Erzgebirgstreff
Die Seite für alle Erzgebirger in Nah und Fern
von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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FEUCHT und FRÖHLICH II

Teil 2 handelt von Gaststätten in Annaberg die es noch immer oder wieder gibt. Ein paar notwendige Ergänzungen zum 1. Teil sind dem vorangestellt.

Nachdem ich Euch im 1. Teil meiner feucht-fröhlichen Betrachtungen mit vielen Restaurants, Lokalen und Schenken in Annaberg aus der Erinnerung bekannt gemacht habe, die es allesamt nicht mehr gibt, versuche ich Euch nun in diesem Teil solche gastronomischen Etablissements vorzustellen, die alle Stürme überdauert haben, oder nach einer Zeit des Abtauchens, Umgestaltens oder der Zweckentfremdung wiedererstanden sind. Und natürlich will ich dann später im 3. Teil auch Gaststätten ins Gespräch bringen, die erst in jüngster Zeit ihre Pforten geöffnet haben. Vorerst muß ich aber noch rasch meinen 1. Teil mit Bemerkungen ergänzen, die mir mein Bruder, der Schicker Reinhard – der übrigens in Buchholz nur ein paar Häuser von der “Dummen Sau” (eine Gaststätte, auf die ich noch zu sprechen kommen werde) entfernt wohnt – zugeschickt hat.

Wie Ihr Euch erinnern könnt, wußte ich zwar, daß es den “Dresdner Hof” in Annaberg gab; wo er aber seine gastlichen Räume hatte, war mir entfallen. Nach Auskunft vom Reinhard muß man ihn also auf der Wolkensteiner Straße suchen, gegenüber vom Glasgeschäft Kirchhof. Dort steht noch heute das schöne große Gebäude mit der breiten Eingangstür. Als das Restaurant schloß, brachte man dort sinniger weise ein Schwesternheim unter (bekanntlich sollen ja Nonnen nicht nur hervorragendes Bier brauen können, sondern auch mitunter ihre besten Verkosterinnen sein). Nach der “Wende” zog dann dort das Arbeitsamt ein, das platzte aber dann wegen der enorm steigenden Arbeitslosigkeit bald aus allen Nähten und man baute das größte seiner Art in Deutschland (mit der bekannten Metallplastik “Das Annaberger Archloch” davor) an anderer Stelle. Jetzt ist dort die sogenannte GAS, eine Arbeitsbeschaffungs-Gesellschaft Herr im ehem. “Dresdner Hof”. Zu ergänzen wäre auch noch, daß in der ehemaligen “Drehscheibe” auf der Bahnhofstraße eine Baufirma namens PäFrä-Bau derzeit ansässig ist. Und die “Obst-Herta” hatte ihre Kneipe auf der ehemaligen Straße der Arbeit, die heute wieder Alte Poststraße heißt. Dorthin kam man, wenn man an der IKA (EIA) – in der mein Vater viele Jahre schuftete – vorbei, besagter Straße ganz hoch geht und dann auf die linke Seite schwenkt. Na, könnt Ihr Euch noch erinnern, oder weiß es jemand noch genauer??

Drei Gaststätten, die ich tatsächlich vergessen hatte, sollen hier noch nachgetragen werden: da wäre erst mal die “Deichselschänke” auf der Kleinen Kirchgasse, dann der “Bergkeller”, den man über die Siebenhäusergasse erreichen konnte; man mußte den steilen Berg bis ganz nach oben gehen und dann nach rechts einbiegen. Aber der Vollständigkeit halber soll auch noch jene “Gaststätte an der Stadtmauer” erwähnt werden, die noch bis Mitte der 80er Jahre an der Stadtmauerecke stand, die man erreicht, wenn man vom unteren Bahnhof kommt und in die obere Stadt gehen will. Erinnert soll auch an “Barthels Restaurant” werden, jenes Ausflugslokal an der damaligen Straße der Einheit, das von uns wegen des kleinen Schwimmbeckens im Sommer gern besucht wurde. Wer in der Gaststätten-Geschichte von Annaberg noch tiefer gräbt, der kommt natürlich dann auch mal zum “Hotel Kronprinz” und zum “Weinkeller im Adam-Ries-Haus”, der wegen seiner Atmosphäre und den guten Weinen noch in den 30/40er Jahren ganz beliebt gewesen sein soll. Und wer heutzutage in die Stadtbücherei seitlich vom Markt geht, der sollte sich mal das herrlich Zellgewölbe anschauen, hier befand sich eine der ältesten Gaststätten der Stadt die schon in der Zeit der Renaissance auf den schönen Namen “Goldene Gans” gehört haben soll.

