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Hammerfest in Frohnau 2011
Nachklänge zu einer lebensfrohen Tradition
Das diesjährige Hammerfest kann wieder als ein volkskultureller Magnet von besonderer Güte bezeichnet werden. Ein abwechslungsreiches Programm und das
Engagement vieler Helfer und Unterstützer machten es zu einem Erfolg, den man sich häufiger als alle fünf Jahre wünscht...
Am rauschenden Bächlein. Seit rund 600 Jahren existiert die Hammerschmiede an der Sehma in Frohnau...
Erst wieder in fünf Jahren soll das nächste Berg- und Hammerfest an der Wiege von
Annaberg, unten am altehrwürdigen Frohnauer-Hammer stattfinden. Diesen großen Zeitabstand hat man jetzt zur Tradition erklärt, obwohl die Chronik verrät, dass es seit
1953 bis etwa 1960 jährlich, dann dreijährig und erst ab 1966 aller fünf Jahre gefeiert wurde.
Die Hammerfeste waren überaus beliebt und es zogen mitunter weit über 200.000
Besucher zu diesem echt erzgebirgischen Heimatfest. Das nicht nur, weil dort mehrfach das alte Hammerlied – später dann vom Hammer-Hansel interpretiert – erklang, zu dem
kräftig mitgesungen und rhythmisch mit Löffeln, Gabeln, Messer oder Vaters Pfeife gegen die Gläser geschlagen wurde, sondern auch wegen der uralten Linde vor dem
Hammerwerk. Unter ihr konnte man noch bis Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Tanzbein schwingen, während oben in ihren gewaltigen Ästen auf einem
Podium eine Fünf-Mann Kapelle dazu die Märsche, Dreher und Ländler sowie die Erzgebirgslieder spielte, zu denen ringsum in den Biergärten und vor den Buden geschunkelt und mitgesungen wurde.
Der Hammer in Aktion, hier bei einer der vielen sachkundigen Führungen durch die historische Hammerschmiede
Wenn auch die alte Linde noch nicht wieder bespielbar und das Hammerlied kaum als
Höhepunkt des Festes zu hören ist, so kann auch das diesjährige Hammerfest wieder als ein volkskultureller Magnet von besonderer Güte bezeichnet werden. Ohne die vielen
ehrenamtlichen Helfer aus den unterschiedlichsten Vereinen, ohne die engagierten Organisationstalente des Hammerbundes als Initiator und Inspirator, und ohne die
Unterstützung durch die offiziellen Vertreter von Annaberg, Buchholz und Frohnau, wäre dieses bleibende Erlebnis nicht zu schaffen gewesen. Schließlich ist es den Organisatoren
gelungen – ganz im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen hierzulande – rechtzeitig die Öffentlichkeit auf diesen zu feiernden „wahren Edelstaa“ von unserem Erzgebirge
hinzulenken. Plakate, Handzettel, Zeitungsannoncen und eine ansprechende und informative Festschrift haben daher an den drei Tagen auch zahlreiches Volk zu den
sehens- und hörenswerten Veranstaltungen gelockt.
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Achim Kühn (Kunstschmiedemeister aus Berlin, rechts im Bild) überreicht dem Vorsitzenden des
Hammerbundes, Frank Stock, ein geschmiedetes Gästebuch als Erinnerung an das Berg- und Hammerfest 2011
Solch ein Höhepunkt war dann auch die Eröffnung der Ausstellung von zeitgenössischer
Schmiedekunst in der Hammer-Galerie. Neben der anerkannten Schmiedegruppe um Ulrich Habermann, die auch ein wohlgeformtes und sehr ansprechendes Schmiedetor am
hinteren Hammereingang enthüllen konnten, wurde von der Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch und vom Vorsitzenden des Erzgebirgischen Schnitzervereins und einem
der Hauptorganisatoren des Festes, Dietmar Lang, der international bekannte Kunstschmiedemeister Achim Kühn aus Berlin begrüßt. Er überreichte am nächsten Tag,
gemeinsam mit seiner Gattin, dem Vorsitzenden des Hammerbundes, Frank Stock, ein geschmiedetes „Gästebuch“ als dankbare Erinnerung an diese wundervollen Tage in
Frohnau, wo er und seine Frau langjährige Freundschaften hin pflegen und wieder neue knüpfen konnten.
Neben den Schmiedemeistern und Gesellen, waren
es vor allen Dingen die Holzbildhauer, die ihr 3. Symposium veranstalteten, und die immer wieder die Blicke sowie die Begeisterung des zahlreich erschienen Publikums auf sich zogen. So entstanden
an den drei Tagen meist heitere, skurrile und durchweg nutzbringende Skulpturen, von denen demnächst einige einem sozi-kulturellen Zweck zugeführt werden dürften. In mühevoller
Kleinarbeit werkelten die Schnitzer und sägten die Speedcarvinger, so nennt man in westlichen Gefilden die mit Kettensägen bewaffneten Schnellschnitzer, denen auch hier erstaunliche
Werke gelungen sind, und die bei der Versteigerung durch die beiden sehr engagierten Nachtwächter einige Euros in die Vereinskassen spülten. Ob man nun bei zukünftigen Veranstaltungen in unserem
deutschsprachigen Erzgebirge („Deitsch un frei woll mer sei....“ hörte man schließlich laut aus dem Festzelt schallen) diese Form der Holzbearbeitung Speed-Carving und das
kuriose Wagen-Rennen Car-Rellay nennen soll, bleibt (k)ein Gegenstand der Diskussion.
