ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Garderoben - gibt es für das Publikum und für die Künstler. Erstere wurden im Annaberger Theater mehrfach umgebaut und dienen zur Aufbewahrung diverser Kleidungsstücke und Gegenstände während der Vorstellung. Die anderen beherbergen die Darsteller und sind für sie Aufenthalts- und Herrichtungsräume bei Proben und Vorstellungen. In beiden ist seit hundert Jahren emsiges Personal(Garderobiere/n) tätig, um die einen wie die anderen möglichst immer zufrieden zu sehen.

 

Garderobier/e - neben den Mitarbeitern, die dem Publikum am Abend in der Garderobe für einen geringen Obolus gute Dienste leisten, werden die Ankleider/innen in den Künstlergarderoben ebenfalls so bezeichnet. Dies sind gute Geister, die den Künstlern in ihren Aufenthaltsräumen vor, während und nach den Vorstellungen oder Proben Wünsche von den Augen ablesen, - sie mit Eß - und viel Trinkbarem versorgen, Knöpfe annähen, Bühnenkleidung waschen und bügeln, Geld leihen, Autogrammjäger zuführen oder fernhalten, Diskretion über Affären bewahren -  aber auch manchmal Arzt, Priester und Mutter/Vater in einem sind. Der erste Garderobier am Annaberger Theater war ein Herr Gläser - seine damaligen Aufgaben haben sich zu denen von heute kaum verändert.

 

Gage - das Geld, welches der Künstler am Theater bekommt aber zu keiner Zeit dessen Leistung entsprach. Hauptzahlungsmittel in der Theater-Kantine, wo durch das Anschreiben die Gage künstlich verlängert wurde, um somit nicht nur künstlerisch zu überleben. Außerdem lebte so der Künstler, zumindest finanziell, seiner Zeit immer einen Monat voraus. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Gagen am Annaberger Theater waren zu allen Zeiten gering. Nur die Direktoren/Intendanten, Spielleiter, Kapellmeister und später die Tenöre machten davon eine gewisse Ausnahme. In den 60er Jahren bekam ein Darsteller in Annaberg etwa so viel wie ein Müllfahrer, heute weit weniger als dieser. 

 

Gambrinus - auch “U-Boot“ - nannte man eine berühmt-berüchtigte Kneipe in Annaberg, in der zahlreiche Künstler des Theaters regelmäßig verkehrten, um dem “Gott des Bieres“ zu huldigen. Weitere Stätten derartiger Lustbarkeiten waren noch der “Erzhammer“, die “Pilsener Bierstube“, die “Einkehr“, “Schwan“ und natürlich die “Quelle“. Vor den Proben holte man sich dort die notwendige Stimulanz bzw. ölte dort seine Stimme. Nach den Vorstellungen ließ man sich in den Lokalen von den Annabergern bescheiden feiern. Ab und an wurden noch zu später Stunde Kostproben von Partien geliefert, die der jeweilige Künstler auf der Bühne nie zu singen bekam. Die Schauspieler ergingen sich verhaltener in meist kunst-philosophischen Gesprächen. Nur hin und wieder deklamierte einer aus dem “Wallenstein“ oder dem “Stülpner Karl“. Diese nächtlichen Künstlerrunden wurden auch als “Abschwitzen“- was viel über jene gesunden und gemeinschaftsfördernden Umtriebe aussagt. (Siehe dazu auch die Texte “Rundgänge durch Annaberger Kneipen“ auf dieser HP hier).

 

Gandt, Roland - Intendant des Annaberger Theaters von 1964 und mit Unterbrechungen bis 1985. War anerkannter Schauspieler und Regisseur. Erfolgreiche Inszenierungen u.a. “Die Räuber“, “Matrosen von Cattaro“. Hoch zu Roß verkörperte er gern und gut den Grafen von Einsiedel im von ihm inszenierte “Karl Stülpner“ auf der Freilichtbühne Greifensteine. Unter seiner Leitung wurde das Musical am Annaberger Theater fester Bestandteil des Musiktheaters. Umfangreiche bauliche Veränderungen sind durch ihn in den Jahren 1965/66 sowie zwischen 1975 bis 1981 veranlaßt und im Theater durchgeführt worden. Nach der Wende ermittelte man, dass er auch für das MfS die Rolle des “Romeo“ gar nicht schlecht gespielt haben soll. Aus diesem Grunde hätte ich ihn – nach Meinung des Herrn Weigel vom Landratsamt Annaberg (siehe Vorwort) – in diesem Text nicht erwähnen sollen. Roland Gandt – den man mit Vornamen auch manchmal “Aro“ oder “Intri“ nannte – starb im Jahre 2000 in einer Neubauwohnung in der Adam-Ries-Siedlung.

