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Der Bauerhase
Man kann es in der Freiberger Konditorei/Bäckerei am Markt-Eck noch heute kaufen. Nur wenige wissen, was es
mit diesem traditionellen Gebäck auf sich hat. Alte Texte bringen vielleicht etwas Licht in die Sache.
Über die Entstehung des Freiberger Gebäcks „Der Bauerhase“ berichtet Dr. J. G. Th. Gräße im „Sagenschatz des
Königreiches Sachsen“, Dresden 1874, folgendermaßen (S. Dresd. Anz. 1873. Nr. 99. S. 26.):
Markgraf Friedrich mit der gebissenen Wange liebte das zu seiner Zeit mächtig empor blühende Freiberg vor
allen anderen Städten seines Landes und pflegte dort häufig Hof zu halten. Zu dem Kreise, den er dort gern um sich versammelte, gehörte ein Kaplan, der die Freuden der Tafel nicht verschmähte und ihm
wegen seines muntern aufgeklärten Wesens besonders werth war. Eines Fastnachts-Dienstags hatten die Herrschaften bis nahe an Mitternacht getafelt, als der Markgraf seinem Koch, Namens Bauer, befahl, als
nächsten Gang Hasenbraten auf den Tisch zu bringen. Der Kaplan, welcher des Guten vielleicht bereits genug gethan hatte, erhob jedoch hiergegen Einspruch und erklärte es im Hinblick auf die Mitternacht
anhebende Fastenzeit für Sünde, nach der letzteren Beginn noch eine Fleischspeise zu sich zu nehmen.
Während der Markgraf nun hierüber mit dem Kaplan in einen Wortstreit sich einließ, war der Koch, ein lustiger
Patron, nachdem er verheißen. beiden Partheien alsbald gerecht werden zu wollen, in seine Küche gegangen, hatte von seinem Teig einen Hasen geformt,. denselben mit Mandeln wohl bespickt, und offerirte
dieses Gebäck alsbald dem Markgrafen und seinen Gästen mit dem Bemerken, daß dergleichen Hasen wohl auch in der Fastenzeit mit Fug und Recht gegessen werden könnten. Der Kaplan. den diese neue Speise
reizte, erklärte dieselbe sofort für zulässig und der Markgraf, mit seinem Koch höchlich zufrieden. befahl, daß das neue Gebäck, dem er, seinem Erfinder zu Ehren. den Namen „Bauerhase“ beilegte, in
Zukunft stets seine Tafel während der Fastenzeit ziere.+)
+) Eine andere Erklärung des Namens ist, daß weil sonst die Bauern den Hasenbraten nur dem Namen nach nannten,
da sie selbst nicht jagen durften, sie an Festtagen ein Gebäck in Form desselben machten, das sie scherzweise Bauerhase nannten. Nach dem Dresd. Anzeiger v. 6. April stammen die Freiberger Bauerhasen
aber von dem sogenannten Osterhasen.
GBS
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