Schicker’s                 Ein Erzgebirger an der Donau

Erzgebirgstreff

Dicknischl
Unbequeme Texte zu berühmten, vergessenen und unbequemen Erzgebirgern

Annaberg
Erinnertes und Aktuelles aus meiner Heimatstadt

Weihnacht
Von Hutznstub und Raachermannl

ANNABERGER THEATER
 A-B-C
99 Schlag- und Stichworte zur 110jährigen Geschichte des erzgebirgischen Musentempels HIER

A - Z
Alle Texte auf einen Blick + Informationen zum Autor

Links
Von Annaberg bis Budapest ...

Stichwortsuche
hier

Mich erreicht Ihr in Budapest unter:
gotthard@schicker.org

Der Plagiator

Schindluder mit dem “Klaanen Getu“
– Zum Schramm-Buch des Mario Kaden,
dem Nachlass des Erzgebirgs-Originals
sowie ein Vorschlag zur Güte

Von Gotthard B. Schicker

Im Jahre 2000 ist ein nicht gerade preiswertes Buch (49,80 DM im Verkauf, beim Argumentum-Verlag in Budapest für einen Spottpreis gedruckt) über den Heimatdichter Arthur Schramm unter dem Titel “´s kleene Getuh“ im Berliner Altis-Verlag erschienen. Der Autor dieser 450 Seiten ist der ehemalige Wismut-Kumpel Mario Kaden.

Mir ist dieser Mann noch nie persönlich begegnet. Schriftlich schon: Einmal durch ein paar Abhandlungen über die Wismut-Zeit im Erzgebirge, dann durch besagtes Schramm-Buch und davor bereits durch Programmankündigungen im “Kartoffelkeller“ der Annaberger Hotel-Gaststätte “Wilder Mann“, wo Kaden (mit Partnern) angebliche Reime und wirkliche Gedichte des Annaberger Verseschmiedes zur Garnierung seiner so genannten Schramm-Abende missbrauchte und mit dessen Figur auch merkantiles Schindluder trieben. Nach nur wenigen solcher Veranstaltungen blieb das Publikum weg und für die westdeutschen Hotel-Betreiber war diese - ihnen aufgeschwatzte – Reihe vermutlich auch nicht mehr von geschäftlichem Interesse. Dann hörte ich bis zum Erscheinen des Schramm-Buches nichts mehr von Herrn Kaden.

Für einen wie mich, der sich nachweislich jahrelang mit der Figur unseres Heimatdichters befasst hat und über ihn auch mehrere Artikel in der “Freien Presse“ und in der “Erzgebirgs Rundschau“ (seit 1991) veröffentlichen durfte, war dieses Buch natürlich von einem gewissen Interesse. Bereits der Titel hatte einen seltsam Klang: “´s kleene Getuh“. So weit ich mich erinnern kann, riefen wir als Schüler unseren Arthur - wenn wir ihn foppen und darauf hin zornig erleben wollten - “Klaanes Getu“ zu. Und geschrieben habe ich seinen Spitznamen auch noch nie mit diesem Auslaut “h“ gesehen. In der Obererzgebirgischen Mundart, und die sprach Schramm und die spreche ich, wenn ich zu Hause im Erzgebirge bin, heißt klein aber eben “klaa“. Nur weiter unten, Richtung Chemnitz, Leipzig und auch Dresden – also im sächsischen Großraum - heißt es “klee“. Wo Herr Kaden geboren ist, weiß ich nicht. Aber vieles spricht dafür, dass er aus dem erzgebirgischen Raum um Annaberg stammt, zumindest hat er die Annaberger Annenschule besucht und auf (oder im) dem “Humpel“ gelebt (einer Siedlung, in der hauptsächlich bei der Wismut-Beschäftigte wohnten). Schon wegen seiner Herkunft hätte ihm diese sprachliche Peinlichkeit nicht bereits im Titel passieren dürfen. Die Konsequenz des Buches besteht aber offensichtlich darin, dass sich die Peinlichkeiten ins Innere hinein fortsetzen.

