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Walpurgisnacht im Sommer
"Walpurgisnächte - In Flammen" - ein Fantasie-Spektakel auf der Freilichtbühne Greifensteine
Es war ein fantastisches Spektakel aus Musik, Show, Musical, Tanz, das am vergangenen Samstag auf der Freilichtbühne Greifensteine vom Ensemble des
Annaberger Theaters auf die Beine gestellt wurde. Genau 1.308 Zuschauer waren gekommen, um bei leicht unterkühltem Wetter heißen Rhythmen, Tänzen und erstaunlich gut disponierten Stimmen – mitunter in
einem recht fremden Genre singend – höllischen Applaus zu zollen.
Das begeisterte Publikum war insbesondere angetan von den durch Ausstattungs-Leiter und Bühnenbildner Wolfgang Clausnitzer sowie von der gesamten Technik
gezauberten Kulissen und Kostümen, welche die Naturgegebenheiten dieser einmalig schönen Bühne als Rahmen für eine großartige Show mit ihren zahlreichen Effekten dienten und so den Kontrast zwischen Gut
und Böse meisterlich unterstreichen. Warum man von diesem Bühnen-Zauber-Künstler am Annaberger Theater so wenig zu sehen bekommt und stattdessen sich zu häufig fremder Ausstatter bedient, ist wohl
zunächst noch ein Geheimnis der Intendanz.
Anne Klinge, die Gastregisseurin dieser flammenden Walpurgisnächte außerhalb der
Mai-Tradition, hatte es in diesem vorgegebenen natürlichen und künstlichen Rahmen nicht besonders schwer, die Protagonisten des stimmungsvollen Abends in dieser simplen
Märchenhandlung wirkungsvoll zu platzieren, dazu international gängige Musiktitel singen und weniger originelle Texte sprechen zu lassen. Doch wie diese einzelnen
Musiknummern (Auswahl: Rudolf Hild) interpretiert wurden, war durchweg sehr beachtlich und hörenswert. So überraschten die Opernsänger Tatjana Conrad, Frank
Unger, Jason-Nandor Tomory und László Varga fast durchweg gekonnt mit Interpretationen aus dem Musical-, Rock-, Schlager- oder internationalem Volksliedgenre,
- und das mitunter in englischer oder spanischer Sprache.
Hervorragend dabei Tatjana Conrad mit ihrer sonoren Altstimme, aber ebenso László
Varga mit seinem kräftigen, aber sehr differenziert zum Einsatz gebrachten Bass in der Partie des „Fürsten der Finsternis“, der für viele Zuschauer viel zu früh durch den Degen
des Fürsten des Lichtes „Phönix“ - wie sinnig - (Jason-Nandor Tomory) ins Jenseits befördert wurde. Leider konnte Tomory kein all zu glückliches Verhältnis zwischen seiner
Stimme und der Technik herstellen, zu oft kam der Ton des Haus-Giovanni verhaucht aus den Felsenspalten. Vargas Stimme kam dagegen noch einmal differenziert zum Tragen im
Duett mit Sven Zinkan, dem ausgezeichneten Hamlet des Hauses, der nicht nur stimmakrobatisch, sondern auch tänzerisch überzeugte und das Ballett sowie den Chor (Uwe Hanke) mitriss.
Und vom wohlklingenden Tenor des Frank Unger hätte
man gerne ein weiteres Ständchen als Diener der Finsternis vernommen, was uns leider seitens der Regie und der musikalischen Leitung (sehr engagiert und präzise wie
immer Dieter Klug) versagt blieb. Dafür sangen zahlreiche Schauspieler des Ensembles mit lauter, aber nicht in jedem Falle angenehmer Stimme. „Die schöne Fremde“
Schiffbrüchige Maria Richter, die sich den finsteren Mächten zwar zunächst charmant anbiedert, aber dann zickig verweigert, um sich den als Vogel Phönix verzauberten Prinzen aus der Asche zu ersingen,
überzeugte gesanglich nur in der Mittellage. In den Höhen überschrie sie sich zu oft, obwohl das bei einer Verstärkung mit Mikroport und einer gekonnten Aussteuerung
durch die Tontechnik (Daniel Zimmer) gar nicht notwendig ist. Darüber hinaus arbeitet sie mitunter mit Glottisschlägen, die auch einer Sprechstimme durchaus Schaden zufügen
können, was für die ansonsten gut beschäftigte Darstellerin nicht von Vorteil wäre.
Herausragend dann aber wieder Udo Prucha als Erzähler, der nicht nur sprechend die
Handlung vorantreibt, sondern auch stimmliche Klasse - mit da Capo - über die Felsenbühne bringt. Erstaunlich auch, wie er die banalen Texte mit Überzeugung und
darstellerischer Leidenschaft ins weite Zuschauerrund verkauft, so etwa als spiele er eine Hauptrolle in „Viel Lärm um nichts“. Verkaufen wollten sicherlich auch die Gastronomen
auf den Greifensteinen. Denn wozu sonst ist die dramaturgisch unbegründete Pause gedacht? Sie stört nur den eh schon dürftigen Handlungsablauf und ist dafür
verantwortlich, dass die Walburgis-Estrade im zweiten Teil zunächst kaum voran kommt. Dafür sind dann aber die Fecht-, Prügel- und Tanzszenen (Choregraphie Sigrun
Kressmann), die über die schöne Leiche des Fürsten der Finsternis zum hellen Feuerwerks-Licht des Finales führen, um so hörens- und sehenswerter. All die
gespendeten Freudenpfiffe, Bravorufe und der rhythmischen Applaus am Ende des Spektakels haben die Mitwirkenden vor und insbesondere auch hinter der Bühne
sicherlich als ein verdientes Dankeschön für diese beachtliche Ensembleleistung empfunden.
Ähnlich erfolgreich verlaufen auch die anderen Aufführungen des Annaberger Theaters
auf den Greifensteinen, so konnte sich die Zauberflöte sogar gegen bittere Kälte durchsetzen und hielt das Publikum auf den Sitzen, die Kinder hingegen können sich an
Nachmittagn an den Märchendauerbrennern Aschenputtel (die Version mit den 3 Haselnüssen) oder dem Gestiefelten Kater erfreuen, Märchen, die mit Spielfreude
vorgetragen werden und den Kindern angemessene Kurzweil bieten. Mit Heidi und dem Schwarzwaldmädel leihen die Greifensteine ihr Ambiente auch einmal einem anderen Lokalkolorit - wer´s mag...
G.B.S.
Weitere Termine, Infos und Tickets: http://www.winterstein-theater.de
Gotthard B. Schicker
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