Und schließlich und endlich muß noch das alte, schöne, ehrwürdige Plüschsofa-“Café Central” in der Museumsgasse erwähnt werden. Das war nicht nur wegen des feinen Kuchens und aromatischen Kaffes weit über die Stadt hinaus berühmt, sondern hauptsächlich wegen der Kaffeekränzchen, die in immer anderer Zusammensetzung täglich hier stattfanden. Meine Großmutter mütterlicherseits (die Pleil Lydia, ehem. Lydia Fischer von Schleinitz) – die ja aus feinem adeligem Hause stammt, wie sie mitunter betonte – war hier ebenso behütete (denn ohne Hütchen war hier keine der Damen) Stammgästin, wie weiland die Großmutter (die Gruß Camilla) meiner Frau Eveline, die sich hier regelmäßig mit ihren Schulkameradinnen zum Kaffee-Kränzchen traf und sich von den aufmerksamen Kellnerinnen mit gestärkten weißen und mit Klöppelspitzen besetzten Schürzen bedienen ließen.

Wo gibt es heutzutage noch so ein Kaffee-Haus in Annaberg, und wo noch solche Kränzchen? Mit dieser Frage hab ich vielleicht am besten den Übergang in die feucht-fröhliche Neuzeit gefunden. Denn will man sie beantworten, dann tappt man damit zunächst doch recht ins Leere. Selbstverständlich gibt es noch diese Kaffee-Haus-Geher-Generation in meiner Heimatstadt, und sie reproduziert sich immer wieder aufs neue; nur kann sie halt nicht mehr in solche Cafés gehen wie einst. Dafür gibt es vermutlich mindestens zwei Gründe. Zum einen ist mit dem Aussterben der sogenannten Betreibergeneration auch der Antrieb, die Weiterführung solcher Traditions-Etablissements ausgestorben. Die nachfolgende Generation hat andere Vorstellungen von vermarktungsfähiger Geselligkeit. Und zum zweiten hat sich das Kommunikationsverhalten in den letzten 30 Jahren, insbesondere im Zusammenhang mit dem Zuwachs an neuen Medien - wie Stereo, TV, Computer, Mobiltelefon, Internet – grundsätzlich gewandelt. So daß zunächst ein Rückgang an unmittelbarer kollekiver Kommunikation zu verzeichnen ist. Neuerdings erlebt man aber schon wieder die Tendenz zur Entfernung aus der isolierten Privatsphäre hin zu geselligen Runden, Clubs, Stammtischen und vereinzelt auch Kaffee-Kränzchen. Daß zu all dem auch noch eine soziale Komponente hinzukommt, die sich hier in Annaberg-Buchholz auch angesichts der hohen Zahlen von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern besonders destruktiv auswirkt, darf nicht unterschätzt werden. Und dennoch finden viele Erzgebirger – auch solche, die nicht besonders mit Reichtümern gesegnete sind – wieder zurück in die Gaststätten, um in diesen wichtigen und traditionsreichen Kulturzentren mit anderen Menschen zusammenzukommen oder auch nur allein mit sich ins feucht-fröhliche Gespräch zu geraten.

