechende aromatische Öle enthält, um dem Bier seine unverwechselbare Würze zu verleihen.
Vermutlich haben sich die Brauereien des 13.Jahrhunderts (z.B. in Freiberg oder in den Klöstern) mit Hopfen aus Franken, bzw. aus dem nahen Böhmen
versorgt. Es ist aber auch denkbar, daß parallel zur Entwicklung des Brauereiwesens in unserem Gebirge ein relativ planvoller Hopfenanbau in klimatisch geeigneten Gegenden begann.
Der Garten des Hopfens - Hopfgarten
Im Tal der Zschopau, unweit von Scharfenstein, liegt das Dorf Hopfgarten. Bereits im Jahre 1386 wird es urkundlich als "Hopphegarten" und schließlich 100
Jahre später als "Dorff Hoppfengarten" erwähnt. Bekannt ist ebenfalls, daß in den Gegenden um Gelenau, Wolkenstein, Venusberg, Thum und Drehbach im 15.Jahrhundert Hopfen angebaut wurde.
Im " Landwirtschaftlichen Lehrbuch aus der Zeit des Kurfürsten August von Sachsen" wird darauf hingewiesen, daß der Hopfenanbau auch im sächsischen
Erzgebirge im 16.Jahrhundert offensichtlich erfolgreich betrieben wurde. Bekannt ist zudem, daß anstrengende Frohndienste für das Hopfenpflücken in
einigen der genannten Orten verrichtet werden mußten. Genau wissen wir es aus dem Jahre 1551 vom Kammergut bei Stollberg, wie auch später vom Rittergut
Neudörfel (heute Neuschönburg) bei Ortsmannsdorf. Auch Fröbe erwähnt den Hopfenanbau in seiner Geschichte der Stadt Schwarzenberg : " Die Bürger sind
an erster Stelle Bauern, die nebenher auch ein Handwerk treiben. Von den 48 Altbürgern sin 1550 sämtliche Bauern; sie haben insgesamt 195 Kühe und 9 Ziegen
. . . Der Anbau von Korn, Hafer, Gersten und Weizen ist bezeugt, ebenso von H o p f e n und Mohn."
Möglicherweise hat der Hopfenanbau in den späteren Jahrhunderten nicht mehr die Bedeutung erlangt, wie dies in der Besiedlungszeit der Fall war. Im
ausgehenden 18. Jahrhundert wird auch die Böhmische Konkurrenz, besonders auch hinsichtlich der Hopfengüte, keine unwesentliche Rolle beim
Zurückdrängen des heimischen Hopfens gespielt haben. Neben den "glücklichen Versuchen" die dem Königreich Sachsen beim Anbau des Hopfens in alten
Veröffentlichungen bescheinigt werden, wird doch auch immer wieder darauf hingewiesen, daß der zunehmende Hopfenbedarf nicht mehr aus einheimischen
Aufkommen gedeckt werden kann und immer größere Teile aus Bayern und Böhmen besorgt werden müsse.
Im 19. Jahrhundert könnte es nochmals zu eiener Hopfen-Blüten-Zeit gekommen sein, in der man sich besonders von der böhmische Übermacht zeitweilig etwas
trennen konnte. So kann dann schließlich auch in dem von Schumann 1814-1833 herausgegebenen 18 Bändigen " Vollständiges Staats, - Post- und
Zeitungslexikon von Sachsen " festgestellt werden: "Mit dem Hopfenanbau hat man in manchen Gegenden, z.B. bei Zwickau, Schneeberg, Wildenfels u.s.w.
glückliche Versuche gemacht und dadurch die Einfuhr aus Böhmen sehr vermindert."
Ein gewisser Hofverwalter Braun aus Härtensdorf wird in den Schriften immer wieder als einer der Hopfen-Väter im "sächsischen oberen Erzgebirge" erwähnt.