Es würde hier zu weit führen und der unprofessionellen Art des Autors unverdiente Anerkennung zollen, würde ich nun auf all diese Dinge Seite für Seite kritisch eingehen. Deshalb sei nur so viel dazu gesagt: Das Kaden-Buch zerfällt für den aufmerksamen Leser in drei Teile. Der eine Teil, und das ist der weitaus größere, scheint einer Autobiographie des Autoren gleichzukommen, wobei wesentliche Lebensabschnitte seiner Vita (wie das halt so bei Auto-Biographen der Fall ist) darin nicht vorkommen. Wir erfahren also nichts darüber, ob die in intellektuellen Gebirgskreisen kursierenden Gerüchte über die Staats- und Parteinähe Kadens (einem vielleicht “gut indoktrinierten DDR-Bürger“, S.9) wahr sind, und ob darauf z.B. seine Quellenzugänge und Archiveinblicke zurückzuführen sind, wie er sie bereits bei seinen Wismut-Texten erhielt und wie sie nun beim Schramm-Buch noch augenscheinlicher geworden sind.

Der zweite Teil – der nicht egomanische dieser Schrift - kommt einem verkappten Reiseführer durch das Erzgebirges gleich. Durch Kadens unverstellte und beziehungsreiche Zugänge zu Annaberger Archivmaterialien (sowohl Stadtarchiv als auch ehem. SED-Parteiarchiv Annaberg, das vermutlich in Teilen zum Privatarchiv der Familie Kaden mutierte) wird eine ganze Menge über die Stadt- und Regionalgeschichte vermittelt, die dazu ausreichen würde, eine – vielleicht von ihm geplante – Erzgebirgs-Chronik heraus zu geben.

Was das aber nun alles mit dem eigentlichen Anliegen – und damit dem dritten Teil – also mit Schramms Leben und Werk zu tun hat, ist eine falsche Fragestellung. Natürlich ist Arthur Schramm ein Kind seiner Zeit(en) und seiner beschränkten Erzgebirgs-Welt. Zur sparsamen Illustration des noch immer umstrittenen und missgedeuteten Erzgebirgs-Originals ist eine temporäre und lokale Einordnung – von mir aus auch mit persönlichen Erlebnissen, Wertungen und Zeitdokumenten garniert – durchaus legitim, sogar notwendig. Wenn das gekonnt gemacht wird, kann eine solche Art der “Illustration“ den Gegenstand, die Persönlichkeit sogar bereichern. Die epische Länge, die aufdringliche Vermittlung von angelesenem oder abgeschriebenem Faktenwissen sowie die oftmals darauf installierten agitatorischen Wertungen durch Kaden, wirken eher störend, langweilend und nicht selten besserwisserisch, - also letztendlich unnütz für dieses Buch und dessen Leser.

Dass man beim Lesen dieser Texte dann an vielen, an zu vielen Stellen, zu der Auffassung kommt, dass die Figur Schramm hier nur als Vehikel zur Ego-Befriedigung eines mittelmäßigen Schreiberlings herhalten musste, kann der Autor nach diesem Schritt in die Öffentlichkeit, derselben nun nicht mehr verübeln. Es hätte durchaus eine gehaltvolle Broschüre, oder ein kleines Buch über Arthur werden können, wenn sich der Autor auf das im zur Verfügung stehende, bereit gestellte oder an sich genommene, um (noch) nicht zu sagen gestohlene Material, beschränkt hätte. “In der Beschränkung liegt der Meister!“ – hat mal jemand gesagt, der darin auch einer war, - also nicht Mario Kaden, obwohl er auch diesen Spruch seinem Protagonisten Schramm durchaus in den verstummten Mund hätte legen können, zumal ihn mir Arthur am 22. Dezember 1983 im “Erzhammer“ zurief, als ich den dritten “Lauterbacher“ für uns beide bestellen wollte.

