ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Lampenfieber - eine wunderbare Gänsehaut, die durch Scheinwerfer (früher Petroleumlampen), Publikum und ungelernten Texten verursacht wird. Die ersten Darsteller des Annaberger Theaters müssen von dieser “wunderbaren Krankheit“ recht häufig geplagt worden sein, wenn man bedenkt, dass in der I. Theatersaison - die damals nur vom 2.4.1893 bis 25.5.1893 ging - 29 Stücke Premiere hatten und demzufolge nur wenige Stücke bis zu zwei Aufführungen in dieser Zeit erreichten. Später dann ließ man sich etwas länger Zeit für Proben und setzte die Aufführungen häufiger an. Jedoch war es auch in neuerer Zeit am Annaberger Theater üblich, nicht viel länger als 6 Wochen für ein Stück zu probieren. Noch in den 60er Jahren sind große Opern auch manchmal in drei Wochen qualitätvoll zur Premiere gebracht worden.

 

Lampenputzer - diese Berufsgattung wurde 1911 am Annaberger Theater unnötig. In diesem Jahr ist die gefahrvolle Gasbeleuchtung durch das elektrische Licht ersetzt worden. Die verantwortungsvolle Tätigkeit des Lampenputzers, die wahrscheinlich 1893 auch vom damaligen Theaterdiener Dix ausgeführt wurde, genoss beim Theaterpersonal kein geringes Ansehen, da man ja immer im rechten Licht erscheinen wollte.  Die Beleuchter von heute sind  deshalb unmittelbare Nachfolger im Amt des Herrn Dix von damals.

 

Laven, Walter - Intendant von 1946 - 51. Er war unter seinem Vorgänger Hansjosef Bolley bereits I. Spielleiter des Schauspiels. Unter seiner Leitung brachte das Annaberger Theater in den Nachkriegsjahren solche Werke wie “Othello“, “Don Carlos“, “König Lear“, “Biberpelz“, “Kreidekreis“, “Mutter Courage“ oder “Iphigenie“ heraus. Als Theaterereignis kann seine Inszenierung von Lessings “Nathan der Weise“ (1963) gewertet werden, in der er die Titelrolle verkörperte.

 

Mütter - wurden am alten Annaberger Theater von der sogenannten Mütterspielerin, Antonia Reichmeyer, gestaltet. Laut Vertrag hatte sie zusätzlich komische Rollen zu übernehmen. Diese “komischen Mütter“ finden sich später u.a. in Lotte Buschan, Käthe Rudolf oder Mathilde Rosenau wieder. All diese Frauen haben - ähnlich wie ihre Vorgängerinnen von 1893 - in jüngeren Jahren die Liebhaberinnen oder Soubretten gegeben.

 

Möhring, Werner - Intendant von 1958 - 1964 . Unter seiner Leitung wurden Inszenierungen der Gegenwartsdramatik forciert, ohne dabei das klassische Repertoire zu vernachlässigen. Eine Überbetonung des Schauspieles gegenüber dem Musiktheater setzte ein. Dies fand seinen Ausdruck u.a. in der 1959 gebildeten ersten “ Sozialistischen Inszenierungsgemeinschaft Schauspiel“ in der DDR. Möhring spielte auch in DEFA-Filmen mit, u.a. in “Nackt unter Wölfen“.