Erzgebirgstreff
Die Seite für alle Erzgebirger in Nah und Fern
von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsübersicht       Impressum         Gästebuch         Home

Meine Lieblingskneipen in Annaberg-Buchholz

Ein Geschmacks-Report

Nach meinen beiden historischen Kneipen-Rundgängen auf dieser Seite, ist es an der Zeit, ein paar Eindrücke wiederzugeben, die ich bei Besuchen in Annaberger und Buchholzer Gaststätten im Jahr 2007 sammeln konnte. Dabei kann es sich nur um einen Auschnitt des hiesigen Gastronomie(er)lebens handeln. Darunter sind Kneipen, die ich immer wieder gerne besuche und die so zu meinen kulinarischen Lieblingsplätzen geworden sind. Wenn ich den Begriff Kneipe für alle meinen Lieblingslokale benutze, so ist das als Kompliment an die jeweiligen Gaststätten oder die gehobenen Restaurants und deren Wirte zu verstehen. So folgt hier also eine Art gastrosophische Liebeserklärung, wobei die Reihenfolge keine Wertung bedeutet:

 

Zum Türmer

Am unteren Kirchplatz, gegenüber dem Luther-Denkmal, ist die Einkehr ein Genuss. Im altehrwürdigen Gemäuer werden dem Gast typische erzgebirgische Gerichte nicht nur auf der Speisenkarte versprochen, sondern aus der Küche auch wahr gemacht. Unaufdringlich und freundlich sind hier junge Kellnerinnen im unteren Gastraum oder über die Treppe nach oben stets unterwegs, um feine Wildgerichte mit Klößen oder Fiedler-Schwarzbier zu schleppen. Dem Gasthaus ist eine kleine Pension angeschlossen, die man durchaus empfehlen kann. Die zentrale Lage, der Blick zur Kirche und das gute Essen beim „Türmer” sind es dann vermutlich auch, die der Annaberger Künstlerstammtisch zu seinem Treffpunkt erkoren hat.

 

Frohnauer Hammer

Es gibt Leute, die meinen, dass man im Hammer am besten essen gehen könnte. Und ich nehme mal an, die könnten vielleicht sogar recht haben. Wobei man heutzutage kaum in einem Lokal der Grossen Kreisstadt gastronomisch restlos enttäuscht wird. Und sollte es so etwas geben, dann gehe ich dort eben nicht mehr hin… In den Hammer geht man aber immer wieder gerne. Neben den sehr schmackhaften Erzgebirgsgerichten, die hier die Küche verlassen, ist es vor allen Dingen auch die Atmosphäre in diesem uralten Gasthaus. Leider wird auf diese Frohnauer Attraktion (Museum im Herrenhaus mit Gaststätte und mehr als 400jährigemHammerwerk mit Führung) im Zentrum von Annaberg viel zu wenig hingewiesen, obwohl Frohnau zu Annaberg gehört.

 

Zur Schmiede

Sollte der Frohnauer Hammer von Gästen überfüllt sein, lohnt sich auch ein Besuch von Hotel und Gaststätte „Zur Schmiede”. Sie befindet sich gleich neben Langs schönem alten Erzgebirgshaus in Frohnau. Die erzgebirgischen Lichtelabende zu gutem Essen sind dort besonders beliebt. Die Gäste können in zwei Ferienwohnungen und in paar Zimmern die Ruhe am kleinen Teich geniessen.

 

Theater-Gaststätte

Wen es wundert, dass hier eine Kantine zu meinen Liblingskneipen gezählt wird, der war noch nicht dort. Vor und nach den Vorstellungen kann man im Theater-Restaurant bei preiswerten und sehr gut zubereiteten Gerichten – darunter liebenswert „historischen” wie Soljanka und Würzfleisch – den Theater- oder Konzertabend einleiten bzw. ausklingen lassen. Eine freundliche und flinke Bedienung sorgt dafür, dass das Radeberger vom Fass immer gut nachgeschenkt wird. Bedauerlich nur, dass dieses gastronomische Kleinod im Theater nicht ganzztägig den Gästen zur Verfügung steht. Die Künstler – denen die Kneipe tagsüber als Kantine zur Verfügung steht – möchten das nicht, hört man vom Personal mit Bedauern. Kunst geht halt nach Brot…!

 