 

Was macht ein eitler Mensch wie ich (und alle Schreiberlinge sind so ähnlich gestrickt), dem ein solches Buch in die Hand fällt, in dem es um eine Person gehen soll, der man bereits selbst mehrere – überwiegend auch veröffentlichte – Artikel gewidmet hat? Man sucht seinen Namen in den Seiten, in den Fußnoten, im Register, in den Quellenangaben und – man findet sich nirgends. Was ich aber bei längerem und wiederholtem Lesen in Kadens Buch fand, sind Formulierungen, Wort- und Satzstellungen, Fakten und Wertungen zur Person Schramm, die mir sehr bekannt und geläufig vorkommen. Zunächst misst man dem keine weitere Bedeutung bei und freut sich anfangs sogar noch darüber, dass es einen Sinnesgleichen im Hinblick auf unser “Klaanes Getu“ (ich kann es wirklich nicht anders schreiben!) gibt, selbst wenn der ihn “Kleenes Getuh“ im Titel und immer wieder nennt. Dann aber wird man doch stutzig und kommt ins Grübeln. Und in der Erinnerung werden erst verschwommen, dann aber immer klarer Szenen und Fakten wach, die zumindest Fragen aufwerfen, und die einem nicht mehr los lassen wollen, da sie immer mehr Gestalt annehmen und sich zu Vermutungen zusammenknoten, die nach Auflösung drängen.

Als mir einige Szenen von vor 12-13 Jahren im Jahre 2004 wieder plastisch vor Augen standen und mir bei manchen Textstellen die Erinnerung wie Schuppen von den Augen fielen, da begann ich, dem Autor Kaden ein paar Fragen per E-Mail - und dies mit Wiederholungen - zu stellen. Von ihrer Beantwortung erhoffte ich mir Klarheit und Aufklärung, zwei Dinge, die eng miteinander verwoben scheinen – allerdings nicht bei Herrn Kaden. Bis heute habe ich keine Antworten auf meine Fragen erhalten, so dass ich ihm ankündigen musste, dass er nun dafür die volle Verantwortung trägt, wenn ich mir diese Fragen selbst beantworten werde, - auch auf die Gefahr hin, dass ich bei so mancher Antwort vielleicht etwas neben der Wahrheit zu liegen kommen sollte, da ein Fragender schließlich auch immer ein Suchender ist.

Ich habe mir vorgenommen – und ihm das auch versprochen –, bei der Rekonstruktion meines Erinnerungsvermögens gegenüber allen Beteiligten behutsam mit den Fakten, Erkenntnissen oder Vermutungen umzugehen. Aber es bleibt nun mal eine uralte Tatsache: wer schweigt, verhindert keine Gerüchte, - und wer schweigt, gesteht! Sollte es also so sein, dass ich bereits mit meinen Anfragen dem Autor Kaden das Teil-Plagiat an meinen Schramm-Texten unterstellt habe, so sind nicht meine Fragen daran Schuld, sondern sein permanentes Schweigen darauf, was üblicherweise einem Schuldeingeständnis, einem betroffenen Abtauchen, einem Ausweichen vor der Wahrheit (oder etwa vor der Lüge), - eben einem miesen Charakter (wie die meisten Plagiatoren in ihrer langen Geschichte ihn pflegten) gleich kommt.

 

Doch nun zum Kern der Sache:

Im Jahre 1994 – quasi mit Arthur Schramms Tod – hatte ich ein mehrteiliges Manuskript zusammengestellt, das sich mit dem Dichter, Erfinder, Kaufmann, Patrioten und mehrfachen Wendehals Schramm befasste. Darunter waren auch ein paar Beiträge, die bereits in der örtlichen Presse (zuletzt ein Nachruf sowie ein fiktiver Brief an den 100jährigen) veröffentlicht wurden. Dieses Schramm-Manuskript übergab ich (vermutlich ein Jahr später, ich erinnere mich nicht mehr ganz genau daran) der damaligen Annaberger Kulturamtsleiterin Heidelore Staub. Eine engagierte Frau, die ich sehr schätze, weil sie versucht hat, im trägen und trögen Annaberg etwas zu bewegen, kulturell und künstlerisch auf die Beine zu stellen und sich dabei selbst nicht zu schonen. Mit ihrem – jetzt leider durch einen Verkehrsunfall behinderten - Mann Eberhard stand ich in den 70er Jahren auf der Bühne des Kreistheaters. Eine alte Bekannte also und eine Vertrauensperson noch dazu. Sie bat ich, mal auf das Manuskript zu schauen und mir ihre Meinung dazu zu sagen, ob man vielleicht etwas größeres daraus machen könnte.