Der “Ratskeller” im Rathaus zu Annaberg ist zum Beispiel wieder so ein Ort der gastrosophischen Begegnungen geworden. Regelmäßig am Montagvormittag treffen sich hier Künstler und Kunstinteressierte zu eine Stammtischrunde, bei der nicht nur über die Arbeit geredet wird. Dieses schöne und zentral gelegene Lokal hat eine Vielzahl von gastronomischen Wechselbädern hinter sich. Ich kenne es noch als WISMUT- und spätere HO-Kneipe von unterschiedlichem Charme. In den 70er Jahren war es für uns mit das schönste und teuerste Restaurant. Mein Vater spendierte mir mitunter 10.- Mark, damit ich meine damalige Freundin und heutige Frau in die angeschlossene Weinstube zu einer Flasche Tokajer-Aszu (das ist der klebrichste unter diesen edlen Tropfen aus Ungarn) einladen konnte. Ich weiß nicht ganz genau, ob es nicht doch ein bißchen Erinnerung an diese Gläser voll des süßen Rebensaftes von einst waren, die mich viele Jahre später in sein Ursprungsland ziehen ließen... Nach einigen unsäglichen Nachwende-Metamorphosen - in denen uns der altehrwürdige “Ratskeller” u.a. auch mal als italienische Pizzastube verwöhnen wollte – hat er jetzt endlich ein ansehnliches und auch schmackhaftes Profil ausgeprägt, das sowohl bei den Einheimischen als auch den vielen Gästen recht gut ankommt. Wenn man in Annaberg einigermaßen authentische erzgebirgische Küche schmecken will, dann ist das vermutlich in der Güte und in diesem Umfang nur hier in den schweren Sesseln unter der alten Balkendecke im historischen Ratskeller mit seiner mitunter etwas zickigen Bedienung möglich.

Ganz anders dagegen im Hotel-Restaurant “Wilder Mann”. Dieses zweitälteste Gasthaus der Stadt (die “Goldene Gans” soll älter sein) könnte nach dem wendemäßigen Besitzerwechsel, den aufwendigen Umbauten, seinem gastronomischen Profil und seinem Preisniveau überall in der deutschen Bundesrepublik stehen, - insbesondere in der alten. Die neuen Besitzer haben offensichtlich überhaupt keine innere Beziehung zum Erzgebirge und zur Stadt Annaberg. Die Speisenkarte ist ein Allerweltszettel, der Typisches aus der Region meidet, obwohl man doch kurz nach der Eröffnung gerade darauf gesteigerten Wert gelegt hatte. Schließlich bietet sich der geräumige, aber kalt und ungemütlich eingerichtete Keller dazu einigermaßen an. Hier hatte man es ja kurz nach dem Tod des Heimatdichters Arthur Schramm sogar fertig gebracht, mit dessen Versen und anderen Texten von einem gewissen Herrn Kaden aus Annaberg sich über das hilflose Erzgebirgs-Original in diversen Veranstaltungen – gegen Bezahlung natürlich – lustig zu machen. Die Reisenden, die hier absteigen, scheinen aber auch von einem Schlag zu sein wie jene, die auf Mallorca das Beschwerdebuch verlangen, wenn sie ihr heimisches Eisbein nicht auf der Karte finden. Aber die Kasse wird aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch stimmen; die Lage am Markt ist schließlich optimal, und bei dem Bettenmangel in der Stadt fragt niemand nach dem was ihm eigentlich in einem Erzgebirgs-Hotel fehlt. Einheimische trifft man hier kaum, auch nicht solche aus der hiesigen neuen Oberschicht, die bevorzugen dann schon eher den “Ratskeller” oder – aus etwas unverständlichen Gründen – den “Erzhammer”.

In seiner langen Geschichte war das Haus an der Buchholzer Straße 2 (Brand-Kat.797/A/1518) erst Gasthof, später Hotel Museum, kurzzeitig Wismut-Hotel, dann Kulturhaus Erzhammer und heute Haus des Gastes. Im Volksmund blieb es jedoch immer der “Erzhammer”, ob damit nun die beiden großen Säle, die geräumige Gaststätte oder das ganze Haus mit seinen vielen Zimmern gemeint war. Die Gaststätte war einstmals die größte Annaberger Kneipe; immer war sie ziemlich volksnah. Obwohl wegen ihrer Raumaufteilung eine gewisse Separierung der einzelnen Stände schon in früher Zeit hier wahrzunehmen war. Als der einst noble “Wilde Mann” in den 70er Jahren immer mehr verkam und der “Ratskeller” immer mal wieder geschlossen hatte, konnte man im “Erzhammer”, in der linken vorderen Ecke zur Buchholzer hin, die feinen Annaberger Geschäftsleute wie Zigarren-Jacobi, Süßwaren-Schwotzer, Männl-Lahl, Blumen-Rehm, Pahnhans-Kurt (Gemüseladenbesitzer), Hut-Schmidt, Eisen-Zeitler, Schuh-Andrä oder den Café-Stoltze-Chef treffen. Letzterer hat es offenbar gut verstanden, für seinen Laden auf der Großen Kirchgasse Werbung zu machen, denn als auch der noch einigermaßen zivilisierte “Erzhammer” zu einem Dauertreffpunkt sozialistischer Sauf-Brigaden verkam, fand man die Geschäftswelt dann allmorgendlich in unterschiedlicher Besetzung im Café-Stoltze wieder, wo ich sie als Konditor-Lehrling nicht selten im Hinterzimmer bedienen “durfte”.

