ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Regie - die meisten Direktoren und Intendanten des Annaberger Theaters führten auch Regie. Das heißt nicht, dass sie immer die besten Regisseure waren. Dafür hatten sie dann auch noch den Oberspielleiter oder die Regieassistenten. In den Anfangszeiten war Regieführen im heutigen Sinne aufgrund einer Probenzeit von 2 bis 3 Tagen so gut wie nicht möglich. Winterstein lobte seinen “guten Kurtscholz“ dafür, dass er zu jenen Regisseuren gehörte, die über die notwendige Routine verfügten, “...um den Schauspieler mit einer kurzen Bemerkung, durch ein hingeworfenes Wort, einen Wink zu geben, einen Tip, der ihm irgendwie von Nutzen war.“

 

Requisite - die “Rumpelkammer“ des Theaters. Zu alten Annaberger Zeiten waren Requisitenraum und Fundus (die Kleiderkammer) noch nicht getrennt. Die Darsteller bedienten sich meist kurz vor Auftritt selbst und stellten sich die notwendigsten Teile ,die zum Stück passten (oder auch nicht), zusammen. Kostümproben, wie sie später eingeführt wurden, kannte man auch hier in Annaberg nicht. Aus diesem Grunde gab es auch noch keinen Requisiteur in der I. Annaberger Theater-Saison.

 

Roth, Joseph – Schriftsteller jüdischer Herkunft (u.a. “ Radetzkymarsch“, Autor des PESTER LLOYD - www.pesterlloyd.hu), besuchte die Premiere von Nestroys Posse “Lumpazivagabundus“ am 10.6.1925 am Annaberger Theater, die dort zu seinem Erstaunen auf sächsisch gegeben wurde. Er schrieb darüber in seinen Reisenotizen über die Darsteller: “Es war alles so ergreifend menschlich: man sah die Nöte des Anfängers und das Ende des Verkommenen, die Hoffnung und die Gleichgültigkeit, die kleine Gage und die große Anstrengung.“. Vom Annaberger Premierenpublikum meine er “Die Leute rochen sauber nach Seife, nicht nach Literatur, sie waren durchsichtig wie blankgeputzte Fensterscheiben. Sie begeisterten sich nicht, sie zollten ehrlich Beifall!“

 

Rosenow, Emil - deutscher Dramatiker, 1892 Chefredakteur des sozialdemokratischen “Chemnitzer Beobachter“; ab 1898 Reichstagsabgeordneter; Autor von “Kater Lampe“ (1903), eine in erzgebirgischer Mundart verfassten schwankhaften Satire auf den preußischen Staat, die mehrfach in Annaberg und an vielen anderen Theatern ( z.B. Berlin/Volksbühne/1973) erfolgreich aufgeführt worden ist. Bisher letzte Aufführung in Annaberg im Jahre 1992; in der Hauptrolle Renate Richter (auch bekannte Filmschauspielerin) als Gast, die als einzige Darstellerin die erzgebirgische Mundart beherrschte.