Wieder ein Jahr später besuchte ich Heidelore in ihrer Amtsstube im “Erzhammer“, oder vielmehr “Haus des Gastes“, wie dieses wirklich gastliche Haus (bis auf die Gaststätte, aber das ist ein anderes Thema) dennoch von den Einheimischen niemand nennt. Auf die Frage, wie sie denn meine Schramm-Texte fände, erntete ich dezidiertes Lob und die Mitteilung, dass sie alles zur Begutachtung und weiteren Meinungsbildung an eine kompetente und am Thema interessierte Frau weitergegeben habe, die sich bei mir melden werde.

Sei dem sind viele Jahre ins Erzgebirgs-Land gegangen, ohne dass sich Frau Petra Kaden, ihres damaligen Zeichens Vorsitzende des regionalen Erzgebirgsvereins, je bei mir gemeldet und ein Wort zu meinen Schramm-Manuskripten verloren hätte. Nun gibt es im Erzgebirge den Namen Kaden so oft, wie der Wald hier Bäume hat, obwohl die bei uns da droben auch immer weniger werden. Diese Petra Kaden ist aber die rechtmäßige Ehefrau des Mario Kaden. Und diese Frau war es, die damals noch in der Scheibner Straße 1, über der “Erzgebirgs Rundschau“, (dort wo auch einstmals der Generalmusikdirektor des Annaberger Theaters, Erich Vietze, wohnte), lebte und dort meine Texte las, die sie – warum sollte sie nicht – an ihren Mann weiterreichte, dem sie sicherlich zur rechten Zeit ins Haus flatterten. Der war damals nämlich bereits mit der Schrammschen-“Nachlassverwaltung“ beschäftigt und hatte sich auch schon an einem kleinen roten Heftchen (Peter Seidel: “Arthur Schramm“, Die lebendige Legende unter Mitwirkung von Mario Kaden und Wieland Zumpe, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig) mit Texten über Schramm beteiligt, in dem bereits ein größeres Buch zum Thema angekündigt wurde.

Der bekannte Holzbildhauer Dietmar Lang aus Frohnau - der später einen Fruchtsaftlikör unter dem Namen “Klaanes Getu“ auf den Markt brachte und mit dem ich schon paar gute Kontakte hatte - regte sich dazu in einem Leserbrief an die “Freie Presse“ berechtigt über das Schramm-Heftchen auf. Im Brief heißt es u.a.: “Stolz ist auch der Preis der kleinen, 49seitigen Broschüre mit dem knallroten, einfallslosen Einband, welcher an SED-Propagandahefte verflossener DDR-Zeiten erinnert. Doch der Inhalt könnte diesen optischen Makel wettmachen. Dass es nicht an dem ist, merkt der kritische Leser schon nach einigen Seiten. Einem Kapitel auf Seite 9 wurde die Überschrift ´Dichtung und Wahrheit´ verpasst. Das wäre dann auch der Grundtenor dieses Werkes. Denn was dem Exzentriker Schramm hier angedichtet wird, fällt wahrscheinlich in den Bereich des Phantastischen. (...) Das Lachen vergeht einem allerdings, wenn man ab Seite 14 die ´Ruhmestafel´ liest, wo Barbara Uthmann, Adam Ries und Felix Weisse nun stolz sein dürfen, neben dem ruhmreichen Arthur Schramm genannt werden. (...) Wohlgemerkt, ich bin keinesfalls gegen Arthur Schramm oder eine sachlich-dokumentarische Aufarbeitung dieses Themas. Meine persönliche Bekanntschaft mit ihm war immer freundschaftlich. Er war ein kluger und interessanter Mensch, ein Original besonderer Art, dessen Heimatverbundenheit, Aufmerksamkeit und auch exzentrische Liebenswürdigkeit durchaus Achtung verdient. Über sein Leben und Werk gäbe es wahrhaftig einiges zu sagen. Aber Dichtung und Wahrheit, insbesondere letzteres, müssen stimmen. Andernfalls wird niemandem ein Gefallen getan, weder ´unserem´ Arthur Schramm noch den Annabergern und Erzgebirgern. Auch nicht dem Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, welcher die durchaus löbliche Absicht verfolgte, gegen Jahresende 1996 ein ´Arthur-Schramm-Buch´ herauszugeben.“

Leider konnte ich Dietmar Lang noch nicht zum dann vier Jahre später erschienen Convult befragen, - seine Meinung dürfte sich aber nicht sonderlich von der im Leserbrief veröffentlichten geändert haben.