Der “Erzhammer” war aber auch ein Künstlertreffpunkt aller erster Güte. Hier trafen sich die Annaberger Theaterleute mitunter vor der Probe zu einem kleinen Wein-Frühstück (ich gehörte nicht selten dazu), während der Vormittagsprobe und der Abendvorstellung zu einem reichlichen und ausführlichen Mittagessen mit Umtrunk, oder aber nach der Abendvorstellung – seltener nach den Abstechern - in feucht-fröhlicher Runde, aus der nicht selten unser unvergessener Arthur Schramm eines seiner neuen Gedichte lauthals durch den Saal rief, um nach ein paar Honorar-Schnäpsen - zum Gaudi einiger Halbstarken - hinterrücks im Garderobenständer zu verschwinden. Diese Großgaststätte war auch einer der wenigen Plätze (wenn man mal von der “Festhalle”, dem “Waldschlössel” und dem “Böhmischen Tor” absieht), wo man in manchen Jahren täglich das Tanzbein schwingen konnte und später dann nur noch an den Wochenenden. Auch in seinen beiden Sälen darüber war sehr häufig Tanz angesagt, schließlich hatten die wenigsten zwei DDR-Fernsehprogramme zu Hause und die meisten nicht mal eins davon. Heute hat der “Erzhammer”, und damit ist immer das Restaurant gemein, etwas Steriles an sich. Das Essen ist zwar nicht immer schlecht, die Karte ist reichlich auch mit einheimischen Gerichten gespickt, die Getränke sind meist – bis auf den Rotwein und das schaumgebremste Bier – gepflegt und die Preise sind fast vernünftig. Die Bedienung ist höflich, sachlich und auf Trinkgeld aus. Also alles ganz normal. Und das ist es eben: dies Normalität ist irgendwie störend. Ich habe den Eindruck, bei uns da oben werden die Kneipen alle irgendwie gleichgeschaltet. Einst waren es die überall gleichen Sprelacard-Ausstattungen und heute ist es der mit Kunstblumen trapierte Einheits-schicki-micki, den man sich irgend wo abgeschaut hat und der so gar nicht zur hiesigen Landschaft und Mentalität paßt.

Ich frag Euch allen Ernstes: zeigt mir in Annaberg die typische Erzgebirgskneipe, die Hutznstub, in der sich nicht nur der Erzgebirger wohl und zu Hause fühlt, sondern wo auch der Auswärtige unsere Lebensart original erleben und genießen kann? Und wenn Ihr dann zu dem Schluß gekommen seit wie ich, daß es nämlich solche Kneipen (über die man auch mal schreiben sollte) nur außerhalb der Stadt in traditionsbewußten erzgebirgischen Dörfern oder anderen Kleinstädten gibt, dann hoffe ich wirklich, daß so mancher noch unentschlossene Gastwirt einmal nach Bayern oder Franken schaut, wie dort kulturelle Identität auch über eine tief verwurzelte und ernsthaft gepflegte Gaststätten-Kultur bewahrt wird. Das ist keine Sehnsucht nach Nostalgie, sondern nur eine Warnung vor nicht wieder gutzumachenden Fehlern, die man einer angeblich schnellebigen und nur aufs Geld versessenen Zeit schuldig sei. Das Urige muß neben dem Modernen seinen Platz behaupten, dabei sind Zwischenformen durchaus statthaft. Nur müssen die sich dann halt gefallen lassen, daß sie dafür kritisiert werden...