Ihm ist wahrscheinlich auch die zeitweilige Zurückdrängung des Hopfen-Importes zu verdanken. Schumann schreibt dazu im 10. und 11. Band seines umfangreichen Werkes u.a. : " Zu Härtensdorf gründete der Hofverwalter
Braun ums Jahr 1788 zuerst den Hopfenbau im sächischen höheren Erzgebirge . . . " Und im Zusammenhang mit dem weiteren Aufblühen des Brauereiwesens im
Erzgebirge schreibt er im Bezug auf Schneeberg :" In den 90er Jahren dachte man ernstlich daran, die Braunahrung wieder zu heben, und errichtete nicht nur eine
nützliche Brau- und Malzkasse, sondern legte auch (bes. durch den Kaufmann Etler) vor dem Hartensteiner Thore, beim Schießhause, mehrere Hopfengärten auf
Gemeindeboden an, welche 1801 schon 195 Schfl lieferten, und wovon 1807 236 Thlr., 14 5/6 Gr. als reinen Gewinn fielen. "
Die heilsame Wirkung des Hopfens und des Bieres
Doch nun weg vom alkoholisierten "Hopfenblütentee" und hin zu noch gesünderen Verwendnugsarten unseres Humulus lupulus. Womit nicht gesagt
sein soll, daß das Bier keine naturheilsame Wirkung z.B. bei Nieren- und Blasenleiden, bei der Verdauungsförderung oder bei Schlafstörungen hat. Gerade
wegen der letzgenannte Eigenschaft des Hopfens, seine beruhigende Wirkung bei nervöser Unruhe und den Schwierigkeiten beim Einschlafen wird in er
Volksmedizin immer wieder hoch geschätzt und seit altersher empfohlen.
Getrocknete Hopfenblüten (auch mit Laub) mit heißem Wasser übergießen, kurz ziehen lassen, abseihen und eine halbe Stunde vor dem Insbettgehen schluckweis
getrunken, - dieser Tee kann einen tiefen und gesunden, meist auch traumlosen Schlaf herbei zaubern.
Ein Dr. Bohn aus dem Schneeberg des vorigen Jahrhundert meint schließlich, " . .
. daß Hopfen eine stark wassertreibende sowie eine beruhigende, ja sogar betäubende Wirkung aufweist und deshalb wird er bei gichtigen Gelenkschmerzen und
Wasseransammlungen im Organismus angewendet."
Wirkungsvolle ist auch das sogenannte Kräuterkissen. Ein altbewährtes Schlafkissen, welches neuerdings in der Aroma-Therapie wieder zu Würden
gekommen ist. Neben reichlich Hopfen-Zapfen werden in das Kissen aus Leinen auch noch getrocknete Lavendelblüten, Melissenblätter und Johanniskraut
gestopft. Man muß nicht einmal unbedingt darauf schlafen, schon wenn es in der Nähe des Kopfes liegt, verfehlt es seine sagenhafte Einschlaf-Wirkung nicht.
Auch Babys oder Kleinkindern, die wegen Zahnen oder Bauchschmerzen nicht einschlafen können, sollte ein aus Hopfen und Kamille gefülltes Kissen auf den
Bauch gelegt werden, meist nimmt dann Morpheus recht schnell das Kleine in seine Arme.
In einer Apotheke im Erzgebirge werden kleine "Kreiter-Schlaf-Säck'l" verkauft, deren Inhalt vermutlich folgender ist:
20 g Hopfen-Zapfen,
10 g Melissenblätter
10 g Orangenblüten (oder getroknete, ungespritzte Apfelsinenschale)
20 g Kamillenblüten
10 g Lavendelblüten
20 g Rosenblätter (von einer Rose, deren Blätter auch im trockenen Zustand noch duften)
Wer nicht schon beim Lesen dieser wunderbar-aromatischen Ingridenzien von einer wohligen Mattigkeit befallen wird, dem ist dann kaum noch in den Schlaf
zu helfen. Eine Steigerung währe wahrscheinlich nur noch möglich, wenn der Unruhige ein oder zwei Bier auf jenem Kräuterkissen zu sich nehmen würde.