Die Behauptung, Kaden würde den “Schramm-Kenner Gotthard Schicker (Zitat aus dem Artikel “Rumpeldipumpel – tot war´n die Kumpel“ in der “Freien Presse“/August 1993/gezeichnet “ergü“) in seinem Buch gar nicht zitieren, ist so nicht ganz richtig. Zum einen tut er dies indirekt (auf den direkten Vorgang komme ich später zurück), in dem er einen Leserbrief in Auszügen veröffentlicht, der von einer Gisela Kaden am 25.12.1991 an die “Freie Presse“ gerichtet wurde und dort gegen einen Schramm-Artikel (“Arthur Schramm – Kaufmann und Poet aus Annaberg“, veröffentlicht: Heiligabend, 24.12.1991) polemisierte, der von mir verfasst war und in dem ich zum Schluss die Frage zum Verbleib des Nachlasses von Schramm stellte. Da ich in Erfahrung gebracht hatte, dass sich auch Genossen der SED-Kreisleitung Annaberg darum bemühten, äußerte ich die Vermutung, dass sich Teile davon noch in deren Händen befinden dürfte.

Frau Gisela Kaden war die Mitarbeiterin der SED-Kreisleitung, die sich – vermutlich mit dem damaligen Bürgermeister von Frohnau, Hähnel, und einem anderen Mitarbeiter der SED-Kreisleitung gemeinsam, - um den Schramm-Nachlass kümmerte und sicherstellte, wie mir jene Frau Kaden in diesem (von der FP veröffentlichten) Leserbrief schrieb, den sie parallel an die Zeitung und an mich adressierte, so dass ich noch heute im Besitz des vollen Wortlautes dieses Briefes bin und ihn hiermit in der Original-Diktion zur Kenntnis gebe:

 

Gisela Kaden     Annaberg, den 25.12.1991
Peter-Gast-Str. 6, Kreisredaktion Fp, Annaberg-Buchholz

Betr.: A. Schramm – Kaufmann und Poet aus Annaberg;
Fp vom 24.12.1991

Es tut mir leid, der Redaktion evtl. auf den Wecker zu fallen, aber s o l c h e Artikel können n i c h t unwidersprochen hingenommen werden. Dabei ist mit klar, dass m e i n e Reaktion n i c h t veröffentlicht werden wird. Aber, da ich d i e im Artikel angeführte Mitarbeiterin der SED-Kreisleitung bin, habe ich wohl ein Recht auf einer Erwiderung, auf eine Darstellung meiner damaligen und auch noch heutigen Sicht in dieser Sache. Ich wäre auch gern bereit, mich mit Herrn Schicker, wenn er Interesse daran haben sollte, persönlich zu unterhalten, da ich wahrscheinlich wichtige Hinweise geben kann, die in einer schriftlichen Erwiderung zu weit führen würden.

Deshalb heute nur so viel zur Sache:

