ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Uhlig, Walter - beliebter Tenor des Annaberger Publikums bis hinein in die 70er Jahre. Strahlendes und kräftiges Stimm-Material, welches besonders als Max in Webers “Freischütz“ im Stammhaus und auf der Freilichtbühne Greifensteine zum Ausdruck kam. Besonders prägend war seine stimmliche und darstellerische Leistung als Rudolf in “La Boheme“ gemeinsam mit Felicitas Schloussen als großartige Mimi. Durch seine stimmliche Zuverlässigkeit konnte er so manche Aufführung in Annaberg retten, in denen andere Tenöre aus den unterschiedlichsten Gründen (siehe Stichwort Tenöre) nicht recht disponiert waren und deshalb ab und an ausfielen. Walter Uhlig gab auch einen anerkannten Gesangsunterricht (ich hab es am eigenen Leib erleben dürfen) und war nach seiner erfolgreich beendeten Theaterlaufbahn kurzzeitig künstlerischer Leiter des Kulturhauses “Erzhammer“ in Annaberg. mehr

 

Ultimo - war der Titel des Lustspieles in 4 Akten von Moser mit dem die Erste Annaberger Theatersaison am 25.5.1893 beendet wurde.

 

Vietze, Erich - Musikdirektor und musikalischer Leiter am Annaberger Theater von 1955 - 1966. Das 11 j“hrige Wirken von Erich Vietze wird als eine der musikalischen Hochzeiten für das Theater und für die Stadt in die Geschichte Annabergs eingehen. Seine z.T. in Festwochen veranstalteten Sinfoniekonzerte, Opern - und Operettenaufführungen, Kammermusik- und Volksmusikabende - unter Mitwirkung einer Vielzahl von Laienkünstlern sowie seine anregenden Gesprächsrunden über Musikfragen beeinflussten das ästhetische Klima Annabergs nachhaltig. Er war ein leidenschaftlicher und volksnaher Musikant, der sich in allen Auffassungen und Verhaltensmustern seinem großen Vorbild Franz Konwitschny verpflichtet fühlte. Unvergessen sind auch die Stunden mit ihm in der “Guten Quelle“ - einer Arbeiter- und Künstlerkneipe auf der Buchholzer Straße in Annaberg - in der sich der bekannte Musikdirektor nicht zu fein war, auf Bitten der Gäste einem verstimmten Klavier berauschende Töne meisterlich zu entlocken.

 

Veilchenfresser, Der - war der Titel eines Lustspieles in 4 Akten von Gustav von Moser, bei dem man sich am 22.5.1893 im Annaberger Theater köstlich amüsierte. Winterstein erinnert sich, dass die Stücke von Moser mit zu den beliebtesten in der Frühzeit des Hauses gehörten. Einem echten (Usambara)-Feilchenfresser (es war ein Bass-Bariton) bin ich Jahre später in den Berliner “Offenbach-Stuben“ begegnet, - das ist aber eine andere Geschichte...

 

Winterstein, Eduard Clemens von - eigentlich Eduard Freiherr von Wangenheim (1871 -1961); erstes Engagement in Gera. Dann über Stralsund, Gelsenkirchen, Hanau, Göttingen und schließlich 1893 in Annaberg für die Eröffnung des Theaters mit “Egmont“ (Titelrolle) sowie einer Reihe weiterer Hauptrollen für die I. Saison als “Erster Held“ und “I. Liebhaber“ des Neuen Stadt-Theaters unter Vertrag genommen. In seinen Lebenserinnerungen schwärmt er seitenweise von der glücklichen Zeit, die er in Annaberg erleben durfte und zeichnet somit ein beeindruckendes Bild von der Kunstsinnigkeit und Kulturaufgeschlossenheit “in dem alten liebgewordenen Bergstädtchen“. Besonders angetan war er auch von der verständnisvollen Leitung des Theaters und der einfühlsamen Führung der Darsteller durch den Direktor Kurtscholz, den er zu seinen Freunden zählte und der ihn in den “gesellschaftlichen Verkehr“ Annabergs (doch, so was gab es damals noch hier) einführte. Dort kam er dann auch “mit vielen Menschen zusammen, die einen weiteren Horizont hatten, als man in einem solchen Nest vermuten könnte“. Wahrscheinlich spielte Winterstein letztmalig während der Frühjahrssaison 1895 in Annaberg, bevor er sein Engagement in Wiesbaden antrat. Im Jahre 1953 nahm er noch an den Festlichkeiten zum 60jährigen Bestehen des Annaberger Theaters teil und seit 1981 schmückt sich dieses Haus mit seinem Namen. Übrigens auf einen Vorschlag hin, den ich – der Autor - dem damaligen Intendanten Roland Gandt 1979/80 unterbreitete.

 

Weichert, Günther - genannt “Theo“; Schwarm (fast) aller Frauen, nicht nur wegen seines wohltemperierten Baritons. Späterer zeitweiliger Ehegatte der Annaberger Solotänzerin Hannelore Weichert. Er kam (“strafversetzt“ – wie er meinte) vom Berliner Metropol-Theater nach Annaberg wegen eines wuchtigen Haders mit dem dortigen Intendanten Hans Pitra, der mir die Geschichte später sehr anschaulich erzählte. Als er großartige Erfolge am Annaberger Theater feiern konnte, lockte ihn Dresden mit einem festen Vertrag und auch in Berlin durfte er seitdem wieder gastieren.

 

Wolansky, Inge und Arndt - Theaterehepaar. Sie, eine langjährige Maskenbildnerin, Friseuse und Perückenmacherin mit viel weiblichem Charme. Er, ein liebenswerter Charakter-Schauspieler, der in den 60er/70er Jahren besonders Kindern, aber auch  Erwachsenen, in zahlreichen Märchenaufführungen viel Freude bereitet hat. Nebenbei betätigte sich Arndt Wolansky als kenntnisreicher und sensibler Theaterfotograf. Die meisten Theater-Fotografien aus jener Zeit entstammen seiner Kamera. Als er dann geschieden von seiner Frau in Gera weiter Theater spielte, schminkte sie noch immer die Annaberger Künstler.