Doch noch einmal kurz zurück zum Bier. Jedoch diesmal nicht als herber Männer - und auch Frauentrunk, sondern vielmehr als Nahrung und "Gewürz"
in der heimischen Küche.
Seit der Sudkessel nicht mehr mit zur Aussteuer des jungen, heiratswilligen Mädchens gehört, wie dies der Fall noch im vorigen Jahrhundert in grenznahen
Dörfern des Erzgebirges gewesen sein soll, und seit das Bier nicht mehr wie zu den Zeiten des Reiheschanks zu Hause gebraut wird, ist auch das Kochen mit
Bier in Vergessenheit geraten. Dabei war es in unserer armen Gebirgsgegend früher durchaus üblich im Winter eine heiße, aber dünne Biersuppe als
Hauptmahlzeit zu sich zu nehemen und im Sommer eine Art Bier-Kaltschale zuzubereiten. Aber das Kochen oder auch nur Würzen mit Bier (meist mit
dunklem Bock-Bier/auch Malzbier) ist im oberen Erzgebirge noch nicht ganz ausgestorben. Und so konnten aus der Gegend zwischen Arnsfeld und Satzung -
vielleicht auch wegen der Nähe zur böhmischen Grenze - noch einige Rezepte gesammelt werden, die dem Leser nicht länger vorenthalten bleiben sollen:
Biersuppe von Arnsfeld
In einem Topf werden 2 EL gute Butter mit 2 EL Mehl zu einem Einbrenn verrührt, dann wird 1 Liter dunkles Bockbier dazugeschüttet, kräftig gerührt und zum
Kochen bringen. In einer großen Schüssel aus Steingut wird 1 Eigelb mit 1 Tasse guter saurer Sahne verquirlt. Jetzt wird das heiße Bier darüber geschüttet,
umgerührt und mit einer Prise Salz und Pfeffer abgeschmeckt.
Biersuppe von Steinbach
Ein Ränft'l (das vordere oder hintere Ende) von einem kräftigen Schwarzbrot wird mit 1 Liter Malzbier, 1 EL guter Butter , 1/2 EL Zucker, 1/2 EL gemörserten
Kümmel und einer Prise Salz stark erhitzt und kurz vor dem Kochen vom Herd genommen. Die Suppe wird neuerdings in eine Schüssel durchgeseit ( früher hat
man das Brot vermutlich mitgegessen) und mit 2 Eigelb und etwas darin verquirlten Rahm gebunden.
In früheren Zeiten sind dann soviel Holzlöffel ausgeteilt worden, wie sich hungrige Mäuler um die große Biersuppenschüssel einfanden. Der Vater aber
bekam den größten Löffel. Einen, der mehr an eine Kelle erinnerte. Und er durfte selbstverständlich von den damals nicht so kräftigen, aber durchaus gesunden
Suppen auch als erster kosten. Und ähnlich wie bei der "Semmelmillich" - einem Einbrockgericht innerhalb des "Neinerlaa" am Heiligen Abend - trank der
Hausvater den Rest für alle aus der Schüssel. Dann erst war das Mahl beendet und alle durften nun vom Tisch aufstehen.
Aber auch Fleischgerichte werden noch heute in besagter Gegend mit Bier zubereitet:
Schöpsen (Hammel) - Keule in Bier von Königswalde
In einer eiserenen Kasserole wird Fett stark erhitzt, dann wird 1 Pfund Schöpsenfleisch in grobe Stücke geschnitten und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Jetzt
kommt das Fleisch in das heiße Fett und wird schnell ringsrum angebraten. Nun schüttet man 1/2 Liter gutes dunkles Bockbier langsam darüber und läßt alles etwa
1 Std. in der Röhre schmoren. Soße mit etwas Kartoffelstärke binden (eventuell noch etwas Bier nachgießen), mit Muskat und paar Spritzer Zitrone abschmecken.
