ANNABERGER THEATER A-B-C
99 Schlag- und Stichworte    Von Gotthard B. Schicker

 

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Annaberger Stadttheater - wird das am 2.April 1893 eröffnete Haus allgemein bis heute genannt. Offiziell hieß es damals “Neues Stadt-Theater Annaberg“ und war Eigentum einer Theatergemeinschaft. Als es 1919 von der Stadtverwaltung übernommen wurde, erhielt es den Namen “Städtebundtheater“; 1933 “Grenzlandtheater Obererzgebirge“; 1939 “Landestheater Obererzgebirge“,1947 “Stadttheater Annaberg -Buchholz“; 1951 “Kreistheater Annaberg/ Erzgebirge“ und schließlich wird es 1981 in “Eduard-von-Winterstein-Theater“ umbenannt.

 

Abstecher - werden regelmäßige Gastspiele des Theaterensembles in Volkshäusern, Gasthöfen, Kulturhäusern, Kinos u.a. der näheren und weiteren Umgebung genannt. In den 60er Jahren bespielte das Theater noch neun Orte darunter u.a. Warmbad, Schwarzenberg, Eibenstock, Zschopau, Glauchau, Burgstädt  und selbstverständlich die Freilichtbhne auf den Greifensteinen. Zusätzlich zu ihrer mageren Gage erhielten die Darsteller je 3,- Mark Diäten - auch Ze(ä)hrgeld genannt - pro Abstecher.

 

Ankleider/in - auch Garderobier/en genannt, gehören zu jenem beflissenen Theaterpersonal, welches den Darstellern in die Bühnenkleidung hilft. Darüber hinaus sind es gute Geister, die den Künstlern in ihren Aufenthalts- räumen vor, während und nach den Vorstellungen oder Proben Wünsche von den Augen ablesen, - sie mit Eß- und viel Trinkbarem versorgen, Knöpfe annähen, Bühnenkleidung waschen und bügeln, Geld leihen, Mut bei Lampenfieber zusprechen, Autogrammjäger zuführen oder fernhalten, Diskretion über Affären bewahren, aber auch manchmal Arzt, Priester und Mutter/Vater in einem sein müssen.In der ersten Theatersaison in Annaberg übte Herr Gläser dieses Amt aus. Seine damaligen Aufgaben haben sich zu denen von heute kaum verändert. Allerdings hatte er es zu seiner Zeit noch nicht mit der Bühnenkleidung aus dem Fundus zu tun, sondern vielmehr mit den Fräcken, Gehröcken, Reifröcken, Schuhen, Hüten, Handschuhen u.a. der Darsteller, die sie privat dem Theater zur Verfügung stellen mußten. Eine besonders schwere Arbeit hatten die Ankleider auf Abstechern und auf der Freilichtbühne Greifensteine zuleisten. Die längste Zeit übte die Funktion einer Garderobiere wahrscheinlich Frau Gertrud Zimmermann am Annaberger Theater aus. über 40 Jahre war sie dort der “seelische Mülleimer der Künstler “,wie die ehemalige Tänzerin ihre aufopferungvolle und interessante Tätigkeit selbst einschätzt.

 

Anstandsdamen - wurden in sogenannten Salonstücken, Possen und Lustspielen gebraucht. Die ersten Fachverträge hatten dafür 1893 die Damen Philippine Penz und Helene Gibson am Annaberger Theater erhalten.

 

Abonnement - die Garantie auf einen Theaterplatz oder Stammsitz. Im Annaberger Theater wurde es erst 1920 eingeführt. Von da an sind auch kleine Messingschildchen mit den Namen der meist gutbetuchten Abonnementen und Sponsoren an den Theaterstühlen angebracht worden. Die Einführung des Abonnement-Wesens diente auch der Einnahme von Garantiesummen zum Erhalt des Theaters. In späteren Jahren wurde ein Abonnementensystem entwickelt, mit dem unterschiedliche Altersgruppen garantierten und verbilligten Zutritt zu den verschiedensten Spielplankombinationen erhielten. So gab es Premieren -,Einzel-, Gruppen-, Brigade-, Schüler-, Konzertanrechte. Eine Anrechtsabteilung wurde extra geschaffen, die z.B. 1966 auf 6.052 Abonnement-abschlüsse verweisen konnte.

 

Albert, König von Sachsen - anläßlich seines Geburtstages wurde am 23.4.1893 eine Festvorstellung von Lessings “ Minna von Barnhelm “ gegeben, zu der Herr Alban Frisch - Redakteur des “Annaberger Wochenblattes“ einen zu Herzen gehenden Prolog verfaßt hatte. Zum Festakt anläßlich des 500jährigen Geburtstages von Adam Ries 1992 weilte der Nachfahre des sächsischen Königshauses, Prinz Albert, Herzog zu Sachsen, im Annaberger Theater.