Erzgebirgstreff
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von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nachruf aus "Erzgebirgs Rundschau" , Mai 1994,
von Gotthard B. Schicker

 

Frieden und Ruh' für's "Klaane Getu' "...

Auch diese Zeile stammt übrigens nicht von Arthur Schramm, dem nunmehr Wehrlosen, dem dieser Tage reichlich gereimte Ungereimtheiten von regionalen Medien und selbsternannten Schramm-Forschern angedichtet werden. Das "Klaane Getu' ", unser dichtendes Erzgebirgsoriginal, hat sein Stöckchen abgegeben, mit dem er ungezählte Spaziergänge zum Pöhlberg klappernd beschritt; dabei die Straßen von Unrat beräumte oder auch schon mal einen Lausbub damit heftig drohte, wenn der ihm Verse nachrief, die nicht seine waren. Schramms Reime waren nie von hohem literarischen Wert. Nur wenige seiner Gedichte, wie etwa sein "Friedensaufruf", sind über die Grenzen des Erzgebirges hinaus bekannt geworden. Sie sind viel zu sehr heimatverbunden. Schlicht sind sie, häufig naiv und dennoch nicht selten sogar schön. Seine Lieder, Gedichte und Sprüche huldigen aber nicht nur die Natur, die Bergheimat und den Erzgebirger, sondern eben auch "seinen Führer", "den neien Wind" und später dann den Frieden. Damit hat der Kaufmann und Poet aus Annaberg - wie schon ganz andere vor ihm - ein weiteres Mal den Beweis angetreten, daß Sprache - auch die in Verse gegossene - eine konzentrierte Form des Denkens darstellt.  In Schramms "Werk" spiegeln sich das Denken der Zeiten, die er durchlebte ebenso, wie die lokalen Beschränkungen, denen er sich zeitlebens aussetzen mußte.

Eine Goldmedaille hat er für seine poetischen Ergüsse nie erhalten. Auch seine zahlreichen Erfindungen, wie z. B.: Zeppelin-Fliegenfänger, MIRAM-Kaffeefilter, Sicherheits-Wetzstein, "Ewige"-Rasierklinge, Fahrrad-Sattel-Lehne u.a. sind lediglich beim Deutschen Patentamt registriert, jedoch niemals mit Leipziger Messegold verziert worden. Seinen neunund- neunzigsten Erzgebirgs-Lenz hätte Arthur Schramm am 30. Mai dieses Jahres erlebt. Er war eine stets umstrittene, zu allen Zeiten gelittene, skurril daherkommende und dennoch auch liebenswerte Identitätsfigur des Erzgebirges. Er wurde von vielen belächelt, von einigen beschimpft, aber von ganz wenigen nur verstanden. Er war einer von uns. Ein Erz-Erzgebirger. Ein kleiner, aber schillernder Kiesel aus unserem erzgebirgischen Urgestein, - der uns hoffentlich noch lange zum Nachdenken anstiften wird.

 

 


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