 

Geschichte - die Annaberger Theatergeschichte beginnt weit vor 1893, dem Jahr der Errichtung eines festen Hauses für ein Stadt-Theater. Schon Mitte des 15.Jahrhunderts fanden kirchliche Spiele und theatralische Veranstaltungen auf dem Annaberger Marktplatz und dann auch später auf dem Platz vor der St. Annen- Kirche statt. Im Zuge der Reformation kamen derbe Spiele der Handwerker und besonders die Fastnachtsspiele zur Aufführung, die nach geraumer Zeit vom Annaberger Rat verboten wurden. Ab 1537 sind in der Annaberger Lateinschule über 250 Jahre lang Theateraufführungen veranstaltet worden. Auch im hiesigen Franziskanerkloster soll es zu Theater- und Musikaufführungen gekommen sein. Neben den wandernde Schauspieltruppen die z.T. auch aus Böhmen kamen und auf den Annaberger Plätzen spielten, ist zunehmend mehr in der Schule und im Rathaus Theater gespielt worden. Am 24.August 1838 bekam die Stadt eine feste Spielstätte. Dafür wurde ein altes Holzmagazin, eine Scheune aus Holz, zu einem “Theater“ hergerichtet. Aus Gründen der Sicherheit mußte diese “Kunstscheune“ - wie sie im Volksmund genannt wurde - im Jahre 1881 geschlossen werden. Kunstbesessene und theaterfreundliche Annaberger sowie Sponsoren aus der Stadt und der näheren Umgebung brachten die stattliche Summe von 230 000 RM binnen kurzer Zeit zusammen, mit der dann 1890 die Errichtung des Neuen Stadt-Theaters begonnen und dieses am 2. April.1893 eingeweiht werden konnte.

 

Greiner, Carl - zweiter Direktor des Annaberger Theaters nach Georg Kurtscholz von 1907 - 1919.

 

Greifensteine - Naturbühne im gleichnnamigen Gebiet. Hauptabstecher des Annaberger Theaters und fester Sommerspielort seit 1957. Schon im Jahre 1846 sollen hier erste Theateraufführungen stattgefunden haben. Von 1878 bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts diente das Terrain auch als politische Arena (z.B. beim Crimmitschauer Textilarbeiterstreik 1903/04). Im Jahre 1931 finden hier die ersten Sommerfestspiele, gefolgt von einer Vielzahl von Theateraufführungen in den anschließenden Jahren statt. Neben Oper- und Operettenaufführungen erfreute sich das Schauspiel vom “Karl Stülpner“, dem “Grünen Rebell des Erzgebirges“, größter Beliebtheit beim Publikum. Das weit über 1.200 Plätze bietende Theater im Grünen war in der Vergangenheit so gut wie immer ausverkauft. Auch wenn es in Strippen aus den Wolken goß und die verlaufende Schminke auf den Gesichtern der Darsteller skurrile Bilder zeichnete - es wurde weiter gespielt, denn das Orchester ist überdacht. Und ein Dach von mehr als 1.000 Regenschirme vor sich zu sehen, ist der Mühe des Spiels schon wert. Meist aber ist das Wetter freundlich und die Zuschauer/innen können es sich auf den Rasenplätzen bequem machen, um auf den hoffentlich bald wiedererweckten “Stülpner Karl“ zu lauern, der in den letzten Nachwendejahren von “Winnetou“ und anderen Rothäuten etwas “verjagt“ worden ist.

 

Gotthardt, Charlotte - langjährige, engagierte und fachlich versierte Kostüm- und Bühnenbildnerin des Annaberger Theaters der Neuzeit. Fast alle Programmzettel der 60er bis 80er Jahre weisen sie als Verantwortliche für die Gesamtaustattung aus. Sie hinterließ eine umfangreiche Sammlung von z.T. künstlerisch wertvollen Figurinen, - jene zeichnerischen Entwürfe, aus denen dann in der Schneiderwerkstatt, oft auch mit großer Improvisationsgabe, die wundervollsten Kostüme gezaubert wurden.

 

 

Gottschling, Sepp - Charakter-Bass und exzellenter Darsteller des Sarastro in der “Zauberflöte“ oder des Falstaff in den “Lustigen Weibern von Windsor“ in den 60er Jahren. Nach einem Gerücht, dass sich auf eine pädophile Veranlagung bezog, wurde es um den Publikumsliebling, der eine Chorsängerin zur Frau hatte, merklich still und man sah in später nur noch in kleineren Rollen bis er sich gänzlich – und zu früh – von der Bühne zurückzog.