Kaum kritisiert werden muß z.B. die “Gaststätte auf dem Pöhlberg”. Natürlich weiß ich um die Querelen, die es wegen des häufigen Besitzerwechsels und den Kämpfen mit der Stadtverwaltung gab. Aber was interessiert das den Wanderer, der als Hungriger oder Durstiger dieses gastliche Haus betritt? In einer wohltuenden Atmosphäre, die auch durch behutsame Rekonstruktionen erhalten geblieben ist, findet man hier eine Speisenkarte, die sowohl regionale wie auswärtige Gerichte in einer gelungenen Kombination vereint und die man zu vernünftigen Preisen charmant und unaufdringlich serviert bekommt.

Ähnlich verhält es sich mit der Gaststätte “Böhmisches Tor”. Was die Innenarchitektur angeht, scheint hier die Zeit wohltuend stehengeblieben zu sein. Seit damals, als ich im hinteren Saal einst im Tannhäuser-Männer-Chor (den ich später sogar kurzzeitig leiten durfte) kräftig mit sang, hat sich hier an der Einrichtung so gut wie nichts geändert. Ich seh´ sogar noch die Frauen auf der Bank am langen Tisch sitzen wie sie mit ihren großen Schnäpsen und kleinen Bieren auf ihre Sänger warteten, um mit ihnen dann nach der Gesangsstunde noch fröhlich weiter zu zechen. Bis auf jenen Männerchor, den es leider seit Jahren nicht mehr gib, besitzt das “Böhmische Tor” auch eine Stabilität in der Küche, die man wo anders suchen muß. Es ist einfache Hausmannskost, die so schmeckt, als hätte sie die Mutter nicht nur mit guten Zutaten, sondern auch mit viel Liebe bereitet...

Wenn es um gutes, aber nicht ganz preiswertes Essen geht, dann kann man auch wieder – das heißt seit 10 Jahren schon – die Hotel-Gaststätte “Zur Sonne”, oben gegenüber vom Busbahnhof (am alten Friedhof), empfehlen. Ich habe sie nicht nur erst zu meinem 50. Geburtstag ausprobiert, sondern auch an anderen Tagen; und viele Gäste bestätigen die gute Küche, die bei Wildgerichten ganz vorn liegt, und ebenso die angenehme Atmosphäre im Hotel. Das Gaststättenehepaar gibt sich enorme Mühe, alte erzgebirgische Traditionen auch auf den Tellern zu bewahren, schließlich ist der Flämming-Wirt selber eine rechte “Gutgusch”.

Ganz enttäuscht war ich allerdings neulich über die sogenannte “Erzgebirgsklause” auf der Großen Kartengasse 6. Was in dieser Klause erzgebirgisch sein soll, das muß mir mal jemand verraten. Vielleicht der muffelige Wirt mit seinen seltsamen politischen Ansichten, die man auch ungefragt aus dem lautstark geführten Gespräch vom Nachbartisch mitbekommt. Die angepriesenen Wildgerichte waren nullachtfuffzehn und mit reichlich Maggi-Soße überschüttet. Ein weiter Beweis dafür, daß dort wo Erzgebirge drauf- – oder dran – steht, solches nicht unbedingt drinnen sein muß.

Bei diesen hoffnungsvollen, leicht trüben, aber dennoch feucht-fröhlichen Aussichten wollen wir es für heute bewenden lassen. Ich hoffe, daß ich auch zu diesem gastrosophischen Rundgang durch meine Heimatstadt wieder viele Anregungen, Hinweise und Ergänzungen erhalte. Im 3. – hoffentlich - letzten Teil will ich mich dann demnächst mit den neuen Gaststätten beschäftigen, die nach der “Wende” unsere gastliche Stadt mit ihrer Anwesenheit bereichert oder verdorben haben. Danach werden wir uns dann hoffentlich mit der Stadt Buchholz und deren gastrosophischer Geschichte befassen können, bevor wir uns eines Tages über die Stadtgrenzen hinaus wagen werden...

Gotthard B. Schicker, 28.1.2001

 


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