  • Ich stimme voll zu, das A.S. als Mensch und vielleicht auch als dichterisch mehr oder weniger begabter von vielen Mitbürgern als Original in einem schlechten Sinn behandelt wurde und auch noch wird. Das zeichnet diese Bürger nicht gerade aus.
  • In diesem Zusammenhang muß ich aber gleichzeitig zur Ehrenrettung einiger heute so verfemter – was nicht auf die auch in diesem Artikel strapazierte Toleranz schließen lässt – Mitbürger klarstellen, dass es insbesondere zwei Mitarbeiter der damaligen SED-Kreisleitung waren, die regelmäßig A.S. zu seinem Geburtstag aufsuchten und ein Geschenk überbrachten, was A.S. entsprechend würdigte. Andere, auch seine damaligen Parteifreund der CDU haben nicht immer für nötig befunden, eines ihrer ältesten Mitglieder aufzusuchen. Und in diesem Zusammenhang noch etwas: Die dabei immer angebotene Hilfe in vielfältiger Form – Bettwäsche, Wohnungsgegenstände, Kleidung u.s.w. wurde von A.S. abgelehnt, ja sogar als ausgesprochene Beleidigung zurückgewiesen! Geld nahm er an!
  • Lediglich von einer “unbegreiflichen Sammelleidenschaft“ von Zeitungsstapeln und –ausschnitten in seinem verwahrlosten Domizil – s.1. – zu sprechen, dürfte am Wahrheitsgehalt wohl sehr vorbeigehen und einer vorurteilsfreien Bewertung nicht standhalten. Für mich zählt es auch heute noch nicht zu “unbegreiflicher Sammelleidenschaft“ wenn es sich um faschistische Zeitungen, Waffen und Munition handelte. (nur dem Alter und der Person A.S. war es geschuldet, dass er nicht zur Rechenschaft gezogen wurde).
  • Was den “Koffer mit ausgewählten Dingen“ – warum ist das mit “ “ gesetzt?? – betrifft, wurden diese Dinge weder als “ausgewählt“ betrachtet noch im “Archiv der KL gesichert“???, wenn ich S. Artikel “für das dortige Archiv gesichert“ richtig verstanden habe. Das war für u n s e r Archiv weder von Bedeutung noch aufbewahrenswert! Über den Verbleib – nach damaliger Auswertung und Durchsicht – können Hinweise gegeben werden, wenn daran Interesse besteht!
  • Was für mich bei der Durchsicht des heillosen Durcheinander interessant war, ist der mit äußerster Beharrlichkeit geführte Schriftwechsel von A.S. mit der Reichsleitung der NSDAP in München, um die Anerkennung seiner Mitgliedschaft mit einer Mitgliedsnummer unter 1000 oder 10.000 – genau weiß ich das nicht mehr - .Das hätte nämlich bedeutet, dass A.S. dann als “Goldener-Parteiabzeichenträger“ anerkannt worden wäre!

    Zu den interessanten Dingen gehörte auch ein vielseitiger Schriftwechsel über gegen A.S. oder von ihm eingeleiteter Prozesse, wenn es darum ging, dass er finanziell etwas begleichen sollte oder musste.

    Das alles nur schriftlich zu o.g. Artikel. Zum Schluß:

    Wenn das Toleranzmaß des Artikelschreibers sich nur auf jene “bunten Vögel“ beschränkt, dann hat er wohl einen sehr beschränkten Horizont, zumindest einen sehr eng begrenzten!

    Nochmals: Ich bin bereit, im persönlichen Gespräch weitere Auskünfte zu geben. Gespräche über diesen Artikel werde ich immer in diesem dargelegten Sinne suchen und führen.

    Vielleicht ist es aber darüber hinaus trotzdem möglich, meine Antwort – wenn nicht vollumfassend, dann aber auf alle Fälle i n h a l t l i c h  n i c h t verändert – abzudrucken, da ich weiß, dass dieser Artikel viele Gemüter – so oder so – bewegt!

    G. Kaden
    (im Original gezeichnet)

     

    Der Brief wurde – ohne den Nachsatz an die Redaktion – von der “Freien Presse“ dann nach Weihnachten 1991 im vollen Wortlaut veröffentlicht. Meine schriftlichen Versuche, das Angebot von Frau Kaden für ein Gespräch anzunehmen, blieben bis heute unbeantwortet. Aber durch die Veröffentlichung des Leserbriefes erfuhr nun eine große Leserschaft, wo sich zumindest der Briefwechsel zwischen Arthur Schramm und diversen Nazi-Behörden befindet. Oder sollten wir annehmen, dass er von Frau Kaden nach dem Lesen vernichtet oder dem Stadtarchiv übergeben wurde?

    Interessant ist, dass Mario Kaden diesen Brief gleich dreimal in seinem Buch erwähnt und zitierte: einmal auf Seite 11 in seinem “Erinnerungs“-Vorwort als Fußnote (ohne Namensnennung der Schreiberin), dann noch einmal etwas ausführlicher auf den Seiten 253/254 (von Gisela K.) und schließlich in den Anmerkungen auf Seite 304 unter Nr. 245 (Brief von Gisela K. vom 25.12.1991). Warum verschweigt er hier zweimal den Nachnamen von Frau Gisela?.

