Erzgebirgstreff
Die Seite für alle Erzgebirger in Nah und Fern
von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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De Hutznstub‘ im Weihnachtsland

Eine praktische Einrichtung mit Zukunft

Langsam dürfte es im zusammenwachsenden Europa bekannt sein, wo das Weihnachtsland liegt. Das Silberne Erzgebirge, Sachsens ehemalige Schatzkammer, ist heute so interessant wie in der Renaissancezeit, aber auch heute nicht weniger problematisch. Gehörte es doch nachdem Niedergang des Silberbergbaus zu den strukturschwachen Gegenden.

Der Boom vorbei und das Interesse des Landesfürsten schnell abgeschwächt, nachdem das große Geld zum Glanze Dresdens und für Mätressen und Feste verjubelt war. Die einfachen Bergknappen bekamen weder Abfindungen noch Förderhilfen wie heutzutage also mußten sie ihren Arschleder-geschütztes Hinterteil wenden und sich einen neuen Broterwerb suchen.

Die Weibsbilder daheim hatten es ihnen bereits vorgemacht und unter Führung frühkapitalistischer Unternehmerinnen wie Barbara Uttmann, das Spitzenklöppeln erlernt. Dieser im Zeittrend liegender modische Zubehör fanden reißenden Absatz und so expandierte die Zahl der Klöppelmadeln enorm. Die ganz jungen wurden in den Spinn- und Klöppelstuben zentralisiert, um die Ausbildung zu optimieren und natürlich auch den schnellen Arbeitstakt anzuspornen.

Die älteren, bereits versierteren Frauen hingegen konnten in Heimarbeit wirken und so Familie und Beruf verbinden. Die kleinen Mädchen sogen den Beruf sozusagen mit der Muttermilch auf. Ein Arbeitstag ohne geregeltes Ende bis in die Abendstunden war nötig, um das täglich Brot zu verdienen, oft für die brotlos gewordenen Männer mit. Das Verlegersystem beutet später immer unverschämter die Frauen aus, die für die zeitaufwendige Kunst Groschen erhielten, wären die Verleger sich die berühmte goldene Nase verdienten. Großmutter brachte den noch heute gültigen Spruch: Und ist der Handel noch so klein, mehr als Arbeit bringt er ein! Und noch einer sagt: Not macht erfinderisch!.

In den schlecht beheizbaren Stuben wußte man sich Rat. Man ruckte zam. Reihum traf man sich in den kleine Häusern am Rande des Pöhlbergs, Schreckenbergs, Scheibenbergs und Bärensteins zum gemeinschaftlichen Arbeiten; dabei wurde gesungen, gelacht, geklatscht, auch was getrunken und nur ein Raum mußte geheizt werden. Was blieb den Mannsbildern übrig als sich auch was unter die Hände zu nehmen. Aus häuslichen Basteleien mit Holz, was in die Wohnungen förmlich hineinwuchs, entwicklte sich eine regelrechte Spielzeugindustrie.

Noch als bergmännischer Nebenerwerb oder auch nur als Spielzeug für die Kinder entstanden, wurden ganze Bauernhöfe mit Getier gestaltet. Lichterhalter geschnitzt oder auf der Drehbank gedrechselt. Die Formen sind Figuren wie der Engel und der Bergmann. Die Sehnsucht nach Licht, Leben und Liebe vereinte sich bei den Bergleuten zum Kult. Wer die meisten Kinder hatte, bei dem standen die meisten Lichterfiguren im Fenster: Engel für die Mädchen, Bergmänner für die Jungs. Und auch das Mundloch, der Eingang zum Bergstollen, wurde in Leuchterform ins Fenster gestellt. Heute findet man die laubgesägten oder schmiedeeisernen Schwibbbögen in weiten Teilen Deutschlands, aber natürlich nur im Erzgebirge gibt es Lichter in fast jedem Fenster und Figuren, die in ihrer volkskünstlerischen Naivität ans Herz gehen. Manche Figuren sind sentimental und sehnsuchtsvoll; andere verraten den Humor oder auch Galgenhumor der Gebirger.

So ist z.B. der Nußknacker eine zeitgenössische Karikatur auf den Preußischen Korporal, der Sachsen einmal besetzte, -mit großer Fresse und Holzkopf dargestellt. Der Türke, der einmal vor Wien stand, wird gerne als bärbeißiger Pfeifenraucher als Räuchermännchen gestaltet. Hoffen wir das in den Seiffener Hutzenstuben diese Figur nicht aus Kommerzgründen heute mit Bin Laden-Gesicht aufersteht, wie einstmals die Nußknacker in Golfkriegeruniform nach USA bestellt wurden. Den satirischen Hintergrund konnte man nicht vermitteln. Heutzutage können sich viele neue Häuslebauer ihre Hutzenstub im Keller einrichten und dort mit Freunden feiern.

Der Partykeller in holzgetäfeltem Outfit indes ist nicht die Fortsetzung der Hutzenstub; in ihr muß schon gewerkelt werden. Heute mit dem PC in der Ecke oder mit Männeln schnitzen oder mit dem Strickzeug in der Hand. Zudem sollten sich die heute auch wieder arbeitslosen Erzgebirger ein Beispiel an ihren Altforderen nehmen und nicht jeder allein in seiner Hutzestub auf die Segnungen des Arbeitsamtes warten. Rührt Euch ihr Manneln und Weibeln! Am schönsten ist die Hutzenstub am Abend nach getaner Arbeit, wenn man die Lichter anzündet und mit dem Gefühl zusammesitzt, etwas für den eigenen Broterwerb selbst getan zu haben. Erst dann gehört man zu den Hutzenleit!

 

Eveline Schicker-Figura

für Pester Lloyd

 

 


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