Erzgebirgstreff
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von Gotthard B. Schicker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Buchholz (2)

Die unbekannte Sommerfrische

Anders als heute muß die (Stief)Schwesternstadt von Annaberg in älteren Zeiten einen beachtlichen Ruf als Ausflugsziel und Sommerfrische genossen haben. Im “Glück auf“-Heftchen vom Juli 1898 schwärmt der Verfasser geradezu davon, “...daß die Stadt Buchholz im Erzgebirge vor allen anderen landschaftlichen Beziehungen große Vorzüge hat, ist allgemein bekannt, und durch ihre Terrassenklage vom Sehmatale die Anhöhen hinan, sowie durch ihre enge Umrahmung mit Gärten und Laubwäldchen, endlich durch ihre äußere Umgrenzung der Waldschlösschen- umgebung und des Stadtwaldes im einzelnen bewiesen.“

Sowohl in dieser Beschreibung als auch in nachfolgenden Reiseführern, Kalendern oder Erzgebirgsheften stehen immer wieder die gärtnerischen Anlagen Waldschlösschenparkes, “...sein freundliches Villenhaus, sein Denkmal, der Weiher und die Teichschänke...“ im Mittelpunkt der Betrachtungen und Besuchsempfehlungen.

Wie sehr die Sauberkeit der Stadt und ihres Umfeldes für den Tourismus ausschlaggebend ist, wurde schon damals bemerkt. Mit besonderer Bewunderung ist der Fleiß der Buchholzer registriert worden, wie dies z.B. bei den Aufräumungsarbeiten nach dem “gewaltigen Märzorkane“ im Jahre 1897 im Stadtwald der Fall war. Dabei hat sich offenbar der “Buchholzer Verschönerungsverein“ – ein Zweig des hiesigen Erzgebirgsvereines- besonders hinsichtlich des Anlegens von 16 km Wegen sowie der Schaffung “prächtiger Aussichtspunkte“ im Stadtwäldchen hervorgetan.

Im Wanderbuch des Obererzgebirges von 1922 wird Buchholz immerhin noch auf zwei Seiten recht ausführlich beschrieben. Ein “Kenner im Sächsischen Heimatschutz“ wird dort mit folgenden Worten zitiert: “Das Städtebild in seinem vorderen Teil vom Waldschlößchen bis zur Kirche gehört augenblicklich zu den schönsten unseres Heimatlandes, der anmutige Wechsel von großen und kleinen Einzelbauten und die Einheitlichkeit der Baugruppen und Bedachungsart verleihen dem Bilde einen außerordentlichen Reiz.“

Auch durch die aus ökonomischen und verwaltungstechnischen Zwängen veranlaßte “Lebensgemeinschaft“ mit dem erdrückenden Annaberg hat dieses alte St. Katharienberg im Buchhenholze von seinem alten Glanze noch nicht alles eingebüßt. Freilich bezieht sich diese Aussage zuerst auf die noch vorhandene und teilweise zweckentfremdet genutzte Architektur, aber insbesondere auf die Einmaligkeit seiner städtischen Gestalt. Dabei wird der – nicht selten selbstverschuldete - kulturelle Verfall auf vielen Gebieten, wie er auch hier seine Spuren in den zurückliegenden Jahrzehnten hinterlassen hat, nicht ignoriert werden können.

In der einschlägigen Literatur nach 1945 findet man dann auch mit verblüffender Konsequenz nur noch äußerst spärliche Auskünfte über die ehemals hochgelobte und geschichtsträchtige Stadt, die noch immer über fast alle öffentlichen Bauten verfügt, die ein Gemeinwesen benötigt, um zum Wohle seiner dort lebenden Bürger zu funktionieren. Das “Brockhaus Reisehandbuch für das Erzgebirge und Vogtland“ (1976) erwähnt Buchholz mit ganzen sechs Zeilen, und im so genannten “Historischen Führer“ der Bezirke Leipzig/Karl-Marx-Stadt (1980) endet die gesamte Geschichte von Buchholz bereits nach 49 Jahren, denn “...B. blieb nach dem Niedergang des Silberbergbaues um 1550 wirtschaftlich hinter Annaberg zurück.“

Kein Wunder also, wenn über unser Buchholz außerhalb des Erzgebirges kaum etwas gewußt wird. Um so mehr scheint es an der Zeit zu sein, daß sich die Buchholzer selbstbewußt und weniger fremdbestimmt mit der wechselvollen Geschichte, ihren kulturellen Traditionen, und ihren “vermarktungsfähigen“ Eigenheiten befassen, um auch darüber zu einer noch stärkeren Identifikation mit diesen Werten zu kommen und dem Fremden ihre Stadt als besuchens- und l(i)ebenswert zu empfehlen.

ENDE

 


Klingeltoene