    Da mir Mario Kaden auch auf die Frage, in welchem Verhältnis Gisela Kaden zu ihm steht, bis heute nicht geantwortet hat, kann nur vermutet werden, dass es sich bei ihr um eine enge Verwandte oder Bekannte aus der ehem. SED-Kreisleitung Annaberg handeln dürfte zu der der ehem. Wismut-Kumpel beste Kontakte hatte und vermutlich auch noch hat. “An der Quelle saß der Knabe!“ – kann man da nur mit einem anderen geklauten Spruch (diesmal von Schramm) ausrufen. Dass er aber im Buch verschweigt, worauf sich dieser Leserbrief bezieht, bezeichnet den unseriösen und feigen Stil des Autors - nicht nur an dieser Stelle. Das ganze Buch ist – aber insbesondere in Sachen Schramm – bruchstück- und lückenhaft. In diesem Falle vielleicht sogar – lügenhaft!

    Am Rande sei noch vermerkt, dass fünf Tage vor dem oben zitierten Brief noch ein anderes Schreiben (19.12.1991) von Frau Gisela Kaden bei mir eintraf. Darin mokiert sie sich wieder öffentlich über einen Artikel von mir, der tags zuvor in der “Freien Presse“ unter dem Titel “Unechte frohe Weihnachten“ erschien und in dem ich die Verbreitung der künstlichen Weihnachtsbäume im Weihnachtsland Erzgebirge aufs Korn nahm und zu einer Art Kauf-Boykott dieser westlichen Segnungen aufrief. Frau Kaden – selbst eine Besitzerin einer solchen scheußlichen Errungenschaft der gerade auch über die ehemalige SED-Mitarbeiterin hereingebrochene Marktwirtschaft – schoss darauf hin mit scharfen Waffen gegen mich. Nein, nein, nicht was Sie denken, die damals bei Arthur gefundenen waren dafür schon zu verrostet! Sie bekannte sich lang und breit und in einem mir nicht gänzlich unbekannten Agitprop-Ton zur künstlichen West-Fichte und verpasste der Lokal-Redaktion gleich noch ein paar kräftige Seitenhiebe in einer etwas angegrauten FDJ-Tonart...

    Die direkte – einmalige – Erwähnung meiner Person in Kadens Buch findet dann auf Seite 436, im “Verzeichnis nicht aufgefundener Gedichte“, als Fußnote doch noch statt. Und dafür bin ich ihm ausgesprochen dankbar. Dort verweist Kaden auf fünf Gedichte, die er nicht im Anhang abdrucken konnte, da sie nicht in seinem Besitz sind, die aber von mir genannt werden. Wo her weiß das aber Herr Kaden, bitte schön? Diese Gedichte (“25 Jahre Schwimmerriege ´Neptun´“, “Annaberg“, “Benito Mussolini“, “Saarbefreiung“, “Fliege, Friedenstaube fliege) kommen nur in meinem Manuskript vor und sind – auch von mir selbst – noch nie wo anders veröffentlicht worden. Herr Frank Belger aus Annaberg (mit dem übrigens ein schriftlicher Nutzungsvertrag am 6.5.1993 zur publizistischen Verwertung seines Archiv-Bestandes ausschließlich durch Herrn Gotthard Schicker vereinbart wurde und der mir im Original vorliegt) hatte sie mir zusammen mit einigen anderen Original-Dokumenten zeitweilig überlassen, so dass ich diese bis dato unbekannten Verse von Arthur Schramm (die offensichtlich nur noch einmal auf Schreibmaschinen-Papier, auch nicht als Kopien) existieren, als Titel in mein Manuskript übernehmen konnte, von wo sie Herr Kaden dann für sein Buch abgeschrieben hat.

    Was er noch alles abgeschrieben hat, soll hier nicht weiter Erwähnung finden, da die Beweise zwar Seiten weise erbracht werden könnten, aber – auch wegen teilweiser erfolgter Umschreibung des von ihm Abgeschriebenen - mit einem gewissen Aufwand verbunden sind, den ich mir nicht leisten kann, - und auch nicht will.

