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Noch ein Erzgebirgs-Buch
Über eine Neuerscheinung, die kaum eine ist
Unter dem Stichwort „Erzgebirge“ findet man bei
Google 15.200.000, unter Google-Buch 1.040.000 im Zentralantiquariat ZVAB.com 6.031 Einträge und im Buch „Erzgebirge“ von Martina Schattkowsky an die 80 Literaturangaben zum
Thema. Da fragt man sich dann doch, ob es notwendig war, dieser Fülle an Erzgebirgs-Literatur noch einen weiteren Band hinzuzufügen? Diese Frage kann dann eindeutig befürwortet werden,
wenn darin Neues, bisher Unbekanntes, frische Forschungsergebnisse veröffentlicht werden.
So aber finden wir auf den 206 Seiten alterungsbeständigem Papier mit chlorfrei gebleichten Zellstoff aus der Edition Leipzig viel
Altbekanntes neu sortiert und schon gar keine frischen Forschungsergebnisse. Dafür eher Kurioses und Kabarettistisches, wenn man sich z.B.
den Abschnitt „Ein reginaler Sozialtypus: ´Der Erzgebirger´“ vornimmt. Bis auf wenige Verweise in den Texten kommt das Buch gänzlich ohne Fußnoten aus,
verfügt weder über ein Personen-, noch Orts- oder gar Quellenverzeichnis.
Die ca. 80 Literaturangaben, aus denen man vermutlich die längst bekannten und
tausendfach aufgeschriebenen Texte herausgefiltert und wiederholt veröffentlicht hat, können daher auch nicht den Mangel eines wissenschaftlichen Anspruchs wett machen, wie er u.a auf Tagung des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde über das Erzgebirge im 16. Jahrhundert Mitte Oktober 2011 in
Annaberg-Buchholz auch zu diesem dort beworbenen Buch hin postuliert wurde. Es ist ein Buch geworden, das unter den vielen, und darunter auch besseren,
Erzgebirgs-Büchern einen allgemeinen Platz einnehmen und bald vergessen sein wird – da wird auch das alterungsbeständige Papier auf das es gedruckt wurde nicht bremsend wirken können...
Martina Schattkowsky (Herausgeberin), unter Mitarbeit von Andreas Peschel:
„Erzgebirge“, in der Reihe Kulturlandschaften Sachsens, Band 3, 206 Seiten, Edition Leipzig 2010, ISBN 978-3-361-00645-4
Entdecker des Erzgebirges
Zur anspruchsvollen Biographie über Christian Lehmann
Von hohem wissenschaftlichen Wert dagegen
die Biographie über den Erzgebirgschronisten Christian Lehmann, die anlässlich dessen 400. Geburtstages von Stephan Schmidt-Brücken und Karsten Richter in der Druck- und
Verlagsgesellschaft Marienberg 2011 heraus gegeben wurde. Neben einer ausführlichen Lebens- und Werkbeschreibung wird mit zahlreichen Zitaten aus den Schriften des
Pfarrers aufgewartet. Hier kommt viel Neues ans Tageslicht: Bisher unbekannte Texte werden vorgestellt und sowohl zeitlich als auch sozialgeschichtlich eingeordnet, die
verschiedenen Lehmannschen Chroniken erfahren fundierte Wertungen, die alte Sprache wurde äußerst behutsam unserem heutigen Verständnis geöffnet, aus seinen Episteln und
Briefsammlungen werden die Zeit und das Umfeld des Pfarrers anschaulich - und so bisher noch nie – dargestellt.
Jedem der acht Kapitel sind aussagestarke und weiterführende Anmerkungen beigefügt, die von den Verweis-Ziffern im Text abgeleitet sind. Und
selbstverständlich verfügt dieses – auch gestalterisch sehr ansprechende - Buch über einen umfangreichen Anhang, in dem Worte und Ausdrücke erklärt werden, ein
Quellen- und Bildnachweis sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis die Wissenschaftlichkeit und damit auch den literarischen und historischen Mehrwert
unterstreichen. Und dass nicht nur das Nachwort mitunter wie eine Predigt klingt, sollte man zumindest dem Autor Pfarrer Schmidt-Brücken nachsehen, schließlich
schreibt er ja über seinen altvorderen Kollegen. Das Buch ist eine Fundgrube für professionelle Historiker und Heimatforscher sowie für alle an Persönlichkeiten des
Erzgebirges und an diesem Landstrich im Dreißigjährigen Krieg Interessierte. Ein Buch, das die Zeiten überdauern wird – nicht nur wegen seines alterungsbeständigen Papiers.
G.B.S.
Stephan Schmidt-Brücken/Karsten Richter: „Christian Lehmann – Der Erzgebirgschronist
– Leben und Werk“, Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH 2011, 268 Seiten, ISBN 978-3-931770-96-9
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