Pöhlberg-Restaurant

Allen Unkenrufen, dass mit dem Wirtswechsel auf dem Pöhlberg auch ein Qualitätswechsel einher gehen würde, kann heftig widersprochen werden. Das ganze Gegenteil ist der Fall: Auf dem Pöhlberg zu speisen ist ein Erlebnis. Nicht nur die Auffahrt oder der Aufstieg, dann der Rundblick oder die Wandermöglichkeiten, nein auch die stilvoll-traditionell eingerichteten Gasträume laden zum Verweilen ein. Ich traf dort auf aufgeschlossenes Personal, das am Nachbartisch Ortsfremde in die Geheimnisse der erzgebirgischen Küche einzuweihen versuchte. Die ist hier oben auf 832 m prima ausgeprägt. Aber auch andere Gerichte der internationalen Küche sind auf der Karte zu finden. Selten haben ich z.B. im Erzgebirge einen so prima zubereiteten Teufelsfisch, nein, Teufelsfischbäckchen, wie in diesem Restaurant auf dem Teller gehabt. Nun, gut, wer fährt schon ins Erzgebirge, um Bäckchen vom Teufelsfisch zu essen…? Wer aber weiss, dass die erzgebirgische Küche nicht unbedingt zu den leichtesten der Welt gehört, könnte vielleicht für einen solchen alternativen Hinweis dankbar sein. Unschlagbar sind aber auch hier die Klöße, die Schwammesupp (also Pilzsuppe) und die sehr schmackhaften – wahrscheinlich auch Maggi-freien – Soßen. Rustikal eingerichtete Hotelzimmer und ein Blick vom Pöhlbergturm ins weite Erzgebirgsland erhöhen noch den Genuss dieses Lokals.

 

Zum Neinerlaa

Wiederholt war ich dort, um den Gerüchten auf den Grund zu gehen, die da besagen, dass die Kneipe bald zumachen würde und das Essen auch immer schlechter geworden sei. Alles purer Quatsch von bekannten und weniger bekannten Neidhammeln und schlecht informierten Sperrguschn verbreitet. Die Kneipe lebt wie nie zuvor. Natürlich war sie Vor- und zu Weihnachten gerammelt voll. Aber auch an anderen Tagen konnte nur das bestätigt werden, was ich schon im vergangenen Jahr über das „Neinerlaa” auf dieser HP aufgeschrieben hatte (LINK). Bei meinem neuerlichen Besuch konfrontierte ich den Wirt mit diesen Gerüchten. Er bestätigte mir, dass er seine Kneipe in der Sauren-Gurken-Zeit für paar Wochen schließen wird, um umzuschmücken, die Küche zu renovieren und sich selbst auch mal, denn der Mann ist nahezu rund um die Uhr auf den Beinen. Und was die Angriffe gegen das Sakrileg Neinerlaa generell angehen: dass man es im Erzgebirge traditionell nur am Heiligen Abend zu sich nimmt, ist zwar richtig und falsch zugleich. In stark erzgebirgs-patriotischen Familien – zu denen ich meine zähle – gibt es selbstverständlich n u r am Heiligen Abend diese Speise mit den neun Bestandteilen. Aber wie ist es z.B. mit dem Stollen, der auch erst am Heiligen Abend angeschnitten werden soll (sonst stirbt jemand in der Familie!)? Ab den Spätsommer gehen bereits die ersten Stollenpakete ins Ausland und noch vor dem 1. Advent kann man in Annaberg in jedem Café Stollen essen. Ganz zu schweigen von der Bayerischen Weißwurscht, die auch kein Bayer mehr ausschließlich nur noch vor dem Zwölfuhrläuten zu sich nimmt. Wie das halt so mit den Traditionen ist, wenn sie sich vermarkten lassen… Interessant war allerdings zu erleben, wie auf so mancher Speisenkarte von anderen Gaststätten in Annaberg – u.a. im nun wohl gänzlich geschlossenen Erzhammer – das Neunerlei (weit vor dem Heiligen Abend) als Gericht angeboten wurde. Im Ratskeller-„Neinerlaa” spielte derweil einer auf der Gitarre alte Erzgebirgslieder, darunter das „Bild dr nischt ei…!” vom Tolerhanstonl – und die Kneipe bebte vom Gesang und der guten Stimmung.

 

Dumme Sau

Da über diese Buchholzer Gaststätte schon mehrfach positiv geschrieben wurde , kann ich mich hier kurz fassen. Nur so viel: die Qualität ist nach wie vor sehr gut. Diesmal hatte ich meine Freunde dorthin eingeladen, um zu testen, ob der Wirt und seine Küche auch á la carte so gut drauf sind wie damals bei dem grossen Schweineschlegel für alle. Kein Problem, alles schmeckte ehrlich, typisch – einfach prima. Und als dann wieder die beiden Buchholzer Nachtwächter auftauchten und ihre Schnurren zum Besten gaben, war das Kraut erst richtig fett – wie man bei uns so sagt, und wie es die „Dumme Sau” auch gerne hört.

 

Hotel „Wilder Mann”

Die Speisen sind sehr gut, gestylt und kreirt – man kann überhaupt nicht meckern. Wer so etwas mag, ist hier goldrichtig. Mir ist das alles etwas zu fremd, zu steril – aber das ist wirklich reine Geschmacksache, sehr subjektiv. Ich kenne Leute, die haben sich hier sau-, – nein besser, pudelwohl gefühlt. Die zentrale Hotel-Lage mit Garage, der verbliebene Hauch eines der ältesten Häuser der Bergstadt zu sein und die von allen anderen Hotels und Gaststätten abgehobenen Preise wirken magnetisch auf Fremde. Wobei Leistungen und Preise durchaus im Verhältnis stehen. Einheimische meiden eher die Lokalität, nicht etwa allein, weil sie wissen, dass das Haus nicht von Ihresgleichen geführt wird, sondern vielleicht eher deswegen, was auch ich hier vermisse – etwas mehr erzgbirgische Atmosphäre. Die ist noch zu besichtigen an Hand der alten Balkendecke im Restaurant „Silberbaum” und manchmal auch im „Kartoffelkeller”.

