ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Seitenbühne - sind Räume links und rechts von der Hauptbühne zur Aufnahme von Kulissen und Requisiten und gleichzeitig Auftrittsmöglichkeiten für die Darsteller. Von den Seitenbühnen, richtiger aus der 1.Gasse, wurde souffliert, seitdem der Souffleurkasten zeitweilig von der Vorderbühne entfernt worden ist. Von der Seitenbühne aus beobachteten die Eleven das Spiel ihrer Vorbild-Mimen, ergötzten sich die Herren an den grazilen Bewegungen ihrer Tänzerinnen oder flüsterten böse Theaterbuben dem Heldenvater falsche Texte zu, die ihn in arge Verwirrung brachten. Wenn die Blumen für die Darsteller nicht auf die Bühne geworfen wurden, so brachte sie der Theaterdiener oder später eine Schließerin von der Seitenbühne zum Künstler. Die Seitenbühne ist wohl der Raum, der die meisten strahlenden Augen aber auch die bittersten Tränen gesehen hat.

 

Schöntaube, Helmut - Tenor-Buffo und Charakterkomiker; gehörte zum “heiteren Inventar“ des Annaberger Theaters der Neuzeit. Ein überaus sensibler Darsteller mit Fähigkeiten für den leisen und derben Humor. In prägender Erinnerung für viele Annaberg ist seine Darstellung des Mann im Mond in “ Peterchens Mondfahrt “ geblieben. Aber auch als berauschender Frosch in der “Fledermaus“ oder als Marullo im “Rigoletto“ konnte Helmut Schöntaube seine künstlerische Vielfalt und sein umwerfendes komödiantisches Talent dem Publikum zur überschwänglichen Freude präsentieren.

 

Siebenschuh, Walter - Intendant von 1951 bis 1958; Schauspieler und Regisseur; unter seiner Leitung entstanden Aufführungen wie z.B. “Kabale und Liebe“, “Egmont“, “Tagebuch der Anne Frank“, “Nathan der Weise“ u.a. Er organisierte eine Theaterfestwoche anlässlich des 60 jährigen Bestehens des Annaberger Theaters 1953, an der Eduard von Winterstein mitwirkte.

 

Souffleuse/Souffleur (franz.) - Einbläser/in; jene Männer (später dann fast ausschließlich Frauen), die den Darstellern, möglichst im Flüsterton, den Text vorsagen mussten. Frau Agnes Ernst war die erste Souffleuse am Annaberger Theater. Vom kleinsten Raum des Hauses aus, dem Souffleurkasten auf der Vorbühne, gab sie auch zur Eröffnung dem später großen Eduard von Winterstein die rechten Stichworte zum “Egmont“. Frau Annemarie Heller, wie jene markante Souffleuse aus der neueren Geschichte des Theaters hieß, flüsterte mit ihrem kräftigen und wohlprononciertem Organ schon ab und an aus der I. Gasse - aus der Seitenbühne - da man die Vorderbühne zunehmend mehr als Spielfläche gebrauchte und der alte Kasten dort nur störte. Eine Souffleuse wie Frau Heller war aber nicht nur “Einbläserin“, sondern auch aufopferungsvolle Betreuerin von teilweise recht hilflosen Tenören, wie es sie nicht nur in Annaberg gab. Deshalb sah man diese rastlose Frau auch stets nickelbebrillt und langmantelig mit zwei übervollen Taschen, in denen sich zahlreiche Thermosflaschen gefüllt mit wodka-aromatisiertem Kaffee sowie “Bemmepakete“ für ihre Tenöre befanden, durch Annaberg staken. Die “Abstechermutter“ wurde sie liebevoll von den Mitarbeitern genannt, weil sie bei solchen Gastspielen in den Spielstätten der näheren Umgebung Annabergs die dort fehlenden Kantinen mit ihren voluminösen Tascheninhalten meisterlich überspielte.