ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Kurtscholz, Georg - erster Direktor des Stadt-Theaters Annaberg von 1893 bis 1907. Gleichzeitig hatte er einen Vertrag als Ober-Regisseur und Charakterspieler. Er soll ein feinsinnige und fachkundige Künstlerpersönlichkeit mit einer wohltuenden Aura gewesen sein. Bei den Honoratioren der Stadt sowie unter den Künstlern und Mitarbeitern des Annaberger Theaters genoss er hohes Ansehen. “Er war ein noch ziemlich junger Mann voller Energie und Tatkraft, voller künstlerischer Ideale und erfüllt von heißer Liebe zum Theater“ - erinnert sich Eduard von Winterstein jenes engagierten Förderers der Künste und der Künstler, der sich u.a. um das musikalische Werk von Peter Gast (Heinrich Köselitz, dem in Annaberg geborenen Intimus des Philosophen Friedrich Nietzsche ) bemühte.

 

Kantine - Zufluchtsstätte, Labsa(a)l, Intrigenraum, Spielhölle, Schwatz- und Schwitzbude, Trinkstube, Kreditbank, zweite Spielstätte , Seufzerhalle - dies und noch viel mehr war auch die Annaberger Theater-Kantine für die Beschäftigten zu allen Zeiten. Solche Funktionen erfüllte jene Oase in wunderbarer Weise einzeln, aber auch schon mal im Ensemble der Leidenschaften. Ein verständnisvoller Wirt war immer von Nöten der möglichst Vater, Priester und Seelenarzt zugleich sein musste. Wirtinnen gab es auch in der Annaberger Theater-Kantine, - sie waren oftmals die besseren Wirte! Besonders dann, wenn die Gage verlebt war und auf Pump angeschrieben werden musste. Räumlich waren die Kantinen des Annaberger Theaters schon an fast allen Stellen im Haus untergebracht. Erst in den letzten Jahren kam es zu einer “Verschmelzung“ zwischen den Mitarbeitern des Theaters und dem Publikum in Form eines Theater-Cafés in einem neusachlichen Anbau, der gar nicht so recht an die neoklassizistische Fassade des Theaters passen will.

 

Kämpf, Hans Heinz - Intendant des Annaberger Theaters von 1919 - 1931; er führte erstmalig  den Titel eines Intendant, während sich alle vorhergehenden Theaterleiter “Direktor“ nannten. 

 

Karten - 1. Spielkarten, die in der Kantine, in der Garderobe oder hinter der Bühne strapaziert wurden; 2. Eintrittskarten, auch Billettes genannt, die zur Teilnahme an einer Theateraufführung oder eines Konzertes berechtigen und ihren Preis haben. In der I. Theatersaison von 1893 galten folgende Kartenpreise: “Logen 2 Mark, Parquet und 1.Rang 1,50 Mark, numm. Parterre,sowie Seitengalerie 1.Rang und 2.Rang 1 Mark, 3.Rang 70 Pfg, Stehparterre 60 Pfg, Gallerie 40 Pfg.“ Die Preise während der Inflation lagen beträchtlich darüber, seitdem sind sie etwas zurückgegangen. Außerdem gibt es nun wieder Karten für Arbeitslose.

 

Komiker - die ersten waren 1893 die Herren Hermann Maassberg und Gustav Pieckert. Ersterer hatte zusätzlich einen Vertrag als “Regisseur der Posse“ und konnte sich somit des öfteren selbst inszenieren. Die Fachbezeichnung Komiker wurde in späteren Jahren nicht mehr benutzt. Der vielseitige, aber dennoch komische Schauspieler- und Sängertyp war gefragt, wie er in den 60er/70er Jahren u.a. von Wolfram Sense, Helmut Schöntaube oder Jochen Hellwig (bis 1991) sowie anderen “Urviechern“ verkörpert wurde.

 

Kunstscheune - nannten die Annaberger jenen Holzschuppen, der am 24.8.1883 zu einem “Theater“ umgebaut wurde und in dem fahrende Truppen neben den Possen “Donauweibchen“ und “Pagenstreiche“ auch Webers “Freischütz“ und sogar Mozarts “Zauberflöte“ zur Aufführung brachten.

 

Kritiker - gefürchtete, selten geliebte aber stets umgarnte Bewerter künstlerischer Leistungen. Die ersten Kritiken für das hiesige Theater schrieb der Heimatschriftsteller, Komponist und “Freund“ Friedrich Nietzsches, der Annaberger Heinrich Köselitz, alias Peter Gast. Überschwenglich bedankt sich der erste Direktor des Hauses, Georg Kurtscholz, 1899 in einem Brief bei Köselitz für dessen wohlwollende Kritiken. Ab der 50er Jahren begleitete Werner Naumann mit einer Vielzahl sachkundiger Kritiken mehr als dreißig Jahre besonders die Arbeit des Musiktheaters.