|
“Dumme Sau“
Über das feucht-fröhliche Kulturzentrum von Buchholz - und weit darüber hinaus
Buchholz war früher eine kulturvolle Stadt mit vielen Vereinen, zahlreichen Gaststätten und vergnügungssüchtigen Bürgern. Nur die Letzteren haben sich wieder einigermaßen aus ihren Wendedepressionen
heraus entwickelt, finden aber kaum Orte, um ihren Leidenschaften zu frönen. Bis auf eine Ausnahme: Die diplomatische Funktion in Sachen Stadtvermarktung, Kultur- zentrum und gastliche Stätte in einem übernimmt
nahezu einsam – von anderen spärlichen Aktivitäten hier mal abgesehen – Frank, der umtriebige Wirt der Gaststätte “Dumme Sau“ auf der Karlsbader Straße, gleich neben dem Haus, in dem einst Anton Günther seine
Lithographen-Lehre absolvierte.
Die “Dumme Sau“ entwickelte sich in den letzten fünf Jahren zum alternativen Kulturzentrum von Buchholz, wo nicht nur die Buchholzer selbst gern einkehren, sondern auch gutbetuchte Geschäftsleute aus
dem nahen Annaberg und nicht selten auch zeitweilige “Erzgebirgs-Nestflüchter“ aus dem Ausland hier aufschlagen. Das besondere an dieser Kneipe ist ihre Atmosphäre, die einer alten erzgebirgischen Hutznstub sehr
nahe kommt und in der ein umsichtiger Wirt die differenzierten Bedürfnisse seiner Gäste nicht nur kennt, sondern auch alles dafür tut, dass die auch befriedigt werden.
Selbst wenn die Kneipe brechend voll ist, und das ist sie fast immer, findet Frank – eben ein echter Wirt – immer noch ein paar Minuten Zeit, mit einzelnen Zechern paar Worte zu wechseln oder ihnen
wenigstens im Vorübergehen sein Erkennungszeichen “Dumme Sau“ an den Kopf zu werfen und die Biere – ohne Nachbestellung – auf den Tisch zu stellen. Diesen Kampfruf hat er von seinem Vorgänger im Wirts-Amt
übernommen, der alle Gäste damit begrüßt haben soll. Zugegeben, eine für Fremde etwas gewöhnungsbedürftige, aber durch und durch herzlich gemeinte Art für ein ehrliches Willkommen. So sind sie eben, die Erzgebirger,
- ob hier in Buchholz, drüben in Annaberg oder irgendwo in der Welt, wo sie sich ihre Hutznstuben als Heimatinseln erreichtet haben.
Sie sind nicht nur gerne Gäste, sondern auch liebenswerte Gastgeber. In der “Dummen Sau“ bekommt man das über die Speisenkarte am besten zu spüren. Hier werden noch die Gerichte so zubereitet, wie man
sie von zu Hause kennt und wie sie sich über Jahrzehnte, - vielleicht sogar über Jahrhunderte – kaum verändert haben. Hier schmecken die Soßen nach echtem Fleischsaft, die Klöße sind von Anfang bis Ende Handarbeit
und mit frischen Zutaten versehen. Das Schweinefleisch kommt mit einer Kruste auf den Tisch, nach deren Verzehr man sich alle zehn Finger leckt und man bedauert, dass man nur zwei Hände hat. Selbst die einfache
Bockwurst, das Beefsteak (so heißt hier die Boulette der Berliner oder das Fleischpflanzerl der Österreicher) oder der Rollmops werden durch die Atmosphäre zu einem Festmal veredelt. Und erst de Fettbemme!! Leute,
de Fettbemme beim Frank sind eine Vorspeise, bei der die eine Bemm auf die andere immer wieder Appetit macht.
Man konnte neulich einen weitgereisten Generaldirektor dabei beobachten, wie er aus dieser köstlichen Vorspeise eine Hauptspeise machte, also den ganzen Teller (natürlich ohne Teller) auffraß, um dann
doch noch das knusprig gebratene Läuferschwein als Hauptgang und Nachtisch zu verspeisen. Nur gut, dass endlich die beiden Nachtwächter kamen und die Truppe zur Ordnung riefen. Ein Kulturprogramm der besonderen Art
übrigens, über das noch extra zu berichten sein wird. Wem nun der Lobgesang auf die “Dumme Sau“ in Buchholz zu heftig ausgefallen ist, der sollte sich schleunigst selbst auf den Weg machen und bei Frank vorbei
schauen, spätestens dann wird er erfahren, was für eine “Dumme Sau“ er bisher war...
Hier noch das so genannte “Lied von dr Dummen Sau“, dass auch als “Gute-Quelle-Lied“ unbekannt ist. Vermutlich hat es in den 60er Jahren (Billard hat es wohl früher dort nicht gegeben) ein Stammgast
gereimt. Der Verfasser (offensichtlich ein Erzgebirger, der die Mundart in Schriftform schlecht beherrschte, oder ein Zugereister) ist jedenfalls noch unbekannt, er könnte sich aber ermitteln lassen, da seine
Stammtischbrüder genannt werden. Auch die Melodie ist nicht überliefert, es wurde aber auf alle Fälle in einem Marschrhythmus im 4/4-Takt gereimt, so dass eine einfache, schon bekannte Melodie dazu passen wird.
Übrigens kann ich mich noch erinnern, dass unser Vater einen Arbeitskollegen aus Buchholz hatte, den sie den “Hübner Piep“ nannten, er kommt in der 7. Strophe vor.
Lied von dr Dummen Sau in Buchholz
|
|