In manchen Orten des Erzgebirges wird auch Fleisch - besonders Wild - Tage vor dem Braten in Bier, oder in eine Marinade aus Bier, Essig, Zwiebel, Möhre,
Knoblauch und Lorbeer eingelegt, weil dadurch das Fleisch besonders zart und schmackhaft wird.
Auch zahlreiche Bier-Soßen sind noch im Ober-Erzgebirge in Gebrauch, die gern zum Fisch gegeben werden. Eine aus Tellerhäuser, bei Oberwiesenthal, soll für
viele andere, ebenso schmackhafte, stehen:
In 5 EL guter Butter werden 1 gehackte Zwiebel und 1 Knoblauchzehe angedünstet, langsam wird dann ein Glas helles Bier dazugerührt und durchgekocht. Alles wird
mit in kaltem Wasser angerührter Kartoffelstärke gebunden und mit Salz, Pfeffer, Muskat, Nelkenpulver und etwas Zucker abgeschmeckt. Manchmal wird auch ein
Lorbeerblatt im Bier mitgekocht und mit einem Schluck Weinbrand abgeschmeckt.
Glaube keiner, daß hier die Fortsetzung des Gutguschn-Kochbuches zu erwarten sei. Vielmehr wird deutlich, wie Essen und Trinken mit der Natur-Apotheke
unserer Heimat zusammenhängen. Denn ohne unseren sagenhaften Hopfen wären auch all die köstlichen Bier-Gerichte nicht denkbar. Bekanntlich besagt
eine alte Volksweisheit, daß Essen und Trinken Körper und Geist zusammenhalten. Wohlbefinden, Lebensfreude und Gesundheit haben ihre
Quellen nicht zuletzt auch in den Freuden des Gaumens, - wenn diese allerdings nicht andauernd zu üppig ausfallen und dann das Gegenteil bewirken.
Gefeiert, gut gegessen und getrunken - im Rahmen des Verfügbaren - wurde auch in unserer Gegend zu allen Zeiten und zu den unterschiedlichsten Anlässen.
Und gab der Kalender keine her, dann schuf man sich eben welche, wie zum Beispiel den schon genannten Reiheschank. Ganz oben an standen aber von jeher
die Familienfeste, die manchmal über mehrere Tage gefeiert wurden.Und daß unsere Erz-Erzgebirger dabei nicht die mit der größten Zurückhaltung waren
und so manches dabei auch mal "in die Hose ging", soll an einem der bisher bekannten ältesten Hochzeitsgedichte (Auszug ,1659), in alterzgebirgischer Mundart, deutlich werden:
" . . . Ich wäß wul wosse hoht. Sä hoth / gläch / hüsche Pfeng
boßwöllen isse stoiff / boßwöllen äg gekgäng
ufft lacht dos Robenflähsch / ufft greint dos arme Ding
poll sterbste gar ver Lie / poll wördse wiedre wing /
zezetten isse gut / zezetten ä wuhl bieß /
und schöllig off de Mäht / poll gietse vulten stieß
wenn än en Tupff zewricht. Schnachts schläfftse alsen Ratzs
betog net ällemohl / es is ä siller Schatz
wenn flucksch der Napper drauff das hüschte Ferckelthier
dos fettste Schweinel sätzt / hä gessen nett derfür
nän / werlich gotz / er triffts. Er wlebt en annern wuhl
wos Hertz in Loibe hoht / dosselbe gie umb huhl
sich äne sittiche. Er krieckt sä / glättmers mir
sex Wuchen an en stück / wie van getripten B i e r
wehls assene Pfütze sieht / dos macht en silchen Lärm
in seiner Lederhuß / äls epper Must und Gärm
und latter Naumersch Bier zesamm gesuffen hett /
do nempt üch eppes drauß. Jen bissel is zeffett.
Panekratzius Ortband / Erbsasse von Hintenzu. "
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