    Bleibt höchstens noch die rechtliche Frage nach dem tatsächlichen Verbleib des Schramm-Nachlasses. Nach all dem, was im Kaden-Buch an Dokumenten angeführt wurde sowie sein permanentes Schweigen zu dieser Frage legt die Vermutung nahe, dass sich ein Großteil davon im Besitz der Familie Kaden befindet. Ein weiterer, kleiner Teil wird im Annaberger Stadtarchiv lagern, und ein paar wenige Dokumente sind verstreut in Privathand.

    Meine Aufforderung – quasi als Vorschlag zur Güte - geht daher an all diejenigen, aber insbesondere an die Familie Kaden, die über Teile des Schramm-Nachlasses verfügen, diese bis Ende des Jahres 2004 dem Stadtarchiv in Annaberg zu übergeben, damit diese Dokumente allen Interessierten zur Verfügung stehen und sich keine Plagiatoren mehr daran vergreifen können. Selbstverständlich werde auch ich dann meine spärlichen Bestände – und mein weidlich benutztes Schramm-Manuskript – im Original ins Rathaus tragen.

    Herrn Kaden könnte man in langen Prozessen rechtlich belangen. Im Urheberrecht – besser im Verwertungsrecht – gibt es da ganz eindeutige Paragraphen, deren Anwendung auf die “Unrechtmäßige Verwertung der Urheber-Texte durch Herrn Mario Kaden, einschl. aller Folgerechte der Urheberschaft“ abzielt – wie es umständlich im Gesetzestext heißt, der mir von meinen Anwälten zur Verfügung gestellt wurde. Zumal ich an keiner Stelle meines Manuskriptes und meiner sonstigen Texte Herrn Kaden ein Verwertungsrecht daran in irgend einer Form je eingeräumt hatte und mein Manuskript durch mein Copyright gesichert war.

    Selbstverständlich werde ich auf den Rechtsweg verzichten. Der Gegenstand ist einfach zu klein für den Aufwand, der auf mich zukäme, und die Kosten, die Herr Kaden schädigen würden. Es käme dann vielleicht noch zu einem lustigen Annaberger Prozess zwischen einem “klaanen“ und einem “großen Getu“, wie übrigens Schramms Vater genannt wurde, und man hätte endlich mal einen richtigen “Skandal“ in der verträumten großen Klein-Stadt. Der Autor dieser Zeilen, würde sich aber damit letztlich auf das Niveau von Herrn Kaden und dessen “kleenen Getuh“ begeben, was er schließlich nie vor hatte.

    Was er aber mit diesen Zeilen bewegen wollte, ist ganz etwas anderes: Herr Mario Kaden (der nach dem Aus für die Wismut nach der Wende journalistisch tätig war) ist heute – offenbar mit Protektion des sächsischen Staatsministers Flath aus Annaberg – als Büroleiter des Christlichen-Sozialen-Bildungswerkes Sachsen e.V. in Mildenau tätig. Er ist also ein verantwortlicher Christenmensch geworden, falls er nicht schon immer an die Zehn Gebote geglaubt hat, - vielleicht auch mal an die der “Sozialistischen Moral“?!. “Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider Deinem Nächten“, - heißt es in denen vom Berge Sinai verkündeten. Oder anders, - Du sollst einfach nicht lügen! Herr Kaden hat bis heute nicht bestritten, dass er meine Texte in seinem Buch mit “verwertet“ hat, er hat also nicht gelogen. Dieser (Teil)Plagiator hat bisher – trotzt Beweise - aber auch nicht zugegeben, dass er geistigen Diebstahl begangen hat. Wie soll man nun die Moral eines solchen Christenmenschen beurteilen? Auf alle Fälle nicht verurteilen, das wäre unmenschlich gegenüber einer Sache wie dem Plagiat, die nur allzu menschlich ist. Er ist offenbar ein schwacher Mensch, ein Rückgratloser, ein Feigling – wie es alle Plagiatoren zu allen Zeiten waren. Und zu allen Zeiten wurden derartige literarische Schmarotzer von der intelligenten Leserschaft bestraft – und zwar mit (Lese)Verachtung!

    Ansonsten – und insbesondere im 10. Todesjahr unseres Arthur Schramm - sollte jener Satz erneut gelten, den ich ihm damals als Nachruf nachrief:

    “Frieden und Ruh´ fürs klaane Getu!“

     

    Gotthard B. Schicker

    Budapest, Ende Mai 2004