 

Hotel „Goldene Sonne”

Unser Klassentreffen war hier ein voller Erfolg – meinten alle, die dabei waren. Das Essen hat gestimmt, an den Getränken war nichts auszusetzen, das Personal war gut drauf – und die Preise? Auch sie entsprachen der Leistung. Neben typischen erzgebirgischen Gerichten, sind hier auch weltläufige auf der Karte zu finden, für die sich die Küche keineswegs schämen muss. Ganz im Gegenteil. Wildgerichte sind hier besonders zu empfehlen. Und die Zimmer auch. Sie sind modern eingerichtet und im stillen Bereich der Stadt angesiedelt – teilweise mit Blick zum alten Friedhof, der jetzt ein Park ist. In fünf Minuten ist man auf dem Marktplatz. Vom nicht weit entfernten Busbahnhof aus kann man bequem die vielen kleinen Erzgebirgs-Orte erreichen.

 

Ratsherren-Café

Eigentlich sind Besuche in Kaffeehäusern nicht meine Sache. Aber wenn es draußen kalt ist – und das ist es in Annaberg nicht selten – dann ist das Ratsherren-Café (Zeidler-Haus) am Markt eine wohltuende Oase. Freundliche Frauen, die sich um Tempo bemühen, bewirten hier den Gast mit wirklich feinem Gebäck (Eierschecke und Hutzenkuchen!) aus der hiesigen Großbäckerei. Um Weihnachten ist es ein fast reines Stollenlokal. Eine eigene Teekarte ergänzt die schmackhaften Kaffeesorten. Der Laden ist immer gut besucht – von Laufkundschaft und solchen mit Sitzfleisch. Wenn man seine Ruhe haben möchte, dann am besten auf der Galerie, die viel zu wenig Beachtung findet.

 

Böhmisches Tor

In der oberen  Stadt, Nahe der katholischen Kirche, eben am alten Böhmischen Tor, kann man, neben wohlschmeckenden erzgebirgischen Gerichten, auf Bestellung auch vom „Heissen Stein” essen. Hier trifft man auch Einheimische, die schon seit Jahren im „Böhmischen Tor” verkehren. Früher sang und trank hier auch der „Tannhäuser” –Männerchor seine Lagen. Die Pensions-Zimmer sind etwas gewähnungsbedürftig. Vielleicht werden sie ja demnächst renoviert, dann würden sich bestimmt noch mehr Fremde hier rauf verlaufen – oder lieber nicht?

 

Papperla Pub

Wer Live-Musik mag oder musikalisch-literarische Programme erleben will, der ist in dieser Szenekneipe – mit vielem jungen Volk, aber nicht nur – genau richtig. Die Küche bietet Internationales mit leichtem erzgebirgischen Akzent. Bar und zwei kleine Räume übereinander sind der Anziehungspunkt für Spätheimkehrer. Der Wirt ist ein Freund der Künste. Er hat die Auftritte vom bereits verblichenen Jochen Helbig und anderen (noch unter uns weilenden) Künstlern ermöglicht. Derzeit wird mehr Blues geboten, was der Stadt und der besuchenswerten Kneipe gut zu Gesicht steht.

 

Rumpel de Pumpel

Ein uralter Bierkeller mit 80 Sorten Gerstensaft, alternativen Erzgebirgsspeisen und viel ungarischem Langos (jenem Hefegebäck, das die Türken einst nach Ungarn brachten und das mit allerlei Aufstrichen gegessen wird) ist eine sehenswerte, gastronomische Besonderheit der Stadt. Den Namen hat sich die Kneipe vom Erzgbirgs-Original und Heimatdichter Arthur Schramm geklaut, der während der Wismut-Zeit gedichtet haben soll „Rumpel de pumpel, weg war der Kumpel!” Und noch etwas hat diese Kneipe, was andere in Annaberg kaum haben: Man kann hier bis 2 Uhr in der Früh sitzen bleiben. Die Zeit braucht man aber auch, um wenigstens die Hälfte der angebotenen Biersorten zu verkosten.

 

Ratsherrenbad

Neben der „Alten Brauerei” in der oberen Stadt, ist das „Ratsherrenbad” die wohl angesagteste Diskothek der Stadt. Ich hatte mich dorthin verlaufen, weil im gastronomischen Bermuda-Dreieck von Annaberg (Rumpel de Pumpel, Pappala Pub und Ratsherrenbad) nur hier noch ein Tisch mit mehreren grossen Gläsern Radeberger darauf zu haben war. Klar, die Musik muss hier laut sein, sonst müsste man sich ja unterhalten. Aber worüber? Na, vielleicht über all die anderen Kneipen, in denen ich noch nicht wieder war, die ich aber bald heimsuchen werde…

Gotthard B. Schicker, 2007/08

 

 


Klingeltoene