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Ein großes Lob auch an den „Hammer“ Hubert Müller. Der an diesem Tag das Rentenalter erklommene Alleinunerhalter (oder doch besser Entertainer?) hatte das Fest
sowohl organisatorisch als auch dramaturgisch fest im Griff. Geschickt, flexibel und sehr ansprechend moderierte er die verschiedensten Veranstaltungen und griff dort helfend
mit ein, wo, im übertragenen Sinne, die Säge klemmte. So gelangen ihm u.a. der „Hammer-Cocktail“ mit Musik, Show, Spaß und Brasilianischem Ballett zu einem
Höhepunkt. Aber auch der von ihm moderierte Lampion- und Fackelzug mit den Kindern zum Ausklang des Hammerfestes, gestaltete er zu einem nachhaltigen Erlebnis.
Hören lassen konnte sich auch das Bergmusikcorps „Frisch Glück“, wenn auch manche Titel aus dem internationalen Repertoire nicht so recht zur Blasmusikbesetzung und zu
den Stimmen der Solisten passen wollen. Immer dann, wenn die Musikanten die alten Erzgebirgslieder intonieren, treffen sie wohl am meisten die Wünsche der Besucher im
übervollen Festzelt, die sich beim großartig gespielten Feierohmd-Lied von ihren Plätzen erhoben und inbrünstig mitsangen.
Mit ähnlicher Inbrunst wurden bereits am ersten Tag im alten Hammerwerk Ausschnitte
aus dem „Waffenschmied“ von Albert Lorzing zu Gehör gebracht. Leander de Marel, umtönt von einem Männer-Quartett, sang das Lied des Hammerherren Stadinger „Auch
ich war ein Jüngling mit lockigem Haar...“. Eine authentischere Kulisse konnte sich der Intendant des Annaberger Winterstein-Theaters, Ingolf Huhn, der die Gäste begrüßte,
nicht wünschen. Das Publikum war begeistert und quittierte die zwei Mal hinter einander gespielte Szene vor den drei Hämmern jeweils mit langanhaltendem Beifall und vielen
Bravo-Rufen. Es wurde der Wunsch laut, dass diese Art der musikalischen Präsentation unbedingt in ein zukünftiges Marketing-Konzept zum Frohnauer-Hammer mit einfließen sollte.
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Aber was wäre ein Hammerfest ohne einen zünftigen Festschmaus, den man früher das „Große Hammerfressen“ nannte. Der Hammerwirt (das Restaurant befindet sich im
ehemaligen Herrenhaus (Foto), das auch eine Ausstellung mit Klöppelvorführung beherbergt) Stephan Feller und seine emsige Truppe haben sich selbst übertroffen, bzw.
haben die verwöhnten Gäste von ihm auch nichts anderes erwartet. Aber diese Erwartungen wurden sowohl gastronomisch wie auch von den Service-Leistungen in ausgezeichneter Weise erfüllt.
Nicht nur beim „Hammerfressen“ (das jetzt Brunch heißt) am Sonntag im Festzelt, noch
vor dem Berggottesdienst an der Schreckenbergruine, sondern auch im Umfeld waren überall duftende Bratwürste, gut belegte und reißend weggehende Fischsemmeln sowie
prima gezapftes Bier im Angebot. Dabei konnte der Hammerwirt nicht nur auf Servier-Unterstützung seitens verschiedener Vereine zählen, sondern selbst auf den Wirt
von der „Dummen Sau“, dem Frank aus Buchholz, der es sich nicht nehmen ließ, den Wernersgrüner Bierhahn selbst zu bedienen und vielen Leuten seinen bekannten Schlachtruf entgegen zu schleudern...
Alles in allem also ein sehr gelungenes
und nachhaltiges Fest, von dem die örtliche Presse so gut wie keine, und wenn schon, dann nur eine unprofessionelle, leidenschaftslose weil schlecht recherchierte Notiz genommen hat. Eine Feststellung
übrigens, die nicht nur die Berichterstattung über dieses Hammerfest betrifft.
Die diesmal dabei waren, freuen sich schon jetzt auf das nächste Hammerfest. Allerdings geben sie zu bedenken, ob es nicht doch besser wäre, die
Abstände zwischen den Hammerfesten etwas zu verringern. Schließlich würde man dem „Stolz vun unnern Arzgbirg“, der noch immer zwischen den Festen einem gewissen
Schattendasein im Annaberger Weichbild ausgesetzt ist, zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Die Identifikation – auch der jüngeren Generation – mit diesem großartigen
Kulturensemble und der Wiege Annabergs – könnte so weiter gestärkt werden. Und die ökonomische Seite für die Vereine und zum Erhalt unserer beliebten Hammerschänke, ist
auch nicht von der Hand zu weisen. Wenn dann wieder in der uralten Hammerlinde die Musik zum Linden-Tanz aufspielt und das Hammerlied durchs Sehmatal klinkt, dann ist
diese lebensfrohe Tradition vielleicht noch etwas authentischer, als sie es an den vergangenen Tagen im August anno 2011 bereits gewesen war...
Gotthard B. Schicker, August 2011
Weitere Informationen:
http://www.annaberg-buchholz.de/hammer.htm
http://frohnauer-hammer.de/
http://de-de.facebook.com/event.php?eid=186888654686056
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